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Jüdische Volkszeitung · 1874-09-01 · 35 (1.9.1874) · p. Seite 277

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
35 (1.9.1874)
Date
1874-09-01
Page
Seite 277 (sequence 5)
Language
German
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277 '4־י-י^ךי '' *י!*. .-:*r;׳*F--+Pr■■ v ר M gehässigen Ausfallen gegen deren Religion, daß sich die anwesenden unbetheiligten Personen fragen mußten, ob sie im 19. Jahrhundert oder im Zeitalter der Judenverbrennungen lebten. Redensarten so gemeiner Art, daß wir auf deren Wiedergabe verzichten müssen, fielen auf die Häupter der geängstigten Damen ohne Unterlaß nieder; und das geflügelte Wort: ״Die Metzer Juden und die Prussiens sind ganz gleich" erschien als besonders zarte Perle unter diesen ״Bekenntnissen einer schönen Seele". Keiner der Herren des genannten Vereins wies den ״Präsidenten" in die Schranken des Anstandes zurück, und doch hatte das Betragen der Damen, die sich allen Angriffen gegenüber stumm verhielten, in keiner Weise zu irgend welcher Zurechtweisung Anlaß gegeben. Erst als der Zug die Grenzpfähle der ״civilisirten Nation" hinter sich hatte und in den Machtbereich der ״deutschen Barbaren" einlief, sank des Helden Muth plötzlich ganz auffällig; es war wohl; weniger die deutsche Luft, als vielmehr die auf den Bahn- Höfen sichtbar werdenden Pickelhauben der deutschen Gensdarmen, welche diese wohlthätige Ablichtung bewirkten. — Die Feigheit ist überhaupt ein charakteristisches Merkmal aller dieser! von sogenanntem ״französischen Patriotismus" aufgeblasenen! Schreier. Auch Herr Fiers, der in Pont-a-Mousson den! Hetzer spielte und den ersten Anstoß zu den verübten Gewalt-! thätigkeiten gab, ist hier in Metz ein gar friedlicher und fürsichüglicher Mann, der sich bei den Prussiens sogar um eine Gerichtsvollzieherstelle bewerben soll. Hier in Metz kricht man, namentlich den Behörden gegenüber, schlau zu Kreuze, und erst wenn man sich auf französischem Boden inmitten des Pöbels der Städte befindet, üben Muth und ״Patriotismus" in der Brust ihre Spannkraft. Hoffentlich werden sich Mittel finden lassen, um die bei den Attentaten in Pont-ä-Mouffon betheiligten ״Helden", soweit sie hier in Metz wohnhaft sind, hier zu gebührender Strafe Zu ziehen, wenngleich die Excesse auf französischem Boden vorgefallen sind und also vor einen französischen Gerichtshof gehören. Noch sei erwähnt, daß vor dem Kriege die Metzer Israeliten ihrer Religion halber öfters, den Beleidigungen des hiesigen Pöbels ausgesetzt waren; erst seitdem die deutsche Flagge hier weht, sind Fälle dieser Art nicht mehr vorgekommen. Paris, im August. (Die Ackerbauschule in Jaffa.) Bereits hat Hr. Netter wegen Übeln Gesundheitszustandes die Leitung der Anstalt abgegeben; sein Nachfolger ist Herr Schamasch. Hr. Goldschmidt hat all' die reichlichen Vorschüsse, die er der Anstalt geleistet, ihr zum Geschenk gemacht. Die Leitung hat neben Hrn. Schamasch, einem Zögling der Schule der Alliance, Professor Blau, ebenfalls ein ehemaliger Zögling und Gärtnermeister. Sechs der Zöglinge haben ihre Lehrzeit beendet und arbeiten jetzt — zwei als Schuhmacher, zwei als Drechsler, zwei als Gärtner, letztere in der Anstalt selbst. Vier Zöglinge sind zu Jaffa in der Lehre, zwei als Schuhmacher und zwei als Hufschmiede. In der Anstalt selbst sind noch zwei Drechsler und zwanzig Gärtner, aber vier dieser letzteren werden wegen körperlicher oder geistiger Untüchtigkeit entlassen. Die Bitten um Aufnahme sind jetzt eben so zahlreich, als sie bei Eröffnung der Anstalt selten waren und dies gestattet, unter den Aufzunehmenden eine Auswahl zu treffen. Waisen erhalten den Vorzug. Der Unterricht erstreckt sich auf die Gegenstände einer europäischen Elementarschule. In Jaffa wohnende Arbeiter und Zöglinge besuchen die Classen von 6 bis 7 Uhr 30 am Morgen, die anderen von 10 bis 12 und 1 bis 3. Im Sommer ist Arbeit im Felde zu diesen Stunden unmöglich und kann auch kaum in den Werkstätten stattfinden. Alle empfangen Unterricht von 7 bis 9 Uhr Abends, dann m Sabbathen und Feiertagen. Oeffentlicher Gottesdienst wird in der Woche von 5, 30 bis 6 Uhr Morgens, vor Sonnenuntergang und nach dem Eintritte der Nacht abgehalten; an Sabbathen und Feiertagen von 8 bis 10, 3 bis 4 und bei Sonnenuntergang. Ein Theil der Grundstücke wird von den Schülern, ein anderer mit Hilfe der Araber aus den umliegenden Dörfem bebaut. Um das Ganze zu cultiviren, wäre ein besonderer Beamter u. s. w. nöthig. Bis jetzt ist die Feldarbeit auf Erzeugung des für die Consumtion in der Anstalt nöthigen Weizens und der Gerste beschränkt. Die Erträgnisse des Gartens werden, wie die Verwalter hoffen, alle Kosten der Anstalt decken. Jaffa ist von Gärten umgeben. Schiffe werden hier mit Früchten beladen, die über Odessa nach Rußland oder über Port-Said und den Suez-Canal nach Bombay gehen — ein Absatz, der fast unbegrenzt ist. Die Anpflanzung von Esrogim wird auch eine wichtige Quelle des Wohlstandes werden. Viele dieser Citronen, die heute angeblich aus Jaffa kommen, find in der That aus Corfu. Auch die Cultivirung von Blumen, besonders von Rosen, wofür jetzt noch Adrianopel das Monopol hat, und die eines sehr rasch wachsenden Eucalyptus- Baumes, werden auch Vortheile bringen. Seit den letzten drei Jahren sind die Gärten vergrößert worden und ihre Er- Zeugnisse reichen nicht blos für die Bedürfnisse der Anstalt, sondern werden auch nach Port-Said exportirt. Der Weinberg ist vielversprechend. Die Gebäude harren der Vollendung entgegen und ■׳ es wird dann die Zahj der Zöglinge auf 30 bis 40 erhöht werden können. Dazu bedarf es vorerst noch der Geldhilfe, um welche eifrigst angesucht wird. (Hier ist ein Weg, der die Möglichkeit eröffnet, im Laufe der Zeit dem heiligen Lande auf eine bessere und sichere Weise aufzuhelfen, als es durch Almosen geschehen kann, die bis jetzt das große Uebel nur noch schlimmer gemacht haben.) K u n ä f cfr a u. Deutschland. Berlin. Am 10. v. M. feierte der auf dem Gebiete! der jüdischen Literatur rühmlichst bekannte Br. Leopold Zunz! seinen 80. Geburtstag. Wegen einer ernsten Krankheit! seiner Gemahlin ging das Fest in aller Stille vorüber und! erschien nur eine Deputation des zur Feier seines 70jährigen! Geburtstages gestifteten ״Zunz-Vereins" und brachte ihm; seine Glückwünsche unter Ueberreichung eines Werkes, in dem!seine zerstreut veröffentlichten Arbeiten gesammelt sind, dar. j Berlin. Der Entwurf einer deutschen Civilproceß-Ordj nung weist auch den Fortschritt auf, daß er eine für alle Confessionen anwendbare Eides-Formel aufstellt. Er bestimmt, daß der Eid mit den Worten: ״Ich schwöre zu Gott dem Allmächtigen und Allwissenden" beginnt und mit den Worten: ״So wahr mir Gott helfe" schließt, dem Schwörenden aber gestattet ist, diesen Worten eine seinem Glaubensbekenntnisse entsprechende weitere Bekräftigung beizufügen. Berlin. Daß das zu erwartende Unterrichtsgesetz ein liberales Gepräge trage, soll, wie Optimisten ausführen, schon die Fassung der ersten, grundlegenden Paragraphen beweisen. Diese Fassung sei fast wörtlich den Verbesserungen entlehnt, die 1869 die Unterrichts-Commission des Abgeordnetenhauses mit dem Entwürfe des Hrn. v. Mühler vornahm. Der Mühler'sche Entwurf begann: 1 §״. Die öffentliche Volksschule hat die Aufgabe, der Jugend für das Leben in t i , j

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