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Jüdische Volkszeitung · 1874-09-08 · 36 (8.9.1874) · p. Seite 286

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
36 (8.9.1874)
Date
1874-09-08
Page
Seite 286 (sequence 6)
Language
German
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286 gefallen, daß er auf den Treppen den Geist aufgab. Das Publikum war so erregt, daß es das Haus zu demoliren begann und an dem Thäter Lynchjustiz geübt hätte, märe er nicht schleunigst von der Polizei in Sicherheit gebracht worden. Morgen erfolgt die Obduction der Leiche; die Untersuchung wird Näheres ergeben. Stein war 58 Jahre alt und hinterläßt 11 zum großen Theil noch unversorgte Kinder. Homburg, 19. August. Der ״Trier. Volkszeitung" wird von hier ein Act wirklicher Toleranz mitgetheilt. Die hiesige israelitische Cultusgemeinde hat nämlich dem protestantischen Presbyterium in Homburg als Beitrag zum Bau der protestantischen Kirche 60 Gulden zukommen lassen. Metz. Wie die ״Metzer Zeitung" schreibt findet Freitag,4. Sept. Nachmittag 3 x/2 Uhr die feierliche Installation des Herrn Bigart, Landrabbiners von Lothringen, in der hiesigen Synagoge statt. Herr Bigart, früher Rabbiner zu Pfalzburg, wurde vom Metzer israelitischen Consistorium nach hier berufen, worauf alsbald auch die kaiserliche Bestätigung erfolgte, durch welche zugleich Herr Bigart von dem Grad eines gewöhnlichen Rabbiners zu dem eines Grand Babbln (Landrabbiner) emporrückte. Anfangs wollte man jede feierliche Jnstallation unterlassen; jedoch auf den Hinweis des Herrn Präsidenten von Lothringen, daß einem von der deutschen Regierung eingesetzten Rabbiner dieselben Ehrenbezeigungen mit Fug und Recht zukämen, wie sie unter französischem Regime jedem Rabbiner bei seiner Einführung erwiesen wurden, entschloß sich das Consistorium zur erwähnten Feier. Nach dem darüber ausgegebenen Programm wird Herr Morange, Präsident des israelitischen Consistoriums, den neuernannten Landrabbiner mit einer Ansprache einführen, worauf dann dieser seine Antrittsrede halten wird. Mehrere hohe Beamte der Bezirksregierung werden der Feierlichkeit beiwohnen. Oesterrerchisch-Nngarische Monarchie. Wien. Nach dem Reichsvolksschulgesetze sollen die Religionslehrer an den öffentlichen Schulen von den betreffenden Religionsgesellschasten besoldet werden. Da aber die katholischen Religionsfonds passiv sind, so hat man die Gehalte der betreffenden Religionslehrer aus dem Staatsfond ausbezahlt. Die israelitische Cultusgemeinde in Wien, welche nach § 4 des Gesetzes vom 20. Juni 1872 zur Activirung der Religionslehrer verpflichtet ist, verlangte die Besoldung der israelitischen Religidnslehrer aus dem Staatsfonds; der niederösterreichische Landesschulrath lehnte jedoch in seiner letzten Sitzung dieses Ansuchen ab und referirte in diesem Sinne an das Ministerium. Brody, 25. August. Die Anstrengungen des hiesigen k. k. Bezirkshauptmannes, den einzigen reichs- und verfassungstreuen Winkel Galiziens zu polonisiren, scheinen leider mit Erfolg gekrönt zu werden. Das Resultat der heute stattgefundenen Ergänzungswahl zum galizischen Landtage gibt davon wenigstens einen sehr schlagenden Beweis, indem es zugleich eine markirte Charakteristik unserer politischen Zustände liefert. Der aus der Wahlurne siegreich hervorgeqangene Candidat ist Herr Br. Philipp Zucker, ein Ultra-Pole, der im Jahre 1863 wegen Theilnahme an dem Aufstande lange Zeit inhaftirt war und durch die Gnade des Kaisers amnestirt und rehabilitirt wurde. Der erlegene Gegencandidat ist der ftühere Bezirkshauptmann Julius Schumann, jetzt in Zaleszezyk, ein wahrhaft verfassungstreuer Beamter, wie wir sie leider in nur sehr geringer Zahl in Galizien haben. Ist es schon auffallend genug, daß Brody einen ausgesprochenen Verfassungsgegner zum Vertreter wählte, so muß noch der Umstand, daß sämmtliche ch.istlichen Wähler für den jüdischen Polen und sämmtliche unabhängige Juden für den christlichen Verfassungstreuen eingetreten sind, geradezu in Erstaunen setzen. Letzterer hätte auch bei der großen Mehrheit der jüdischen Wähler bestimmt die Majorität für sich gehabt, wenn nicht das Gros der verfassungstreuen Wählerschaft durch den israelitischen Cultusvorstand mit der Befürchtung zurückgeschreckt worden wäre, man werde durch Erzielung der Wahl des Herrn Schumann noch mehr den Zorn des jetzigen Herrn Bezirks- Hauptmannes erregen, der sich dafür bei der nächsten Recrutirung und sonstiger Gelegenheit an der jüdischen Bevölkerung zu rächen wissen wird. Viele jüdische Wähler ließen sich durch diese Vorstellung ihrer Cultusbehörde zur Stimmabgabe für Gr. Zucker bewegen, während der weitaus größere Theil sich ganz der Stimmabgabe enthielt, und so stimmten nur die wenigen Juden, die unabhängig genug sind, um sich nicht einschüchtern zu lassen, im wahren Sinne der Majorität der hiesigen Wählerschast für den einzigen verfassungstreuen Candidaten, so daß die Stadt Brody durch ihren Vertreter den Lemberger Landtag um einen heißspornigen Nationalen vermehrte. Es ist sehr zu befürchten, daß Brody durch diesen Act großer politischer Unklugheit viel und nachhaltig zu leiden haben wird, und der hiesige israelitische Cultusvorstand dürfte es bald einsehen, wie schwer er sich gegen die jüdischen Interessen vergangen hat. Es bleibt nur die einzige Hoffnung, daß Herr Gr. Zucker bei all seiner Schwärmerei für die nationale Sache es doch mit der Ehrlichkeit seines Charakters unverträglich finden wird, eine Stadt zu vertreten, deren Ansichten, wie er selbst überzeugt ist, der großen Mehrheit nach seinen Bestrebungen ganz entgegenlaufen, und die auf ihn gefallene Wahl ablehnen wird. Wer kommt dann an die Reihe? Diese Frage möge sich der löbliche Cultusvorstand beantworten. (N. Fr. Pr.) Frankreich. Paris. (Aus dem Monatsberichte Juli und August der Alliance israelite universelle.) Herr Oberrabbiner Flaminio Servi aus Casale theilt eine allgemeine Statistik der Israeliten in den verschiedenen Ländern Europa's mit, die er aus den neuesten Zählungen geschöpft hat. Hiernach sind in Belgien 3000, Deutschland 494,000, England 52,000, Frankreich 50,000, Griechenland 5,600, Holland 68,000, Italien 43,000, Oesterreich-Ungarn 1,222,000, Portugal 3,500, Rumänien 250,000, Rußland und Polen 2,600,000, Schweiz 5,300, Skandinavien 10,000, Spanien 3,000, Türkei (Europa) 350,000, zusammen 5,157,400 Israeliten. Herr Servi wünscht, daß diese statistische Zusammenstellung von den Correspondenten der Alliance vervollständigt oder berichtigt würde. Das C.-Comits wird hierauf bezügliche Mittheilungen natürlich mit vielem Danke entgegennehmen. Literarisckres. Ein Band von persönlichen Rückerinnerungen an B eethoven, Goethe und Mendelssohn, aus der Feder des Herrn Heinrich v. Meister, der mit den drei berühmten Männern befreundet war, befindet sich unter der Presse. Das Werk wird in englischer Sprache erscheinen. Herr v. Meister ist auch im Besitze einer Reihe von unveröffentlichten Briefen Mendelssohn's an ihn selber. Goethe's und Beethoven's, die er in Kurzem im Londoner Musikblatt The Choir zu veröffentlichen gedenkt. Von Herrn Oberrabbiner Gr. Leopold Löw in Szegedin ist ein Werk unter der Presse: ״Die Lebensalter

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