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Jüdische Volkszeitung · 1874-09-22 · 38 (22.9.1874) · p. Seite 301

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
38 (22.9.1874)
Date
1874-09-22
Page
Seite 301 (sequence 3)
Language
German
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Gerung :itet; die r׳ welche;!״; bcnn - und . e jU dein leiliiahnie Freude iinn der >lich, das 301 Eulen ׳ stattgcder von mste zehen und der Zug, >en Re- >e Stadtt war— iswärtige ln Levin, wr Fm- Schlüssel vr. Zort> Ancrübergab so menbe. Herr leshauses ur durch )ilse von ame aus en ihren Pflichten % Dider hiemzug v> lg. Rach 18, M : Umzug, r seinem eislung-n el ivurdden M nit einer kurzen Anrede angezündet. Hierauf betrat der Rabbiner irach! Absingung des 84. Psalms die Kanzel, welche auf goldge-! stickter Decke den sinnreichen Spruch: (*דבר אל בני ישראל לב״ק! als Jahreszahl zeigt. In der Weihepredigt begriißte der Redner zuerst unter Zugrundelegung der Worte des Versöhnungsfestes על דעת המקום והקהל in Uebereinstimmung mit Gott und Gemeinde, die Andächtigen, die Obrigkeit, die Nabbinen und betonte mit Anwendung der Worte: ועשו לי מקדש ״sie sollen nur ein Heiligthum bereiten", wie auch die religiöse Form der Jetztzeit eine gänzlich andere, würdigere geworden, so daß das dem obigen Gebote gegenüberstehende וכן תעשו אוהו ״also sollt ihr es machen", seine Berechtigung für damals hatte. In der weiteren Durchführung des einleitenden Theils ging der geehrte Redner mit großer Sicherheit auf das philosophische Gebiet über und suchte nachzmveisen, daß die vom Naturalismus mit seinem stammverwandten Materialismus, Egoismus und Pessimismus aufgeworfenen Streit- und Zeitfragen auch darauf hinleiten: ״Hat das Gotteshaus noch eine Berechtigung?" Die Argumente für die bejahende Beantwortung waren ebenso zutreffend als scharfsinnig durchdacht, boten eine in bester rednerischer Form reiche Blumenlese aus allen Gebieten des Wissens. Der stummen Natur wurden die Worte: ״Die Himmel erzählen die Ehre Gottes", der materialistischen Naturanbetung unter Hinweis מה נאה אילן זה, מה נאה ניר וה Wie schön ist doch dieser Baum, dieser Acker, die mahnende Stimnie: ״Ueber das Werk nicht den Werkmeister zu vergessen", den: Grundzug der Zeit: ״Alles ist schlimm, böse in der Weilt" (Pessimismus) das trostreiche ״ והנה מוב מאודEs ist sehr gut" entgegengehalten, und was der Redner in seinen^ früheren Vortrügen schon öfters seinen Zuhörern zu verstehen gegeben — der große Unterschied ^zwischen Theologie und Religion wurde besonders betont: '" Nicht sowohl eine Religion der Zukunft, als eine Zukunft der Religion erhoffen wir, sprach der Prediger. In der weiteren Abhandlung zeigte der Redner durch das Geständniß der besten und größten Geister die beseligenden Wirkungen der Religion, wie u. A. der große Königsberger Philosoph sich dahin ausgesprochen habe, daß das einfache Schriftwort: ״Wandle ich auch im Schattenthale des Todes, fürchte ich nicht, denn Du bist mit mir" ihn: ,nehr Trost brachte als alle Philosophie. Zun: Schluffe übergehend, zeichnete Herr U:׳. Levin die ewig erhabenen Lehren des Judenthuins, die sich besonders charakterisiren, in der freien Erkenntniß und Forschung der Lehre und ihres Inhaltes, an allen ethischen Pflichten, wie sie das Judenthum und seine besten, erleuchteten Männer zu allen Zeiten verlangten, und daß in der Nächstenliebe das höchste Princip liege, dies sei das Gottcsreich, dem Israel an den Trauerweiden Babylons bis zur Jetztzeit zusteuern, so daß das Judenthum das Medium in der Menschenentwickelung bilde, wovon das neue Gotteshaus redend zeugen solle, da es keine Scheidewand, sondern והיה המשכן אהד ein Bethaus für Alle, ׳-*־''■) wie cs ja auch keine christliche, keine jüdische^ Liebe, sondern nur die sei, welche in dem Satze gipfelt: ״Diesen Kuß der ganzen Welt, Brüder, über'm Sternenzelt muß ein guter Valer wohnen." So kann die israeli- I tffche Geineinde mit frohen: Bewußtsein ihres schönen Tempels m:t se:nen Beamten, einen hochgeschätzten Rabbiner und Pred:ger, musikalisch gebildeten Cantor mit prachtvoller Stimme, unterstützt durch eine wackere Verwaltung mit ihrem trefflichen *) ״Rede zu de,: Kindern Israel". - JA E Aerugnahme auf die Worte Jesaias: Mein Haus sei em Bethaus für alle Nationen, was Prediger auch durch die alten Opfer nachwres. Vorstande sich dH gestrigen Ehrentages freuen. Um 2 Uhr begann ein von der Cultusverwaltung veranstaltetes Festessen in: Saale des goldenen Adlers, zu welchem die auswärtigen Gäste, sowie Herr Bürgermeister v. Stromer eingeladen waren. Die gesammten Tagesblätter Nürnbergs öffneten der hehren Feier ihre Spalten und suchten die schöne Bedeutung des Festes in der humansten Weise ihren Lesern nahe zu legen. Es ist nicht zu viel behauptet, wenn wir an das neue Gotteshaus auch neue Hoffnungen zur besten Begriffsläuterung, ein iminer stärkeres Band der Menschenverbrüderung und des groM: Friedens erkennen. B—n. Aus dem Grofzherzogthniii Hessen, lO.Sept. Die eben erlassenen neuen Kirchengesetzentwürfe enthalten Nichts, was für die Juden von besonderer Bedeutung wäre. Wir glauben nicht zu irren, wenn' wir den Schwerpunkt dieser Gesetze in den Vorbeugungsmitteln gegen die katholische Geistlichkeit finden; und das läßt uns kalt. Die schlauen Jesuiten werden doch Mittel finden, trotz Recht und Gesetz den Frieden zu unterwühlen. Man hat vielleicht anderwärts und selbst in Preußen keine Ahnung davon, wie tief bei uns der religiöse Zwiespalt geht. Ich führe hier die wenigen Punkte der Gesetzentwürfe an, welche auch das jüdische Leben berühren könnten. Nach Art. 2 des Gesetzes, ״über die rechtliche Stellung der Kirchen- und Religionsgesellschaften", behalten diese die Corporationsrechte und können solche erlangen, wenn sie den Nachweis der entsprechenden Erfordernisse liefern. Die Bildung neuer Religionsgemeinschaften (Art. 3) ist gestattet. Ihre Verfassung und ihr Bekenntniß darf jedoch den Staatsgesetzen und der Sittlichkeit nicht widersprechen und nicht zum Vorwände dienen, Andere in ihre:: bürgerlichen und politischen oder religiösen Rechten zu beeinträchtigen. — Die katholische und protestantische Kirche, sowie jede andere, n:it Corporationsrechten versehene Religionsgeineinschaft ordnet und verwaltet ihre Angelegenheiten selbstständig, bleibt aber den Staatsgesetzen und der Oberaufsicht des Staats unterworfen (Art. 4). Das andere Gesetz, — es sind ihrer 5 bis jetzt erschienen; ein ebenfalls erwartetes, über den Austritt aus der Kirche oder Neligionsgesellschaft, welches für uns von so ernster Bedeutung werden wird, scheint noch bevorzustehen •— über den Mißbrauch der geistlichen Amtsgewalt, trifft uns! nicht. Unsere Rabbinen — selbst der sich Rabbiner nennende! Prediger der israelitischen Religionsgesellschaft in Mainz — : strafen nur mit Worten. Von höherer Bedeutuug könnte! gleichwohl das dritte Gesetz ״über Vorbildung und Anstellung von Geistlichen" werden, wenn es nicht ausdrücklich sich blos auf die geistlichen Aemter der christlichen Kirchen beziehen würde. Wie es in dieser Beziehung :nit den Rabbinen gehalten wird, weiß zur Zeit vielleicht die leitende Behörde wohl selbst noch nicht und wird sich nur in concreten Fällen entscheiden lassen.; Bisher haben wir 7 Rabbinen und z:var 4 (Kreis-Rabbiner) in Rheinhessen; 2 (Provinzial-Rabbiner) in Starkenburg, j 1 (Provinzial-Rabbiner) in Oberhessen. — Ueberall sind Anf stände und Niemand kennt die Befugnisse dieser Männer, deren j Vorgesetzte eigentlich die -. Kreisräthe sind.*) Das vierte Gesetz handelt von den religiösen Orden und ordensühnlichen i Congregationen und das fünfte von dem Besteuerungsrecht! _ *) Die hessischen Rabbiner sind theilweise definitiv mit groß׳! herzgl. Decret. theilweise ״auf Ruf und Wideruf" angestellt und! haben sämmtlich akademische Studien gemacht. Der zweite Rabbiner 1 in Mainz (Ur. Fürst ist blos als Religionslehrer angestellt) und ן die Prediger der Religionsgesellschaften in Mainz und Darmstadt i nur geduldet. —

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