Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 34 (25.8.1874)
- Date
- 1874-08-25
- Page
- Seite 268 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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268 zur Besichtigung der Stadt eingeladen — Cleveland, das 1860 erst 43000 Einwohner hatte, ist seitdem eine Großstadt von mindestes 140000 dis 150000 Seelen geworden -— und brachte den Abend in einem prachtvollen öffentlichen Garten zu, bei einem köstlichen Abendmahle, feiner Musik und berede ten ״Speeches", durch strömmende Regengüsse leider! allzufrüh unterbrochen. In der Sitzung des dritten Tages — durch ein Gebet Dr. Samsield's aus Memphis eröffnet — erstattete zuerst der Ausschuß seinen Bericht über die ״Reiseprediger". ״Um die gesammte Menschheit (mankind at large) mit den großen Lehren des Judenthums bekannt zu machen, sagt der Bericht, bedarf es Männer nicht blos von der umfassendsten Gelehrsamkeit und liberalen Ansichten, welche die ewigen Wahrheiten des Judenthums von der Spreu ceremonieller und veralteter Gebräuche zu scheiden vermögen, sondern sie müßten auch im Besitz einer gründlichen Kenntniß der englischen Sprache sein. Solche Männer sind bis jetzt selten, folglich auch theuer (Natürlich! Angebot und Nachfrage, das weiß der Jankee, bestimmen ja die Preise!!). Der Ausschuß schlägt daher vor, statt der mündlichen Predigten, Flugblätter auszusenden und zu verbreiten; die der Union angehörenden Gemeinden aufzufordern, ihre Prediger von Zeit zu Zeit die Diaspora besuchen zu lassen, endlich ärmere Gemeinden zu veranlassen, sich einander anzuschließen, um auf gemeinschaftliche Kosten Rabbiner anzustsllen — so amendirt wird der Bericht, nach lebhafter Debatte, zum Beschlüsse erhoben. Der Sabbath-Schul-Ausschuß schlägt vor, drei Preise auszusetzen: für die beste biblische Geschichte, für die beste nachbiblische Geschichte und für den besten Katechismus. Angenommen. Sämmtliche Gemeinden der Vereinigten Staaten sollen, auf Antrag des Präsidenten, zun! Anschluß an die Union und auf I. Cohen's (Pittsburg) Antrag die Frauen Israels, ״diese Pioniere für den Fortschritt im Judenthum", eingeladen werden, ihren Einfluß für die Union geltend zu machen. Endlich erstattete der Universitäts-Ausschuß seinen Bericht, der mit voller Einstimmigkeit angenommen wurde. Folgendes ist der wesentliche Inhalt des 16 Artikel umfassenden Entwurfs: Der Name der zu errichtenden theologischen Universität ist ״Hebrew Union-College" (״Israelitische Vereins- Universität"); sie steht unter der Controle einer Aufsichtsbe- Hörde von 12 aus dem Vereine gewählten Mitgliedern; diese Behörde beruft die Professoren, setzt ihren Gehalt fest, verwaltet das Eigenthum des Vereins und erstattet dem Concil einen eingehenden Bericht. Die Universität umfaßt drei Abtheilungen: eine vorbereitende, eine hebräische und eine rabbinische und steht Angehörigen jeder Confeision offen. Auch in die Vorbereitungsclasse werden nur Zöglinge oder Graduirte aus höheren Schulen zugelassen; die Studien dieser Classe umfaffen: jüdische Geschichte, hebräische Sprache, Bibel im Urtext, rabbinische Schriften und allgemeine hebräische Literatur; ferner solche Gegenstände, welche der Universitätscursus noch bestimmen mag. In der hebräischen Claffe werden gelehrt: biblische, rabbinische und philosophische Literatur der Hebräer und wieder andere Zweige des Cursus; in der rabbinischen Abtheilung erhalten die Zöglinge allgemein rabbinischen Unterricht, der sie befähigt, jüdische Geistliche zu werden und empfangen die theologische Doctorwürde. Das Nähere soll durch die Aufsichtsbehörde festgestellt und die Anstalt, mindestens die Vorbereitungsclasse, am 1. October 1875 und zwar zu Cineinnati eröffnet werden. Hierauf nahm das Concil eine von I. Cohen vorgeschlagene Dankadresse an F. B. Peixotto, Consul in Bukarest, an, für das, was er den bedrückten Glaubensgenossen in Rumänien gethan, setzte Buffalo als seinen Versammlungsort für nächstes Jahr fest, nahm die Wahlen eines Executiv-Ausschuffes und die der Aufsichtsbehörde vor und schloß mit einer schwungvollen Rede des Rev. Dr. Mayer. Vielleicht interessirt es Sie oder Ihre Leser, die Namen der Gewählten zu wissen? Hier sind sie: In den Vollziehungsausschuß wurden gewählt: Loth, Freiberg, Kramer, Heidelbach, Mann, S. Levi (aus Ohio); Dembitz (Kentucky); Heavenridge (Michigan); Bamberger (Jndiania); Wertheimer (Pensylavania); — (einjährig:) Bettmann, Newmark, Hellmann, L. Levi, Aub, Marks (Ohio); Baer (Misssouri); Salomon (Illinois) und Levyn (St. New-Zjork). In die Controlbehörde: Mack, Rosenfeld, Adler, vr. Wise, Dr. Lilienthal, Kramer, Sal. Levi, Bettmann (Ohio); Bloom (Kentucky); Cohen (Pensyl.); Stern (Indiana) und Dr. Wolfenstein (Missouri). EorresponäenZ. Gaya, 10. August. Die ultramontane Presse Cisleithaniens hört nicht auf, gegen Juden und Judenthum zu wühlen, obgleich diese wirklich das Wasser des Katholicismus nicht im Mindesten trüben und die Flamme seines dreißigjährigen Krieges in 8x6 nicht durch einen Strohhalm vergrößern, obgleich sie ihm dieses Vergnügen nicht mißgönnen. Die 661681a militons hätte, wie wir glauben, doch andere Kämpfe zu kämpfen, als die Juden unablässig anzugreifen und den alten Schlachtenruf hep hep unermüdet zu erneuern. Das Größte hierin leistet Herr Joseph Chowanez, Nedacteur der ״Gegenwart". Dieser Mann mit seinen grünen Heften, ist Keinem grün, der nur einen Funken von Liberalisnms besitzt, aber den Juden gegenüber ist er total gelb — vor Neid und Haß. Dieser Mann ist wirklich irreligiöser als ein Heide, obgleich er Ritter des Ordens vom allerheiligsten Grabe und des Ordens vom hl. Gregor des Gr. ist. Die Heiden ließen die Todten ruhen, ein Heide sprach das geflügelte Wort aus: de mortius nihil nisi bene — (* אחרי מות קדושים אמור — Hr. Joseph Chowanez in Wien gibt den Todten auch nicht Ruhe. Er kann es nicht verwinden, daß Rothschild in Wien so ehrenvoll und — das ist sein Hauptverdruß — reich das Zeitliche gesegnet. Er citirt einen angeblichen Nekrolog wie folgt: ״Die Leiche solle keiner seiner Söhne, keiner seiner Anverwandten nach Frankfurt begleiten, nur sein Leibkammerdiener Gustave möge ihr folgen" und begleitet diesen seinen Nekrolog mit folgender Glosse: ״Warum sein Leibkammerdimer? Ist Kammerdiener nicht genug? Ist dieser Rothschild schon König von Haste Eppes gewesen? Heutzutage sind unsere Blätter angefüllt von Judengloire und christlichem Volkselend." Hr. Joseph Chowanez referirt in diesem seinem Hefte oom 8. August Weiteres: Der verstorbene Rothschild sei einmal von zwei aristokratischm Sammlerinnen eingeladen worden, zu einem neu zu errichtenden Spital beizutragen. Er fragte, welche Grundlage soll das Spital bekommen? Eine *) Wir bitten unsere geehrten Correspondenten. — wir meinen sie hier sämmtlich — in unserer ״Volkszeitung" solche sinnreiche Wort)piele dem Volke durch Uebersetzung verständlich zu machen. Herr vr. D. wird entschuldigen, wenn wir es hier, statt seiner, unternehmen. Also אחרי מות קרושים אמור sind eigentlich dre Ueberschrift von vier aufeinanderfolgenden Sidras (sabbathuche Thoraabschnitte). Als Wortspiel zusammengestellt, kann man ihnen den Sinn unterlegen: ״Nach dem Tode — nennt man die Leute Heilige." Redactton.