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Jüdische Volkszeitung · 1874-09-22 · 38 (22.9.1874) · p. Seite 302

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
38 (22.9.1874)
Date
1874-09-22
Page
Seite 302 (sequence 4)
Language
German
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K-.r׳■■ — 302 der Kirchen und Religionsgemeinschaften. Dies hat in allen seinen Theilen auch Bezug auf die jüdischen Neligionsgemeinschäften, ändert aber in der Sache gegenüber dem bisherigen Usus selbst wenig. Nur über die Art der Zusammensetzung der Gemeindevertretungen werden Vollzugsbestimmunaen nt gewärtigen sein. — Immerhin ist von dem Geiste, der dieses Gesetz dietirte, ein bedeutsamer Fortschritt auch auf dem Gebiete des jüdischen Gemeindelebens zu geivärtigen. Doch mögen die jüdischen Religionsgenteinden in ihrer Aufmerksamkeit auf die Entwickelung unserer Zustände nicht Nachlassen. Der Schmerpunkt für uns liegt nicht sotvohl in diesen Kirchengesetzen, sondern im Schulgesetze. Thuir bei dem Inkrafttreten desselben die Religionsgemeindetr ihre Pflicht, achten sie genau auf alle Vorgänge und ihnen erivachsenden Zuständigkeiten; prüfen sie das Gesetz, so wird der Segen nicht ausbleiben und ״~ die Wühlereien des allbekannten Schwärzers werden bald ein Ende haben. Darum sind ihm auch diese Gesetze und diese Umbildungen des öffentlichen Lebens ein Dorn im Auge. Der Mann weiß, was er will, und was ihm, d. h. ihm persönlich, vortheilhaft. ״Und weiter hat es keinen Zweck", sagt Derweritos. Sch. Frankfurt a. M., i»t September. Wenn man die ״K. Z." liest, so sollte inan fast meinen, die Judetr allein regierten und bevölkerten Frankfurt und beherrschten den ösfentlichen Geist auch in politischer Beziehung. Man verargt es den Bürgern dieser Stadt, daß sie die Annexion zur Zeit noch nicht verwunden haben — trotz Lasker - und daß man sich weder zum alleinseligmachenden Nationalliberalisntus bekennen, noch für einen Schlachtag begeistertr kann, dem noch unzählige Leiden für unser deutsches Volk und seine Krieger folgten, wenn er auch unbezweifelt an einen welthistorischen Sieg der deutschen Sache erinnert und das Ende voraussehen ließ. Daß man in Frankfurt den Sedantag nicht feierte, das begeistert die allbekannte Kölnerin zu einein Hep-Hep-Ruse auf die Mannheimer und Frankfurter Juden, die doch hier wie dort noch nicht ein Zehntel der Gesammtbevölkerung ausmachen, wie man es tticht errvarten sollte von einer Zeitmtg, die — so nahe Beziehungen zum geheimen Preßbureau der Regierung unterhält. Macht man damit die Juden nationalliberal gesiitnt? Wir möchten das bezweifeln. Die Drohungen sind gemein und — lächerlich zugleich; sie erinnern uns au das bekannte Wort eines Juden, welcher sagte: Nun, wenn Ihr nicht wollt, daß wir unter Euch wohnen sollen, so wollen wir annehmen, Ihr — wohnt unter uns. Die ״K. Z." läßt sich also von einem Süddeutschen unter dem Zeichen des t (Kreuzes), also der entsprechenden Firma, die ״Judetr" als neumodische Reichsfeinde in solcher dutnntdreisten Weise bezeichnen: ״Weshalb gerade atr den beiben Orten (Frankfurt und Mannheim) von der Gemeinde aus nichts geschah, ist ein Punkt, der leider mit confessionellen und Nationalitätsfragen Zusammenhängt, deren Berührung im letzten Resultat für die Betheiligten schief ausgehen könnte. Man muß allen Ernstes wünschen, daß Leute, welche unter uns in Deutschland wohnen und den vollen Schutz unserer Gesetze und alle Vortheile eines geordneten Staatslebens genießen, das sie selber nicht zu erhalten verstanden, sich auch der Pflichten erinnern, welche die Staatsangehörigkeit im Gefolge hat. Gerade die glänzende Vertretung der deutsch-nationalen Politik durch einige hervorragende Stammesgenossen läßt den Mangel an höherer Auffassung der nationalen Pflichten in der Masse der Glairbensgenossen um so greller in die Augen fallen.! Es ist dieselbe Denkart, welche so Viele veranlaßt, das ohne ׳ Heerespflicht zu genießende nordamerikanische Bürgerrecht der! oeutschen Staatsangehörigkeit vorzuziehen, daß man jetzt auch die Siege nicht mitfeiern mag, aus welchen der stolze Bau des neuen Deutschen Reiches erstiegen ist, und man empfindet nicht, daß »tan so den eigenen Glaubensgenossen gegenüber, welche auch in diesem Kriege als tapfere deutsche Soldaten gefallen sind, das Mahnwort des Sängers tticht wahr macht: ״Vergeht die treuen Tobten nicht!" Wie gesagt, man soll sich hüten, die deutschen Empfindungen von Millionen durch ein allzu ausdringliches Geltendinachen eines Standpunktes, der außerhalb der deutschen Grenzen liegt, zu verwundern, und die Sedanfeier tvar der letzte Tag, an dem tnan die Inter- Nationalität der Börse und des Geschäfts so sichtbar in den Vordergrund schieben durfte. An zwei Orten hat dieses Treiben einen gewissen Erfolg in diesem Jahre gehabt, aber wie kein feiner Ruhm dabei ist, möchte auch der Profit von diesetn Geschüft nicht auf lange Vorhalten." Die ״Frkf. Ztg." betnerkt hierzu ganz treffend: ״Wir empfehlen diesen Kreuzritter vorerst dett Herren Cottstantin Frantz itnd Df. Sigl, die bekanntlich den ganzen Nationalliberalismus auf das Judenthttm zurückführen und in Bismarck nur einen Vollstrecker der Befehle der Synagoge sehen wollen und sind überzeugt, daß sich bei einem Wettstreit derselbe Dust ׳entwickeln wird, der bei dem Disput des Rabbi . und Mönch in der Kirche von Toledo dereinst die Geruchsnerven oer Donna Blanka so empfindlich assicirte." 1( u n 11 |d! u u. Deutschland. Berlin. Die jüngste Notiz vieler Blätter, daß der confessionelle Religionsunterricht an den höheren Lehranstalten; durch einen confessionslosen Religionsunterricht ersetzt werden , sollte, wurde bekanntlich von der ״Nordd. Allg. Ztg." als er-! ■funfeen bezeichnet. Wie die ״Voss. Ztg." jetzt von bestunter-׳ richteter Seite erfährt, ist Minister Df. Falk allerdings gegen' , den confessionslosen Religionsunterricht an den höheren Lehranstalten. Derselbe ist aber wohl für den confessionslosen Cha-; rakter dieser Anstalten. Das Cultusministerium ließ demnach!mehreren Communen, die zur Herstellung des neuen Normal-;!Besoldungsetats die Staatshülfe in Anspruch genommen hatten,!folgende Bedingungen zur Entscheidung vortragen: 1) die An- 1 stalt (gleichviel ob Gymnasiutn oder Realschule) verliert den conj fessionellen Charakter und tvird paritätisch, d. h. confessionslos, Zo daß die Lehrer beliebig Katholiken, Protestanten und Juden j sein können; 2) der Director und der erste Oberlehrer tverden ■ von der Negierung ernannt; 3) das Schulgeld wird erhöht (oft; um zwei Drittel des Betrages). Im Falle der Annahme dieser : Bedingungen wurde ein Staatszrtschuß in Aussicht gestellt. KoschMlU, 11- Sept. Vor einiger Zeit kam in einem hiesigen öffentlichen Locale die Rede auf jüdische Begrabchrisse, bei welcher Gelegenheit der daselbst anwesende Districts-!comtnissarius v. Gdie Behauptung aufstellte, daß die Juden; ihre Leichen in sitzender Stellung begraben, in Folge dessen .! auch auf den jüdischen Kirchhöfen ein der Gesundheit schädlicher Leichengerttch bemerkbar sei. Natürlich wurde hieraus ■! diese lächerliche Behauptung von anderen antvesettden Personen! bekämpft und dem Herrn Comtnissarius klar gemacht, daß dies! nicht möglich, da die Juden hier ebenfalls in Särgen begra-!ben werden, in welchen eine sitzende Stellung wohl undenkbar.; Ms

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