Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volkszeitung · 1874-09-08 · 36 (8.9.1874) · p. Seite 283

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
36 (8.9.1874)
Date
1874-09-08
Page
Seite 283 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9588641-9578923-9579244--798-9579247
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

283 b. h. allen denjenigen, welche sich bestreben, die Erkenntniß unter uns zu erhalten und zu verbreiten, die Erinnerung an die glorreiche Vergangenheit, an das reiche Geistesleben früherer Zeiten wachzurufen, zum neuen Jahre unsere wärmsten Wünsche zu und begrüßen' nach alter guter Sitte unsere geschätzten Leser zum Neujahrsfeste: ״Allen strebeirden Genossen, allen Freunden des Lichts, Allen, welche dem Fortschritte im Bunde mit der Religion treu und ergeben sind; Allen, die im Dienste Gottes und der Menschen Gutes wirken und das Gute unterstütze:: mit Kraft und mit Muth und mit hingebender Begeisterung, allen guten Menschen wünschen wir herzlichst לשנה טובה וזכתבו ein frohes und glückliches Jahr! Ober-Ingelheim. I. Klingenstein. Ein Aiterns äer gakiziscüen Iuäen. Lemberg, 27. August. Der Verein ״Schomer Israel" hat nachstehendes Memorandum an den Justizminister Dr. Glaser gerichtet: Ew. Excellenz! Der Verein ״Schomer Israel" in Lemberg, seinem statutenmäßigen Zwecke nach zur Wahrung jüdischer Interessen berufen, erlaubt sich ehrfurchtsvoll die Aufmerksamkeit Ew. Excellenz auf eine Erscheinung zu lenken, deren bisherige Nichtbeachtung eine Gährung der Gemüther erzeugt und den Keim zu einem socialen Brande gelegt hat, der, weiter um sich greifend, zu den bedauerlichsten Folgen führen müßte. Juden und Christen wohnten im friedlichen Beisammensein, der Bauer auf dem Lande sah in dem Juden seinen Freund und seinen Rathgeber, der ihn mit Rath und That unterstützte und ihm half. Seit einem Jahre wird eine Acnderung dieser Verhältnisse angestrebt. Als nämlich im vorigen Jahre die Juden Galiziens gelegentlich der directen Reichsrathswahlen unbedingte Verfassungstreue und gesetzlichen Fortschritt innerhalb des Rahmens der Reichseinheit auf ihre Fahne schrieben, anstatt sich dem Ukas einer kleinen, aber desto rührigeren Clique, die Galizien als durchaus im Oppositions-Fahrwasser befindlich darstellen wollte, zu fügen, begann die Gazeta Narodowa den Vernichtungskampf gegen die Juden Galiziens in einer der öffentlichen Ruhe, Ordnung und dem Anstande hohnsprechenden, äußerst rüden Form zu predigen. Die Enttäuschung auf politischem Felde sollte mit einem siegreichen Kampfe auf national-ökonomischem und socialem Gebiete gegen die Juden, wenn möglich, geführt werden. Aus den Brüdern jüdischen Glaubens, wie man die Juden zu nennen pflegte, sind auf einmal ״Verräther an der heiligen Sache des Vaterlandes" geworden. Seit einem Jahre bringt fast jede Nummer einen Brandartikel gegen die Juden. Betrüger, Brandleger, Diebe, Landaussauger, Landplage sind nur eine kleine Blumenlese der von der Gazeta Narodowa beliebten Schlagworte, an welche sich stets die Aufforderung zum Kampfe gegen dieses feindselige Element knüpft. Kampf auf national-ökonomischem Gebiete heißt nach der Theorie der Gazeta Narodowa Ausschließung der Juden von jeder Geschäftsverbindung, Entfernung von ihrem wohl erwordenen Besitze. Kein Gutsbesitzer soll einen: Juden verpachten, kein Bauer bei einem Jrrden einkehren, ihm Dienste leisten, Wohnungen vermiethen, seinen Acker bestellen, seine Ernte einheimsen, mit Einem Worte, die Juden sollen in Acht und Bann gethan werden. Das ist die tägliche Parole der Gazeta. Für die Landbevölkerung, überhaupt für die unteren Volksschichten berechnet, werden deren niedrigsten Leidenschaften gegen die Juden als Feinde ihres Glaubens und ihres Eigenthums aufgestachelt, und es ist einleuchtend, welche Gefahr darin liegt, wenn das im Lande weitverbreitete Blatt mit aller Leidenschaft und aller Heftigkeit Lehren predigt, welche den Kampf gegen die Juden, ja die Ausrottung dieses Elementes als nationale Pflicht in den grellsten Farben schildern, deren Befolgung die Hebung des Volkswohlstandes bezwecken und sichern soll. EH würde zu weit führen, und es ist auch unmöglich, alle Brand- und Hetzartikel hier zu citiren, aber einige Citate aus den betreffenden Nummern, welche in der Anlage beigeschlossen sind, sollen unsere Behauptungen rechtfertigen. Der Racenkampf ist das Programm geworden. Diesem strafwürdigen Treiben, diesem Treiben, das mit eherner Schrift die Merkmale von Haß und Verachtung gegen anerkannte Religionsgenoffenschaften, Aufforderung zu Feindseligkeiten, von Aufwiegelung, Gutheißung von unerlaubten Handlungen und noch anderen strafbaren Handlungen an der Stirne trägt, sieht die hohe k. k. Staatsanwaltschaft mit verschränkten Armen zu, und nicht einmal das objektive Verfahren wurde dagegen in Anwendung gebracht. Kein einziger der zahllosen Brandartikel ist confiscirt worden. Wartet die k. k. Staatsanwaltschaft vielleicht darauf, bis j die mit Bosheit und Gewissenlosigkeit von der Gazeta Narodowa gestreute Saat blutige Früchte tragen wird? Verträgt es sich mit der Rechtsordnung, daß dann vielleicht der Verführte zur Rechenschaft gezogen wird, während der Verführer straflos ausgeht und sein abscheulich Handwerk ungescheut fortsetzen darf? Sollen in einein Theile Oesterreichs, dessen Verfassung und Grundrechte den Stolz des Continentes bilden, rumänische! Zustände die den Abscheu des civilisirten Europas erregen, 1 herangebildet und geduldet werden? Darf es in Oesterreich so weit kommen, daß mehr als 600,000 Bürger darum in ihrer Ehre geschädigt und an ihrer Person und ihrem Vermögen straflos von journalistischen ״Bravi" bedroht werden, weil sie ihr Heil nur, und ausschließlich nur in der Reichseinheit, in der Verfassung und in dem verfassungsmäßigen Fortschritte suchen, welche eine Grundbedingung der Wohlfahrt unseres Vaterlandes sind, denen die Juden in Treue und Leben ergeben sind, und weil Arbeit, Fleiß und Sparsamkeit sie zum Mittelpunkte des Handels und Gewerbes geniacht haben? Dürfen in Oesterreich derartige communistische Tendenzen geduldet werden? Darf finsterer Religionshaß ungeahndet eure Religionsgenossenschaft offen befehden? Ew. Excellenz! Ein sehr bedeutender Bruchtheil der Bewohner Galiziens bittet um Abhilfe. Der bewährte Gerechtigkeitssinn Ew. Excellenz ist Bürge, daß gegenwärtiger Nothschrei nicht erfolglos verhallen wird, und bitten wir. ehrfurchtsvoll um geeignete Weisung an die hohe k. k. Staatsairwaltschaft in Lemberg." Dieser Eingabe hat der ״Schomer Israel" die folgende Blumenlese aus der Gazeta Narodowa beigefügt: 1) Die Wirthschaft der Juden ist räuberisch, piratenhast, macht das Land arm und elend, erhält es in Demoralisation und Finsterniß. (Nr. 176 vom 4. August 1874.) Der CharaJter der Juden besteht in der ererbten Fähigkeit zum Betrug, zum Schachern und Uebervortheilen. (l. 6046m.) Das Wirthsharls der Juden ist die Höhle der Trunkenbolde und der Diebe, hier ist das Stelldichein der Räuber. An allen diesen l $

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.