Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 35 (1.9.1874)
- Date
- 1874-09-01
- Page
- Seite 276 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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276 tj 276 — und ihrer Förderung sprechen zu hören. Und was für Männer! Dr. Jost ist längst todt und das Institut auch. Wir diesen daher das, was er über dasselbe damals sprach, gegenüber einigen neuerlichen Fanfaronaden nicht zurückhalten. Jost war damals Mitglied der Commission (mit Jellinek). ״Wir haben saetisch keinen Einfluß," sagte er. ״Wir erhalten nur die ganz schlechten Sachen zugesendet und nebenbei Einiges, was dann unabweisbar wird. Oft kommen an mich Anfragen über eingesendete Schriften, die mir nie zu Gesichte gekommen und die abgewiesen wurden, weil Saron re. dann hätten zurückstehen müssen. Das Publikum sollte sich regen. Aber wie? Ich kann nicht aufiommen und auch Jellinek nicht." Stern fragte: ״Aber warum bleiben Sie in einem solchem Institute Commissionsmitglied?" — ״Ich konnte das früher und von Anfang an doch nicht wissen. Nun ist mein Geschichtswerk einverleibt. Was kann ich also machen? Zudem — von einem Verein ist eigentlich gar nicht die Rede. Es ist ein Institut — und der Gründer glaubt sich das Recht anmaßen zu dürfen, eigenmächtig zu verfahren. Wenn's sich blos um das Honorar handelte! Wenn nicht die Sache Noth litte!" — So der selige Jost. Wenn wir heute aus diese alten Geschichten zurückkommen, so gilt es, weil vor einigen Wochen ein Plan Zur Gründung eines neuen ״Instituts zur Förderung der israelitischen Literatur" in die Welt gesendet wurde, den wir, wie es in der Natur der Sache liegt, freudig begrüßten. Wir sagten unsere Mitwirkung zu, soweit das durch unsere Zeitschrift möglich ist. An ein anderes, an eine literarische Betheiligung konnten wir nicht denken. Unsere Zeit ist für derart allzusehr in Anspruch genominen, wenn wir auch die Kraft und die Befähigung hätten. Wir wissen sogar im Voraus, daß die Einführung des neuen Schulgesetzes in Hessen unsere Zeit und Kraft vielleicht noch weit inehr nach anderen Richtungen lenken und in Anspruch nehmen wird; — dies nur nebenbei. — Aber wir glaubten, daß die neuen Unternehmer die Sache in die richtige Bahnen eines Vereins lenken, die Fehler Philippsohn's vermeiden würden, nachdem sie die Folgen gesehen. Aber was geschieht? Die bereits bestehende Firma Treuenfels — Rahmer, — der Eine Redacteur der ״Israelitischen Wochenschrift", der Andere Theilhaber, Expeditor oder dergl. — vereinigen sich von Neuem, erwähnen keines Dritten; die alte Form, das alte Gerüste, nur neues — Material! Und ob dies Material Holz oder Blech — wer weiß es? So können wir nicht mitthun und die Sache ist von vornherein todt. PH. hat sich mindestens in religiöser Beziehung der größtmöglichen Unparteilichkeit in den Schriften des Literatur-Instituts befleißigt, — wenn's auch, wie es in der Natur der Sache liegt, oft nicht vollständig möglich war. Die Richtung der Herren Treuenfels-Rahmer ist eine, wenn auch an sich unklare, doch bestimmt ausgesprochene. Hätten sie sich nun auch nur mit hervorragenden Männern ihrer Richtung verbunden, — wir würden uns damit zuftiedengegeben haben. Aber einer geschlossenen Firma Treuenfels- Rahmer können wir nicht das Vertrauen geben, daß sie das Philippsohn'sche Institut aus der Asche, in die es versunken, auferwecke. — Wir müssen daher mit Bedauern sagen: das Institut zur Förderung der israelitischen Literatur ist nunmehr definitiv begraben. Memel, 26. Menachem (9. August). Ein feierlich-heiliger Act, wie er in Deutschland seit Gott weiß wie lange nicht mehr vorgekommen ist und Gott weiß wann wieder Vorkommen wird, vereinigte heute um 10 Uhr eine sehr große Zahl hiesiger und auswärtiger Glaubensgenossen. Es war die Grundsteinlegung zu einem neuen Beth-Hamidrasch. Das bisher zu diesem Zwecke gemiethete Local war zu eng und zu dumpf, ein anderes passendes war nicht zu finden — wir ivaren wohl oder übel zu diesem Neubau gezwungen. Bis zu diesem Augenblicke waren wir durchaus nicht Willens unsere lieben deutschen Glaubensgenofien um materielle Beihilfe zu diesem heiligen Werke zu bitten; sie haben an uns schon unendlich viel gethan, in Hungersnoth, in Krankheiten, bei Brandunglück haben sie mit großen Geldsummen uns unterstützt und durch ihre milden Beiträge haben wir hier ein Krankenhaus errichtet, eine Anstalt, die dem Werthe einer ״rettenden That" für die armen Kranken der nahen russischjüdischen Grenzbevölkerung gleichkommt. Allein wir mußten bald inne werden, daß, wenn der heilige Bau nicht ganz in's Stocken gerathen oder doch nur so nothdürftig, gar nicht mehr seinem Zweck entsprechend ausfallen solle, wir die milde und ftomme Gesinnung unserer vermögenden deutschen Glaubensbrüder anrufen müßten. Die russisch-israelitischen Glaubensgenossen am hiesigen Orte, obwohl sie sich besser ernähren können als in Rußland selbst, leben trotzdem in einer dermaßen gedrückten Lage, wie es in Deutschland nicht vorkommt und Gottlob! gar nicht Vorkommen kann. Auf je einen Vermögenden kommen wohl gegen 25 Mittellose, so daß von den nahezu 150 Familienhäuptern kaum 5 sind, denen man neben der Sorge für ihre Familien, noch die Beisteuer zu einem solchen Werke zumuthen dürfte. Dennoch sind bis jetzt, da der erste Grundstein gelegt ist, die verausgabten 3000 Thlr. ca. zum großen, wenn nicht zum größten Theil von den freiwillig ge« gebenen Nothgroschen der Bedürftigen genommen. Daß konnte und durfte ich länger nicht mit ansehen, besonders da ich weiß, daß die edeln, vermögenden, für ihren Glauben begeisterten deutschen israelitischen Brüder zu einem solchen Werke gewiß geben und gerne geben werden. Zweierlei erbitte ich mir von Euch. Zuerst und zunächst milde Gaben zur Wetterführung und zweckmäßigen Ausstattung des Heiligthums; dann noch die Adressenangabe solcher Männer, die, wenn ihnen diese Aufforderung zu Gesichte käme, mit ihrer Beisteuer nicht zurückhalten würden. Als Gegendienst versprechen wir Euch, daß in dem neugebauten Hause auch für Euch gebetet und ״gelernt" werden soll und Gottes Barmherzigkeit wird es Euch anrechnen, als hättet Ihr es selbst gethan. Die Spenden nimmt zunächst der Unterzeichnete in Empfang, gibt Rechenschaft über ihre Verwendung und quittirt eine jede einzeln in den geeignetsten jüdischen Zeitschriften. Dr. Rüls. Der Herr Unterzeichnete versendet diese Ansprache mit der Bitte um Mithilfe und verheißt, daß das Institut im deutschen Geist und Sinn geleitet werde. Red. Metz, 5. August. Unseren Lesern wird aus den politischen Zeitungen bekannt sein, daß vor einiger Zeit in Pont-a-Mousson wiederum Deutsche von dem französischen Pöbel insultirt worden sind. Die ״Metzer Zeitung" veröffentlicht nun folgendes ihr zugegangene Schreiben, das die Ritterlichkeit der grande natione durch ein neues auch unsere Leser interessirende Beispiel illustrirt: ״Der Zufall fügte es, daß einige anständige israelitische Damen aus der hiesigen eingeborenen (französischen) Bevölkerung bei ihrer Rückfahrt von Pont-a-Mousson nach hier in einen Wagen zu sitzen kamen, in welchem bereits mehrere Mitglieder des unter dem Namen ״Socistö des Amis" bekannten hiesigen Gesangvereins Platz genommen hatten, darunter deffen Präsident der Vergolder O- Dieser bettug sich dermaßen brutal gegen jene Damen und erging sich in so ־¥: r