Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 37 (15.9.1874)
- Date
- 1874-09-15
- Page
- Seite 296 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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296 Jahre — es nahet die Zeit heran, wo der Socialismus der gesummten Menschheit den Stempel aufdrückt." So lächerlich diese Fanfaronaden sind, wir denken dabei nur an Eines: Unstreitig ist, daß nicht allein der Jude Jesus in alter Zeit, sondern auch der Jude Lassalle in unserem hochgepricsencn Zeitalter, inmitten der cultivirten Welt die großartigsten socialen Ideen gefördert haben. Der mächtigste Einfluß dieser ״Messiasse" ist nicht zu verkennen. So hat denn die Welt von uns zwei Messiasse empfangen, — wir aber sind immer noch im Galuth, unser Messias ist noch immer nicht gekonrmen und die mannichfachsten Leiden, die wir in diesem Galuth erdulden mußten, — sie lassen sich in alter und in nmer Zeit vielfach auf diese Messiasse — oder auf ihre mißverstandenen Lehren zurückführen. Metz, 5. Septbr. Nach programmmäßiger Anordnung fand gestern Nachmittag 3 2/נ. Uhr die feierliche Installation des Herrn Landrabbiners Bi gart in der hiesigen Synagoge statt. Ein zahlreiches Auditorimn wohnte der Feierlichkeit bei. Da der Herr Präsident v. Arnim augenblicklich nicht in Metz verweilt, war derselbe durch den Herrn Oberregierungsrath v. Neitzenstein vertreten. Ferner waren erschienen: der Herr Bürgermeister Bezanson, mehrere Gemeinderäthe, der Herr Polizeidirector Stöphasius, der Herr Regierungsrath Jonas, Herr Pastor Wenger und viele andere. Nach dem feierlichen Empfang des Herrn Rabbiners las Herr Morange, Präsident des israelischen Consistoriums, das Ernennungsdccret vor und hielt eine Ansprache an den Herrn Rabbiner, worauf alsdann Herr Bigart die Kanzel bestieg. Alls seiner sehr gelungenen Rede, die nach allen Seiten hin befriedigte, geben wir nur den Sinn einiger besonders hervorzuhebender Stellen. U. A. wies er darauf Hirt, daß er der Priester Gottes, der helfende, unterstützende sei, leise damit andeuteitd, daß seine Thätigkeit in keine politische Angelegenheit hinübergeführt werden dürfe, so wie denn überhaupt in der Siebe jede politische Färbung streng vermieden tvar. Ferner, daß die finsteren, traurigen Zeiten mittelalterlichen Religionshaffes vorbei und alle Regierungen civilisirter Staaten Schützer der Religionssecten und Neligionsansichten seien u. s. w. Die Feier endete nach Inständiger Dauer, allgemein den befriedigendsten Eindruck hinterlassend. Wie wir noch hörteir, lvill sich der Herr Nabbincr auch in deutscher Sprache von der Kanzel herab vernehmen lassen. (Metzer Ztg.) Oestcrreichisch-ttngarische Monarchie. Wien. Der Direktor des Allgen,einen Oesterreichischen Israelitischen Taubstummen-Jnsiitutes, kaiserlicher Rath I. Deutsch, versendet eben den Jahresbericht dieses Institutes für 1873j74 aus welchem wir die erfreuliche Thatsache hervorheben, daß die Anstalt stetig prosperirt. In der Einleitung zu dem Berichte, gibt der als Fachmann bekannte Director einige Winke, wie der Unterricht der Taubstummen besser organisirt werden könnte. Wir entnehmen diesen Ausführungen Folgendes: Es wird vor allem noththun, für einen Nachwuchs brauchbarer Taubstummenlehrer unter den Schulamts-Candidaten Sorge zu tragen. Zu diesem Behufe müssen allerdings neue Uebungsstätten eröffnet und in allen Bezirken Taubstummenschulen errichtet werden. Nach kurzer Zeit wäre dann jeder Ortsschullehrer in der Lage, gegen eine entsprechende Remuneration den Taubstummen - Unterricht der betreffenden Schulrayons §u besorgen. Es versteht sich von selbst, daß dann der gesetzlich bestehende Schulzwang auch noch auf die vorhandene unterrichtspflichtige taubstumme Jugend ausgedehnt und diese Maßregel der Uebcrwachung und Amtshandlung der betreffenden Schulräthe empfohlen werden müßte. In gleicher Weise ,nüßte die Regierung die Hand zur Beschaffung wohlfeiler Lehrmittel, bieten, der k. k. Schulbüchervcrschleiß sollte für die Beistellung der Lehrbücher sorgen und die Gleichberechtigrmg des Unterrichts der Taubstunrmen mit dem der Vollsinnigen, unc sie theoretisch sowol vom Standpunkte der Pädagogik als der National-Oekonomie und Culturpolitik sichergestellt, auch im positiven Gesetze praktisch durchgeführt werden. An: Schluffe seiner Auseinandersetzungen erbietet sich Herr Director Deutsch dazu, nach wie vor einen eigenen Cursus für Lehrer, welche sich diesem Zweige des Schulwesens bekannt machen wollen, offen zu halten, und mit seinen Rathschlügen etwa entstehenden Taubstummen-Anstalten zur Seite zu stehen. Lemberg, 29. August. In Folge der beim hiesigen Bürgermeistertage neuerdings aufgetauchten und mit der Behauptung angeblicher Uebergriffe der jüdischen Cultusgemeinde- Verwaltungen schlecht maskirten Gelüste nach Einführung einer Judenordnung beschloß der Verein ״Schomer Israel" in der letzten Eomitositzung, die Frage der definitiven Constituirung dieser Cultusgemeinden in Angriff zu nehmen und namentlich ein Musterstatut für kleinere Gemeinden auszuarbeiten, da unter den größeren mehrere, wie Przemysl, schon solche Statute besitzen, andere aber wie z. B. Lemberg, dieselben ausgearbeitet haben und nur auf die behördliche Genehmigung warten. Uebrigens soll diese Frage noch in einer General-Versammlung besprochen werden. Herr Jan Dobrzanski ist ein wenig stiller geivorden, seit er sieht, daß seine ,naßlosen Angriffe gegen die Juden denn doch eine gewisse Opposition erwecken, und verwahrt sich * sogar nenestens dagegen, die jüdische Religion als solche angegriffen zu haben — eine Verwahrung die übrigens grundfalsch ist, wie durch das Memorandum des Vereins ״Schomer Israel" in dieser Angelegenheit dargethan wurde. Frankreich. Paris. Die National-Versannnlung hat die Gründung eines Lehrstuhls für die assyrische Alterthumskunde am College de France genehmigt und ist dieser einen, jüdischen Glaubensgenossen Dr. Julius Appert anvertraut worden. Schweiz. Renfchatel. Ein christlicher Geistlicher in Neufchatel wandte sich neulich an die christliche Bevölkerung der Stadt urn Gaben für die leidenden Juden in Jerusalem. Eine zu diesen, Zwecke veranstaltete Sammlung ergab die Sunnne von 241 Frcs. Aus der Schweiz, den, Lande der religiösen Freiheit, liegen noch einige Beweise von gleichen Erfolgen, die Sannnlungen zu obigen, Zwecke gehabt haben, vor. (Jew. World.) wung Unterrichte und Erzielttingswejen. ^r- Aus Uttterfrauken, in, Juli. Die Jahresberichte der höher״ Schulen in Würzburg sind in Druck erschienen und theile ich Ihnen einige uns besonders interessirende Notizen mit. 1) Die königl. Gewerbschule besuchen212katholische, 53 protestanische und 47 israelitische Schüler. Den Religions- Unterricht erthcilt Herr Dr. Braunschweiger (Stern's Nachfolger) in 2 Wochenstunden und zwar! a. Uebersetzen aus den, Pentateuch: die Hauptstücke. - - - Propheten: Samuel 2, C. 1 — 10. Ir. Uebersetzen aus dem Gebctbuche: die Hauptgebetstücke, c. Religion: die 10 Gebote, die Glaubensartikel mit Erklärung, die Feier-, Fest-Fasttage, die Sünde und