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Jüdische Volkszeitung · 1874-09-08 · 36 (8.9.1874) · p. Seite 288

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
36 (8.9.1874)
Date
1874-09-08
Page
Seite 288 (sequence 8)
Language
German
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der Erergmsse; dem Roman der Gegenwart, bestimmt für ein!kann die Last des ererbten Pachthofes nur durch Anlehen auf' A”f “״״* "“w “:i״s—recht erhalten. Der sonst so vorsichtige, so zurückhaltende Geldmann Meadows ist jetzt die Bereitwilligkeit selbst in Vorschüssen und alsbald ist der Alte sein Schuldner zu einem Betrag, desien Rückzahlung auch die reichsten Ernten nicht ermöglichen werden. — Noch mehr: Meadows führt ihm den Versucher zu, um ihn vollends zu bestricken. Ein von ihm empfohlener Spekulant gewinnt den geldgierigen Sinn des alten Mannes für seine lockend dargestellten, mit goldener Beute winkenden Entwürfe und wäh. rend Meadows selbst kein einziges Goldstück wagt, wirft der verblendete Merton zuerst kleinere und dann immer größere Summen in den unergründlichen Eurtiusschlund der eitelsten Projekte. — Endlich langt ein Brief an, verkündend, daß Fielding bei den Antipoden Gold gefunden hat. Dieses Zauberwort drängt zur äußersten Maßregel. Das Geschöpf Crawley wird mit Gelv und Verhaltungsregeln nach Australien entsandt, um Georgs Wege zu kreuzen, sein redliches Streben zu unterwühlen. ״Georg Fielding darf nicht zurückkommen!" Vierte Station. — Acht Monate der bangsten Erwartung sind der treuen Braut dahingeschlichen, da verbreitet sich das Gerücht, Georg habe im fernen Australien einen großen Besitz angetreten und darauf ein Fräulein aus Sidney geheirächet. Susanna's Trauer und Bestürzung, da sie die Mittheilung durch alle begleitenden Umstände bekräftigt sieht, spottet der Beschreibung. Sie lebt, ste athmet nur noch für ihren Vater. So vergehen weitere vier Monate; da wagt endlich Meadows seine erste Erklärung. Nach längerem Zögern, nur auf Zureden ihres Vaters und in der trübsten Stimmung reicht sie ihm die frei gewordene Hand. Nicht eine glückliche Braut, ein Opfer schmückt sich für den Altar. Die Hochzeitsglocken ertönen. — Noch eine Weile und der große Preis ist gewonnen!.... (Schluß folgt.) Geschlecht, das auf Eisenbahnen fährt und mit Dampf arbeitet, genügte diese Schranke nicht mehr: die Stoffes- und Thatenfülle des modernen Romans forderte gebieterisch das Prinzip des ״Nebeneinander", um sich bequem ausbreiten zu können. Während im stillen ländlichen Farmborough tief angelegte Komplotte reifen, wird in Australien gegen Menschen und Elemente gekämpft; während das Verbrechen in der alten Welt sich rüstet, seine reiche Ernte zu halten, durchsegelt die Vergeltung auf schnellem Dampfer die grünen Meereswogen. Im Einklang mit diesem Prinzip des Nebeneinander und indem wir vieles Unwesentliche hinweglassen, gewahren wir denn vornehmlich zwei große Strömungen der Ereignisse, deren Lauf wir jetzt in kurzem bis zu ihrer Wiedervereinigung bezeichnen wollen. Georg Fielding, ein wackerer junger Pächter in Berkshire, wird durch das Fehlschlagen seiner Unternehmungen, durch Schulden und Verlegenheiten genöthigt, sein Vaterland, sein schon von den Vätem bebautes Grundstück und seine Braut, Susanns Merton, zu verlassen, um in Australien ein besseres Glück zu suchen. Die Engherzigkeit des alten Merton, die Kleinlichkeit seiner Umgebung und die Hindernisse, welche der ränkeschmiedende John Meadows dem Nichtsahnenden in den Weg geworfen, beschleunigen diesen Entschluß, dessen Bitterkeit nur die Zuversicht in die Treue seiner Geliebten mildem kann. Sowie er den Rücken gewandt hat, entfaltet Meadows Schritt für Schritt seine geheimen Pläne. Meadows, ein glücklicher Geschäftsmann, reicher Geldverleiher, von gebietendem Einflüsse in der Nachbarschaft und von einer über allen Verdacht erhabenen Achtbarkeit, hat bei seinen dunklen Entwürfen nur ein ersehntes Ziel im Auge. Ihn gelüstet nicht nach Vermehrung seines bereits beträchtlichen Vermögens; gem würde er einen Theil desselben opferrt, könnte er das Ziel seiner Wünsche damit erkaufen: Susann« Merton will er sich erobem. In diesem Punkte allein ist der unerbittliche Geldverleiher, der trockene Verstandesmensch, der gem t wiegte Weltmann schwach, dienend, ein Sklave seiner entflammten EtNe Gerichtsverhandlung M Wien. Begierde, ein Spielwerk seiner despotischen Leidenschaft. Da Mitte März dieses Jahres erhielt die Polizei Kenntmß, der Weg zu Susanns nur mitten durch Lug, Tücke und Verdaß im Caffs National im II. Bezirke täglich eine Gesellschaft brechen führt, so ist er mit sich eins geworden, diesen Weg zu von fünf bis sieben Personen sich zusammenfinde, die auf betreten. Der erste Schritt ist vergleichungsweise harmlos: es! Grund falscher Dokumente unverschämte Betteleien meist bei gilt, sich Susanna und ihrem Vater angenehm, willkommen,: hiesigen israelitischen Bankiers und anderen wohlhabenden zuletzt unentbehrlich zu machen. Dies gelingt dem erfahrenen, j Glaubensgenossen ausführen. Ein zur Erforschung der Sache gesprächigen Weltmann über alle Erwartung wohl, indem er! abgeordneter Detective fand wirklich eine Gesellschaft von sechs mit gewandter Manier jedem Wunsche zuvorkommt, und zumal! Personen im eifrigsten Gespräche und folgte zweien derselben, indem er sich mit allem Eifer in australische Verhältnisse hinein-! die sich nicht lange danach von den übrigen trennten, in anstudirt und so sich zum verfälschten Ausdrucke des gesammten gemessener Entfernung. Am Schottenring ging der anständiger Ideen- und Gefühlskreises macht, welcher diese einfachen biedern Aussehende der Beiden in einHaus; der Detective ließ nun zunächst Menschen im ländlichen Berkshire ausschließlich erfüllt. : den auf der Gasse Wartenden und bei seiner Rückkunft auch Zweite Station. — Land und Meer trennen jetzt die; den Andern verhaften. Eine sofort im Hause gepflogene Nach- Liebenden; allein die Treue der verbündeten Herzen kann nur: frage ergab, daß derselbe beim Bankier Lippmann gebettelt ein ungeheurer Betrug lockern. Gebieterisch stellt sich die Noth-! und sich dabei als ein unschuldigerweise verarmter Rabbi von wendigkeit dar, den Austausch trauter Grüße zwischen Ost und Raczkow ausgegeben hatte. Bei seiner Verhaftung suchte er West zu hemmen.! ein Buch unbemerkt wegzuwerfen, doch beobachtete dies der ״Der Mensch ist frei geschaffen!" — wahr gesprochen, edler vorsichtige Detective und nahm das Buch, welches ein Ver- Schiller, allein der Mensch, im Banne der Gemeinheit, verliert seine Freiheit täglich durch den Druck der Verhältnisse, durch die Noth, durch Vergehungen. Meadows hat ausgefunden, daß der Postmeister des kleinen Städtchens wiederholentlich Geldbriefe unterschlagen, und er macht ihn an dem Seil dieser Unterschleife zu seinem Gefangenen. Nach einiger Zeit bleihen die Briefe aus: hier in der friedlichen englischen Landwohnung, dort bei den Antipoden, in den wilden Thälern des neuentdeckten Goldlandes lechzen zwei Herzen vergebens nach dem ersehnten Gruß aus der Feme. Dritte Station. — Die Verhältniffe in der alten Hei- Math gerathen in stets trübere Verwickelung. Der alte Merton zeichniß von gesammelten Beträgen mit den Unterschriften der Geber enthielt, zu sich. Der angebliche Rabbiner bekannte sich bei der Polizei als ״Handelsmann" Hersch Fränkel aus Lodz in Russisch-Polen, sein Genoffe als Lewy Margulies, Schneider aus Lemberg. An demselben Tage wurde noch die Geliebte Fränkels im Gasthofe ״zum Elephanten", wo sie mit Fränkel gewohnt hatte, am nächsten Tage im Caffs National Hersch Margulies verhaftet, der sich, ohne von der Verhaftung der Anderen Kenntniß zu haben, arglos zum gewohnten Rendezvous eingefunden hatte. Fortsetzung in der Beilage.

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