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Jüdische Volkszeitung · 1874-09-08 · 36 (8.9.1874) · p. Seite 287

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
36 (8.9.1874)
Date
1874-09-08
Page
Seite 287 (sequence 7)
Language
German
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— 287 in der jüdischen Literatur", und werdenPränumerations- Einladung mit Angabe des Inhalts versendet. Bei dem außerordentlich reichen Wissen des geistvollen Mannes läßt sich ein vorzügliches und anregendes Werk mit Sicherheit erwarten. (Pränumerationen sind dem Herausgeber zuzusenden.) Herr S. Blumenau inBielefeld versendet einen Prospect über von ihm herausgegebene: ״Erinnerungsblätter an die Confirmation oder Bar mizwah-Feier", in welchem es also heißt: ״Diese Blätter, welche ein bleibendes äußeres Zeichen der Erinnerung an den Tag der Confirmation oder Bar mizwah sein sollen, eignen sich vormöge ihrer Ausführung auch ganz besonders zu Zimmer-Verzierungen. In der Mitte oben befinden sich die Gesetzestafeln, über welche die ausgehende Sonne sich erhebt, mit der Unterschrift: ויאמר אלהים יהי אור ויהי אור: Um die Säulen an beiden Seiten und durch die verzierenden Blumengewinde schlängelt sich ein Band mit den schön und deutlich hervortretenden Sprüchen; שמע ישראל יהוה אלהינו יהוד, אחד: ראשית חכמה יראת אלהים; ואהבת לרעך כמוך: Auf jedem Blatte befinden sich außerdem — in 20 verschiedenen Zusammenstellungen — ein Bibelspruch (in größerer gothischer Schrift) und ein Denkvers aus deutschen Classikern (in gewöhnlicher Fractur), bei deren Auswahl die verschiedensten Lebensverhältnisse Berücksichtigung gefunden haben. So hat der Rabbiner, Prediger oder Religionslehrer nur den Namen des Confirmanden, resp. Bar mizwah, seinen eigenen Namen und das Datum in den vorhandenen Bordruck einzutragen. Für diejenigen jedoch, welche es vorziehen sollten, die Denkverse selbst einzutragen, sind auch die Blätter ohne die eingedruckten deutschen Sprüche zu haben." Wir können unsererseits die schönen Blätter, welche sehr sinnreich zusammengestellte Denkverse enthalten, bestens empfehlen: sie werden auf den Empfänger und Beschauer einen sehr guten Eindruck machen, und die Erinnerung an die Confirmation wird noch nachhaltiger gefestigt werden durch den steten Anblick dieser Blätter. Feuiüketvn. Ein englischer Romanjude. Literaturbild von Dr. H. Zirndorf, Seminardirector. Der Roman: ״It 18 never too late to ment" (Zur Umkehr ist es nie zu spät) von Charles Reade gehört der guten Unterhaltungsliteratur an. Damit ist nicht gesagt, daß er so langweilig und nüchtern sei als ein frommer Traktat oder als eine jener forcirten Novellen für Mäßigkeit, innere Mission und andere schöne Dinge, welche die Spalten jener kleinen, in Exeter- Hall protegirten Magazine füllen. Neitt, hier ist Leben, Wahrheit, dramatische Glut und Erregtheit, Frische und Glanz der wechselnden Farben, scharf motivirte Zeichnung der verschiedenen Charaktere, kurz hier wogt und sluthet des Daseins reichster Strom. Allein andererseits laufen solche unleugbare Vorzüge doch nicht in jene Mängel aus, die ihnen nahe zu liegen scheinen und an welchen der Sensationsroman unserer Epoche leidet. Man vermißt hier mit Behagen jene Gedankenlosigkeit, die beim späten Ende den Anfang vergessen zu haben scheint, jene Principlosigkeit, die zu amüsiren sucht auf Kosten des Guten und Schönen, jene Geschmacklosigkeit, die das Heterogenste zusammenpaart, jene Effecthascherei, die der Verstandesgesetze spottet, die beleidigende Grellheit der Farben und das Unwahre und Unnatürliche in der Zeichnung. Das sind freilich nur negative Vorzüge, die allein nicht hinreichend wären, dem Buche eine so vorzügliche Stellung anzuweisen. Letztere gründet sich vielmehr auf die große Klarheit und Bestimmtheit, womit der Sieg des Guten und Rechten im Einklang mit jenen dramatischen Gesetzen durchgeführt wird, welche zugleich die Gesetze der Natur sind; auf die Einfachheit der Mittel, womit die höchsten Wirkungen der Poesie erzeugt werden und auf die gediegene Volksthümlichkeit der Sprache. Ja, Charles Reade redet die Sprache des Volkes, das Englisch der Hütte, die Phrase von Berkshire; aber er entlockt diesem reichgestimmten Instrument die vollsten und ergreifendsten Accorde. — Letzterer Umstand ist es besonders, welcher dem Buche seinen Werth als Volksbuch für lange verbürgen wird. Es ist ein Volksbuch im edelsten Sinne des Wortes, eine Dichtung aus dem Volke heraus und für's Volk gedichtet, die der Nation ihre eigenen Schätze vergegenwärtigt, fern von jener fadenscheinigen Armseligkeit, in der so viele Jugend- und Volksschriften aufzutreten wagen. In dieser Erzählung herrscht ein endloser Wechsel der Scenen und Umgebung. Man erwacht in der stillen ackerbauenden Grafschaft Berkshire unter einfachen Pächtersleuten und legt sich auf hohem Meere, die Segel weit gen Westen gespannt, zu Bette. Man begrüßt die Sonne des nächsten Tages im jugendlichen Australien inmitten einer bunten Gemeinde von Schafzüchtern, wilden Natursöhnen, Goldgräbern, Abenteurern, Verbrechern, und man beschließt den bewegten Tag mit einer Landüng im Mastenwalde des Londoner Hafens. Bald drängt man sich durch das kaufmännische Gewühl des Weltmarktes, der Londoner City, und bald findet man sich in den Mauern eines englischen Kerkers von den Greueln einer unmenschlichen Disciplin umgeben. Die höchste menschliche Tugend und Jntelligenz nickmt hier ihren Platz neben der breitesten Mittelmäßigkeit, neben dem tiefsten und verwegensten Laster: Weisheit, Hingebung, Güte, vertreten in einem anglikanischen Geistlichen, dem Gefängnißkaplan Eden, einem protestantischen Myriel (siehe Victor Hugo, 168 LIi8eradle8) und dem rettenden Engel der Gefangenen; edle, liebenswürdige Weiblichkeit in der Pächterstochter Susann« Merton; treue männliche Arbeitskraft in dem Pächter Georg Fielding, die Besserungsfähigkeit dermenschlichen Natur in dem Abenteurer Robinson. — Die schrankenlose Kühnheit und Selbstsucht des Verbrechens vertritt der äußerlich so ehrenwerthe Meado ws, der Kakodämon der Dichtung, die dienstbare Niedrigkeit sein Geschöpf, der Winkeladvokat Crawjftey (der Name erinnert im Englischen an: ״kriechen") und die kühlste Grausamkeit der Gefängnißinspector Hawes. Mehr als eine dieser Gestalten ist unzweifelhaft nach dem Leben porträ-! tirt und trägt die Züge jener Aechtheit, durch welche die Natur! auch die höchste Kunst so weit übertrifft. Dieser Roman hat eine reformatorische Sendung gehabt; er hat die Schäden und Gebrechen der englischen Gefängniß- Verwaltung schonungslos aufgedeckt und die Hebung und Besserung dieser Institute theils begleitet, theils vollenden helfen. Jndeß diese sowie andere Seiten seines Werthes liegen uns hier fern, die Aufgabe, die wir uns gestellt, besteht vielmehr in der Skizzirung eines einzelnen Charakters, der sich aus seiner Umgebung so bedeutsam hervorhebt, daß er zu einer Sonderdarstellung in gewissen Beziehungen einzuladen scheint Denn sowie auf einer riesigen Arras-Tapete, von zahlreichen Frauen- Händen im sechzehnten Jahrhunderte nach Zeichnungen von Leonardo da Vinci oder Mantegna gefertigt, sowie auf einer solchen Tapete unter dem bunten Volksgedränge sich ein edler Patriarchenköpf hervorhebt, so überragt in der Reade'schen Dichtung viele gleichgiltigere Gestalten der Jude Isaak Levi. Der ältere Roman begnügte sich mit dem ״Nacheinander" m jjteW-

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