Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 37 (15.9.1874)
- Date
- 1874-09-15
- Page
- Seite 297 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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297 V die Buße, das Gebet und Pflichten gegen Gott und gegen uns selbst. ä. Bibl. Geschichte: Von Moses Geburt bis Hoscheah. 2) Das königl. Realgymnasium besuchen nur zwei israelitische Schüler. Ueber den Religionsunterricht findet sich keine Notiz. 3) Das königl. Gymnasium und die Lateinschule besuchen 14 israelitische Schüler und zwar 4 das Gymnasium und 10 die Lateinschule. Zum außerordentlichen Unterricht ist der jüdisches Religionsunterricht gezählt, der von Herrn Moses Unna ertheilt wird und zwar: a. Religion: die Pflichten der Selbstliebe, die Pflichten der Nächstenliebe, die Pflichten der Israeliten als Unterthanen und die Segenssprüche nach Pleßner. b. Bibl. Geschichte: von der Zeit der Richter bis zu Salomo nach Flehinger. e. Lecture: 2. Buch Moses, Cap. 1—27. Die Gymnasialschüler L. Mosbacher und B. Hecht erhielten Preise; ebenso 4 Lateinschüler I. Gutmann, W. Silberschmidt, M. Feldheim und K. Fränkel. Feuikketon. Ein englischer Romanjnde. Literaturbild von Dr. H. Zirndorf, Seminardirector. (Fortsetzung statt Schluß). Der zweite Hauptstrom der Begebenheiten läßt sich nicht, gleich dem ersteren, in Stationen theilen, die verwirrende Fülle der Thatsachen und Abenteuer spottet einer übersichtlichen Aufzählung. Georg Fielding hat in Australien mit allen Schrecken der Natur und Menschenwelt zu kämpfen. Mehr als einmal blickt ihin der Tod in seiner furchtbarsten Gestalt ins Auge: dem verlassenen Fieberkranken in der endlosen Wildniß naht er mild und befreiend, und dem Wiedergenesenen im neu begonnenen Kampfe streckt der Meuchelmord wiederholt seine raffinirtesten Waffen entgegen. Sein Schicksal wirft ihn unter die bun׳ teste Gemeinde von Glücksjägern, von Abenteurern; der Abschaum der Menschheit mischt sich hier unter die tüchtigste Manneskrast, das redlichste Streben; Verbrechen aller Art entweihen den fügendlichen Boden der Colonie. — Mühsam, keuchend, nicht selten hoffnungslos, klimmt Georg hügelan den rauhen Pfad zu Glück und. Erfolg — zu seiner Braut. Zwei bis dreimal rollt der Sisyphusstein seines Glückes tückisch wieder vom Gipfel hinab; doch allmählig wird es um ihn Licht, sichtlich entwirrt sich sein Geschick. Erfindet einen Freund, einen treuen Helfer in dem gebesserten Sträfling Robinson; — die Beiden finden Gold. ״Ich sehe meine Susanna in diesem gelben Erz", ruft er freudig. Endlich finden Beide den Riesenklumpen — the great nugget — und kehren mit der reichen Beute in glücklichster Stimmung nach England zurück. Treten wir wieder in den friedlichen Pachthof in Berkshire ein, wo eine ländliche Hochzeitsgesellschaft sich eben nach der Kirche in Bewegung setzt, als ein paar ungebetene Gäste sich darstellen. Ein Wort von Georg klärt das Mißverständniß auf, zerreißt die Lüge von seiner australischen Heirath, führt Susanna wieder in seine Arme zurück. Nicht so leicht ist der alte Merton zu gewinnen: dieser moderne Laban hatte den Preis seiner Tochter auf Tausend Pfund festgesetzt, eine leichte Bedingung für den Finder des großen Klumpens. Heraus also mit deinen Banknotenschätzen, glücklicher Georg! — Doch, was soll der unzeitige Scherz! alte Zeitungsblätter anstatt australischer Beute? — Zur Erklärung dieses Intermezzos muß der Leser erfahren, daß Georg und sein Freund Abends vorher im Gast- Hause von einer ungewöhnlichen Schlafsucht befallen worden und daß Meadows gleichzeitig in demselben Hause war. Man mißverstehe uns nicht: der ehrenwerthe Meadows verlangte keineswegs nach dem Golde der beiden Abenteurer, ihm genügte.es, sie zu Bettlern zu machen, und der Helfershelfer Crawley, mit dem Raube königlich beschenkt, ist vielleicht schon nach Frankreich unterwegs. Doch die Lösung ist näher, als einer der Betheiligten träumen konnte. Crawley wird gefangen herbeigeführt, seine bloße Erscheinung genügt, um Meadows des so künstlich ausgesponnenen Verbrechens zu überweisen. Seine Anschläge sind derart auf sein eigenes schuldiges Haupt zurückgefallen, und keine feindliche Macht drängt sich mehr zwischen den Bund der Liebenden. Dies das Gerippe der vielverschlungenen Geschichte. Wenden wir uns jetzt zu dem Charakter, der mit großer Kraft, mit warmer Erregbarkeit, mit seltener Klarheit ausgerüstet, in farbenreicher Originalität an den Grenzstationen dieser reichen Novelle steht. Ein wachender Genius, ein wahrer deus ex macbina, stets derselbe und doch für jede neue Verwickelung neue Kraft ins Treffen führend, ein besserer Jniferrant einer reineren Dichterconception, so wandelt Isaak Lewy durch die Blätter der Reade'schen Dichtung. Der alte Isaak leidet nur an einem Fehler, aber es ist ein Fehler seines Autors, nicht sein eigener. Der Verfasser hat etwas von der ״jüdischen Rache gelesen und seinen Helden opernhaftTdamit ausstasfirt. Allein wir werden sehen, daß diese Zuthat nicht zu seinem wahren Costüm paßt und wir werden unsere Freude daran haben, wenn der Dichter im Verlauf der Ereignisse ihm später eine Ehrenerklärung geben muß. Die Geschichte dieses interessanten Greises führt uns wieder zu den Anfängen der Erzählung zurück. Seine Erscheinung wird vom Verfasser mit sichtlicher Vorliebe geschildert: ״Er hatte einen langen grauen Bart, ein wenig in der Mitte getheilt, reiches, fast weißes Haar und eine dunkle Gesichtsfarbe, die England nicht angehörte; seine buschigen Augenbraunen waren dunkler als sein Haar, und unter ihnen schimmerte ein Auge wie ein Kronjuwel; seine Stimme hatte die Fülle und Biegsamkeit des Orients. Dieser alte Mann war!Isaak Levi, ein orientalischer Jude, der sein halbes Leben unter dem Auge der Sonne verlebt hatte; und obgleich die! Stadt Farnborough zu lange an ihn gewöhnt war, um ihn! auffallend zu finden, so mußte seine Erscheinung doch jeden! aufmerksamen Neuling blenden: so exotisch und eigenthümlich war er — ein romantischer Brosamen im Teig der Alltäglichkeit es war als ob eine bunte Jaspisplatte zwischen die Pflastersteine ihres Marktplatzes sich eingeschoben, als ob ein großblumiger Cactus unter den Nesseln einer Berkshirer Wiese aufgeblüht wäre. Isaak Levi, ungleich den meisten Juden, war mit der hebräischen Zunge vertraut, und dies, vereint mit den östlichen Gewohnheiten seiner Jugend, färbte seine Sprache und seine Gedanken, besonders in Augenblicken der Erregtheit, und vor Allem, wenn er den Geldverleiher für eine Weile vergaß und als Mitglied einer großen Nation dachte und fühlte, die zwar unterdrückt, aber auf rühmliche Befreiung harrte. Er galt als ein Mann von Ansehen und Gelehrsamkeit bei seinem Stamme." Die erste Begegnung Levi's mit Meadows bringt die beiden so äußerst ungleichartigen Naturen feindlich an einander. Meadows hatte das Haus gekauft, worin der Jude zur Miethe wohnte und hatte ihm sofort die Wohnung gekündigt. Der n