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Jüdische Volkszeitung · 1874-09-15 · 37 (15.9.1874) · p. Seite 293

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
37 (15.9.1874)
Date
1874-09-15
Page
Seite 293 (sequence 3)
Language
German
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Ja a — 293 — Jeden, der ein lebendiges Glied der Gesammtheit werden soll und Anstalten der Wissenschaft des Judenthums, in welchen die Lehrer gebildet werden, die das Geistesleben vermitteln, hineintragen ins Volk; sie allein werden uns in den Stand setzen, uns und unser Leben zu veredeln durch die Erinnerung an die glorreiche Vergangenheit und die ewigen Lehren des Judenthums, welche durch die Männer und Stätten der Wissenschaft gepflegt und noch erhalten werden, und unser Leben zu heiligen — durch die Versöhnung. Möge in unseren Gotteshäusern am Versöhnungstage sich dies Bestreben kundthun, um dadurch die Glaubensgemeinschaft zu einigen — zu versöhnen! — — Correspomlenz. Ans Bayern. Die Gedanken, die durch die eben gleichzeitig geschehene Einweihnng der Synagogen in Schweinfurt und Nürnberg in uns angeregt werden, — beides Gemeinden vom jüngsten Datum, deren Anfänge auf1848 Hinweisen—, geben uns die Veranlassung, Nachstehendes aus einem Nürnberger Blatt hier zum Abdruck zu bringen. ״Als im December1849 im bayerischen Landtag dieEmancipation der Israeliten beschloffen wurde und schon im nächsten Frühling ein israelitischer Kaufmann die Aufnahme als Bürger Nürnbergs erhielt, waren genau 500 Jahre seit jener Zeit- Periode verflossen, in welcher die Israeliten, wie fast allenthalben, auch in der Reichsstadt Nürnberg großen Verfolgungen ausgesetzt waren und ihre Synagoge abgebrochen wurde, an deren Stelle auf Veranlassung Kaiser Karl's IV. die jetzige Frauenkirche entstand. Wohl fanden sie später wieder Aufnähme in Nürnberg, durften aber nicht mehr, wie sonst, wohnen, wo sie wollten, sondern es wurde ihnen ein eigener Platz angewiesen (die jetzige Judengasse u. s. w.), welcher 1340 durch eine große Feuersbrunst verwüstet worden war und wo sie unangefochten wohnten, bis 1498 Kaiser Maximilian I. der Stadt die Freiheit gab, die Juden sammt und sonders auszuweisen, eine Freiheit, die bis zum letzten Titelchen ausgenützt wurde. Erst das Jahr 1849 hat, wie bereits erwähnt, den Jahrhunderte lang auf den Israeliten ruhenden Bann der Unduldsamkeit gekrochen und denselben, wie sie gleiche Pflichten haben mit allen übrigen Staatsbürgern, so auch die gleiche Berechtigung mit denselben und mit dieser namentlich auch das Recht freier Niederlassung gebracht. Seitdem ist die Zahl der Israeliten in Nürnberg auf etwa 2000 Seelen gestiegen. Es war daher sehr natürlich, daß sich das Bedürfniß eines eigenen Gotteshauses für diese zahlreiche Gemeinde bald geltend machte. So sahen wir also auch seit 1869 am Spitalplatz an der Stelle des ehemaligen sogenannten Harsdorfer Hofes, welchen die Gemeinde käuflich an sich brachte, ein prachtvolles Gebäude entstehen, das als eine Zierde der Stadt betrachtet werden kann; es ist die neue Synagoge von Hrn. Baurath Wolfs aus Stuttgart, welcher auch die dortige Synagoge erbaut hat, im maurischen Stil ausgesührt. Die Maurerarbeiten waren den Herren Maurermeistern Lunz und Schuh, die Schreinerarbeiten hauptsächlich den Herren Grünstäudel und Stettner hier übertragen. Die plastischen Ornamente fertigte Herr Hofstuckator Hoffmann in Stuttgart, die Malereien Herr Maurer von hier, beide nach Zeichnungen des Herrn Baurath Wolff. Die Glasmalereien wurden zum Theil in Offenburg, zum Theil von Herrn Kunstglascr Roth hier nach Zeichnung gefertigt. Die Beleuchtungs- Apparate wurden von der Aktiengesellschaft für Installation in Mainz und Riedinger in Augsburg eingerichtet und die Orgel ist aus der Werkstätte des Herrn Steinmeyer in Oettingen hervorgegangen. Die Vollendung des Prachtbaues inr Innern und Aeußern fand unter der Leitung des Herrn Bauführers Schwanderer statt, und Alles ist so weit gediehen, daß morgen, den 8. September, die feierliche Einweihung erfolgen kann. Die Synagoge enthält 546 nummerirte Männersitze und 389^ nummerirte Frauen sitze. In Folge der durch die Zahl der vorhandenen Sitze auferlegten Beschränkung und da zum Mindesten jedes männliche israelitische Gemeindemitglied mit einem Platz versehen werden wollte, auf der andern Seite aber die bei dem Bau betheiligten Personen, dann die hiesigen Civil- und Militärbehörden, auswärtige Rabbiner und die Vertreter wenigstens der größeren israelitischen Gemeinden Bayerns, dann die Vertreter der Presse mit Karten berücksichtigt werden mußten, ging es nicht an, allen Anmeldungen um Einlaßkarten gerecht zu werden; doch war man bemüht, durch Anweisung von Steh- Plätzen möglichst Rath zu schaffen und allen sich rechtzeitig meldenden Frauen Sitze zu verschaffen. Die k. Kreisregierung zu Ansbach wird bei Abwesenheit des Herrn Präsidenten v. Feder, wie wir vernehmen, durch Herrn Regierungsrath v. Morett officiell vertreten und die Behörden werden in Uniform erscheinen. — Nach dem Programm der Einweihung werden um 9 Uhr die Nebenthüren der neuen Synagoge, durch welche nur die mit Karten Versehenen Zutritt haben, geöffnet, vor 10 Uhr aber geschlossen, so daß von da an Niemand außer den beim Festzug Betheiligten mehr Eingang findet. — Der Zug, bestehend aus den Consirmanden, den Rabbinen, dem Erbauer der Synagoge (Baurath Wolff), seinen Gehilfen und den Baumeistern, den Vertretern der Stadtgemeinde, der Verwaltung der Cultusgemeinde und der reiferen Schuljugend, bewegt sich um 10 Uhr, nachdem im bisherigen Betsaal ein Abschiedsgebet gesprochen wurde, aus diesem im Innern des Synagogenhofs auf die Freitreppe, woselbst Baurath Wolff den von einer Consirmandin auf einem Kissen getragenen Schlüssel nimmt und ihn zum Zeichen der Ueberantwortung des Bauwerks dem Verwaltungs- Vorstand (Ad. Josephthal) übergibt, welcher seinerseits ihn mit einer Ansprache dem Herrn Bürgermeister v. Stromer behufs Oeffnung der Hauptthüre überreicht. Dann erfolgt der Eintritt des Zugs in die Synagoge, und die Liturgie, bestehend in den von Musikdirector Lewandowsky in Berlin componirten, von Herrn Gesangdirector Emmerling dahier dirigirten Gesängen mit Orgelbegleitung, Gebeten, Weihepredigt des Rabbiners V1-. Levin, Anzünden des ewigen Lichts u. s. w. Die Feier ist eine rein religiöse. Doch werden die Mitglieder der Verwaltung und der Baucommission den auswärtigen Festgästen, nachdem die Verhältnisse eine weitere Ausdehnung, wie siebeabsichtigt war, unthunlich erscheinen ließen, ein Mittagsmahl bieten. Mittelsranken. Am jüngsten Freitag, 4. Sept., fand in Schweinfurt die Einweihung der neu erbauten Synagoge in höchst angemessener Weise statt. Der Zutritt zu den Räumen des neuen Tempels war nur durch Einlaßkarten gestattet, um zu großen Andrang und die daraus entstehende Störung ferne zu halten. Der Magistrat, die Gemeindebevollmüchtigten, die protestantische Geistlichkeit und viele sonstige Bewohner der Stadt und Umgegend nahmen Theil. Die Weiherede hielt Herr Rabbiner Lebrecht. Die weitere Feier mit Chor- und Sologesängen und Orgelbegleitung, abwechselnd mit Gebeten, haben einen erhebenden feierlichen Eindruck auf die Festversammlung hervorgebracht. Redner legte besonders Nachdruck auf den großen Fortschritt der Zeit, auf die allgemeine Anerkennung des Geistes der Duldsamkeit und Liebe, die jeder Glaubensgemeinschaft ge-

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