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Jüdische Volkszeitung · 1874-08-25 · 34 (25.8.1874) · p. Seite 270

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
34 (25.8.1874)
Date
1874-08-25
Page
Seite 270 (sequence 6)
Language
German
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270 rathsräume. Der daranstoßende Garten ermöglicht den Kranken den Aufenthalt im Freien unter schattigen Bäumen. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Gaya, 9. August. Die Statthalterei hat nunmehr nach gepflogenen Erhebungen den Bezirkshauptmannschaften eröffnet, daß die israelitischen Matrikenführer die Abschriften der Matriken sammt den Nachschlage-Registern, vom Jahre 1851 angefangen, zu verfertigen und bis Ende 1874 den Bezirkshauptmannschaften zu übergeben haben. Dieser Aufforderung dürfte aber bei dem besten Willen und ausdauerndsten Fleiße kaum entsprochen werden können. Bis dieser Erlaß in die Hände der Matrikenführer gelangt und diese sich mit den Drucksorten versehen haben, dürfte es mindestens September werden. Es bleiben dann noch drei Monate, eine viel zu kurze Zeit für die Abschrift aller Geburts-, Sterbe- und Trauungsfälle, welche in einem Zeitrarrme von 23 Jahren stattgefunden haben. Frankreich. Paris. Man schreibt von hier aus dem ״Börsen- Courier": ״Alle Welt entsinnt sich noch desj Knaben Mortara, dessen gewaltsame Entfernung von seinen Eltern durch katholische Priester dazumal in ganz Europa ein seltenes Aufsehen erregte. Heute nun ist dieser Knabe zum Manne geworden. Er ist Augustinermönch im Kloster Notredame de Brauchöne und hat am 16. Juli zum ersten Male öffentlich gepredigt. Es geschah dies im Kloster Carmel zuNiort, im Departement Sevres. Der ״Pater" Mortara ist heute ein junger bleicher Mann mit einem Gesichte, dem man jahrelanges Klosterleben ansieht. Ein zufälliger Hörer seiner Predigt, der auf einer Reise in Niort anwesend war, hat uns folgende Schilderung von ihm entworfen: ״Der junge Italiener hatte anfangs etwas schüchtern seine Perdigt angefangen. Man konnte zweifelhaft sein, ob er die französische Sprache vollkommen würde beherrschen können. Aber je mehr er sprach, um so sicherer wurde er, und sein wohlklingendes, volltönendes Organ macht einen sympathischen Eindruck. Es läßt sich nicht leugnen, daß die Kirche in dem ehemaligen Judenknaben einen gewandten und scharfsinnigen Redner gewonnen hat, der heute übrigens — ein fanatischer Katholik ist." Griechenland. CorfU. ״Levant Herald" schreibt: So lange die jonischen Inseln unter dem englischen Schutze standen, waren die Juden nach mittelalterlichem Brauche noch aller bürgerlicher Rechte beraubt. Sobald die griechische Constitution auf den Inseln proclamirt wurde, sind die jonischen Juden griechische Bürger. Als Zeichen ihrer Dankbarkeit für die liberalen Gesetze lieferten die Juden mehr Freiwillige zur Armee, als sie gesetzlich zu stellen hatten. Ein Jude war als Deputirter für die Kammer vorgeschlagen und fehlten ihm nur wenige Stimmen. Viele jüdische Familien aus dem Orient lassen sich auf den Inseln nieder, um hier Sicherheit und Ruhe zu finden. Die Juden, die in Griechenland wohnen, sind als gute Patristen bekannt. Unterri«At8unä Erziekung8wefen. (Die rheinisch - westfälische Lehrer - Conferenz.) (Schluß.) In den freien Besprechungen kam u. A. auch die Resolution des Abg.111. Laster zur Sprache, über deren Tragweite keine Meinungsverschiedenheit obwaltete. Von einem besonderen Vorgehen seitens der Conferenz als solche mußte vorläufig abgesehen werden. Jedenfalls, so groß auch die Gefahr bei event. Annahme des Antrages sei, dürfe man erwarten, daß die Regierung sich die Sache doch ernstlich überlegen werde. Dringend zu empfehlen ist es aber, s. Z. dem Abgeordneten des betreffenden Kreises, sei es auf mündlichem oder schriftlichem Wege Aufklärung über die Sachlage zu verschaffen, weil, wie an Beispielen illustrirt ward, jene Herren oft eine horrende Unkenntniß in jüdischen Angelegenheiten an den Tag legen und ihnen erst die Augen aufgehen, wenn die gute Sache, die sie, eben wegen ihrer Unbekanntschaft mit derselben, nicht interejsirt, unterlegen ist. Den preußischen Herren Collegen sei hiermit die Angelegenheit nochmals in Erinnerung gebracht und deren warme Befürwortung bei dem betreffenden Abgeordneten mit kurz gehaltener Motivirung ihnen dringend ans Herz gelegt. Möge Niemand übersehen, daß der Lehrerstand, resp. der Cultusbeamte der zunächst gefährdete ist.״) In Bezug aus die noch schwebende Lesebuchfrage gab der zeitige Herausgeber des Haester-Hecht'schen Lesebuches mit anzuerkennender Bereitwilligkeit die Zusage, bei der im Lause dieses Sommers nöthig werdenden neuen Auflage des zweiten Theiles für Mittelclasien den Wünschen der Versammlung nach Möglichkeit Rechnung tragen zu wollen und möge man sich behufs Abstellung gerügter Mängel dieserhalb an ihn wenden. Zum künftigen Conferenzorte ward Bochum gewählt; die Tagesordnung wird folgende Gegenstände umfassen: 1) Revision des Statuts. 2) Das Gedächtniß und seine Ausbildung in Beziehung auf die verschiedenen Unterrichtsfächer. Referenten: Goffel und Oppenheimer. 3) Wie sollen die Chebra-Vorträge beschaffen sein, damit sie erbaulich und belehrend wirken? Referent: Levor. Nach Votirung des üblichen Dankes an den Präses für dessen parteilose und geschickte Leitung der Geschäfte schloß derselbe nach einem klaren Nesunw über den Gang der Ver- Handlungen unter dem Ausdruck besten Dankes an die Gemeinde Schwerte für die stcundlich bewiesene Gastfreiheit mit dem Wunsche auf ein frohes Wiedersehen und recht zahlreiches Erscheinen in Bochum die Sitzung. Der Nachmittag des zweites Tages führte ein Häuflein der noch Gebliebenen zur Diesterwegsfeier aus dem Kaisersberg bei Herdecke, einem der romantischst gelegenen Punkte des alten Westfalenlandes. Den Gipfel der ziemlich steilen Höhe, welche Tausende von Lehrern trotz der drückenden Hitze im Schweiße ihres Angesichts erklommen, ziert ein im Mittelalterlichen Style erbauter Thurm, in dessen unterer Halle die Marmorbüste des urdeutschen, unvergeßlichen Ministers, Frei- Herrn von und zum Stein, Deutschlands Grund- und Edelstein, aufgestellt ist. In einer Seitennische blickt in freundlichem Ernste. auf den Beschauer in sprechender Aehnlichkeit die Büste unseres Diesterwegs, des Mannes mit starkem Geiste und unbeugsamer Willenskraft, des Licht-und Freiheitsfreundes; des zweiten und vollendeten Pestalozzi, des echten und geborenen Meisters in der Schule, der er eine neue Bahn ge- *) ״Hammaggid" hat sich über diesen Theil der Verhandlungen sehr unliebsam ausgesprochen, mit einer — Arroganz, die von totaler Unkenntniß der Sachlage zeigen würde, wenn — es nicht zur Parteiparole gehörte, das Gerade — krumm zu nennen. Die Beschimpfung desjenigen Theils des Lehrerstandes, welcher ausrichtig sich zu den Ideen der Gegenwart hält, kann nicht hier, sondern muß gehörigen Orts in richtiger Form gerügt werden. Redaction.

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