Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 33 (18.8.1874)
- Date
- 1874-08-18
- Page
- Seite 261 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Oppenheim-Warburg, in einem gediegenen und aus überzeugungstreuem Gemüthe kommenden Vortrage der ersteren das Wort und sucht nachzu- ' weisen, daß sie (die Barmizwahfeier) die allein berechtigte, im Judenthurn tiefwurzelnde Institution als Ausgangspunkt festzuhalten und wieder zu Ehren zu bringen sei. (ttr hält die Confirmation als etwas Widernatürliches, geradezu Schädliches, indem das Kind bei dieser Wiederholung zweifeln müsse, welches das Rechte sei. Ja, in seiner, für das Althergebrachte schwärmenden Erregung läßt er sich zu der etwas gewagten Aeußerung Hinreißen, die Confirmation eine Wiedertäuserei, ein Mädchen aus der Fremde zu nennen, dem es, nach seiner Meinung, trotz aller Versuche nicht gelungen sei, das Jndigenat in der jüdischen Gemeinde zu erwerben, während fiir die Bar- : mizwah die Sympathien noch in alter Stärke vorhanden seien.*) Ref. verlangt deshalb eine Umgestaltung der althergebrachten Barmizwah in würdiger Form und entwickelt in seinem Vorbereitungscursus das ״Wie" ungefähr in nachstehender Weise: Zusammenstellung derjenigen Sätze aus dem t Schulchan-Aruch, die sich auf den Geist und die Wichtigkeit . der Tfillin, Zizzith und der Gebete beziehen und zwar fordert er : diese Vorschriften in der Ursprache gelehrt. In der Schule schon sei das Fundament zu legen in der Art, daß dem Schüler das Verständniß der Hauptgebete nicht nur beigebracht,; sondern sie auch fertig vorzutragen verstehe, und daß der . Schüler auch in der Orientirung des Ritus bewandert werde, r Späterhin habe der Knabe einige Monate sein Morgengebet unter Aufsicht und Anleitung des Lehrers zu verrichten; in der Gewöhnung zum Beten steht Ref. die wahre Erziehung der Jugend. Vor der Vorlesung aus der Thora, wo dem , Ref. ein Stück (פרשה) nicht genügt, sondern mehrere Abschnitte, womöglich die ganze םררה verlangt, geht ein passendes - Gebet und Glaubensbekenntniß,**) Erklärung der פרפה mit; Einflechtung analoger Sprüche. Im Rahmen der 13 maimuj nischen Glaubensartikel und der Zehnworte im Urtext und in \ der Uebersetzung läßt er den B. M. die daraus resultirenden! Religionswahrheiten in Form frommer Gelöbnisse aussprechen,; um der religiösen Form auch einen religiösen Inhalt zu geben. \ Die Feier selbst will Ref. in größeren Gemeinden in die Faf milie, bei kleineren in das Gotteshaus verlegen, s Dies Alles hatte Ref. sorgfältig ausgearbeitet, allein in) einem Umfange, daß von vomherein die Möglichkeit der Ausführung bei den heurigen Schulverhältnissen, selbst beim besten Willen des Lehrers stark angezweifelt werden mußte. Diesem, neben seinen sich täglich häufenden Berufsgeschästen noch solche . Bürde als Privatarbeit aufzuhalsen, sei doch — so meinte ' ^e Conferenz — in der That eine zu große Zumuthung. In der daran sich knüpfenden, ziemlich erregten Discusj fion stießen darum die Ausführungen des Ref. auf heftigen } Widerspruch und fanden ihre Zurückweisung namentlich durch ) Diese ״erstaunenswerthen" Behauptungen können nur auf einen Mangel des Referenten an Erfahrungen in verschiedenen Gemernden, auf mangelhafte Vorbereitung der Confirmanden auf Verrennung der Bedeutung des Confirmandenunterrichts und schließ- L^?bn Mangel an der psychologischen Einsicht, daß das Wahre führt^werden^ ״״t bcm ״@c^nm" &anb in Hand geht, zurückge- **) Also doch! Das ist ja die Confirmation! Red. Hru. Blumenfeld, der in drastischer Auseinandersetzung die Unausführbarkeit solch einer ausgedehnten Vorbereitung bei öfterem Vorkommen auf das Schlagendste nachwies. In der Masse des religiösen Memorirstoffes, der ein Gottlob glücklich überwundener Standpunkt sei, liege die große Gefahr, in der Jugend das religiöse Gefühl gänzlich zu ertödten; die sögenannten 13 Glaubensartikel seien niemals ein Lehrbegriff der Synagoge gewesen; ebenso habe die Thoravorlesung des Barmizwah die eminente Wichtigkeit nicht, die ihr der Ref. beimesse und die darauf aufgewandte Mühe und Zeit sei für Nutzbringenderes aufzusparen. Andererseits wurde mit Recht betont, daß, so berechtigt auch ihrer Zeit die Barmizwahfeier war, nunmehr jedoch bei gänzlich veränderter Lage der Dinge die noch so wohlgemeinten Vorschläge des Ref. einerseits an dem geschwundenen religiösen Sinn in der jüdischen Familie, andererseits an der frühen Entlassung der Knaben aus der Elementarschule zum Besuch höherer Lehranstalten, ferner an der Beschränkung des religiösen Unterrichtsstoffes, bezw. der hebräischen Fächer den normalen Bestimmungen gemäß — nothwendig scheitern müssen. — Nachdem Blumenau dem Ref. seine Sympathien ausgedrückt, resumirte er im Sinne der Versammlung die verschiedenen Ansichten dahin, daß solch eine Vorbereitung zur Jsolirung führe, vielmehr großes Gewicht auf die Gemeinsamkeit des Confirmandenunterrichts zu legen sei. ״Wenn", so schloß er die Debatte, ״die Confirmation, ungetrennt für beide Geschlechter, in würdiger Weise gehandhabt wird, so ist sie, was man auch von gegnerischer Seite dagegen anführen mag, doch kein leerer Formalismus, und einmal eingeführt, zu innig mit dem jüdischen Gemeindeleben verwachsen und muß mit aller Entschiedenheit beibehalten werden." Ueber den nächsten Punkt der Tagesordnung: ״Ueber würdige Gestaltung des Gottesdienstes in kleineren Gemeinden" reserirte Hr. Steinweg-Rheda. Der Vortrag bot insofern keine neuen Momente, als die vom Ref. angedeuteten Reformen, als: Fortfall unzeitgemäßer Gebetstücke, Einführung deutscher Gebete, Haltung von sabbathlichen und festtäglichen Vorträgen, Vortrag der Haphtara in der Landessprache, einstimmiger Chorgesang u. a. m. schon längst von jeder, dem vernünftigen Fortschritt huldigenden Gemeinde angestrebt und darin Eingang gefunden.*) Als Leiter des Gottesdienstes habe der Lehrer auf eine würdige Vortragsweise der Gebete consequent zu halten, was eines der vornehmlichsten Mittel für Ruhe und Anstand im Gotteshause sei. Bei einzuführenden Reformen, meinte Redner, habe der Lehrer vor Allem ein selbstständiges Vorgehen zu meiden, überhaupt sei zu größter Vorsicht anzurathen, wolle man sich vor Unliebsamkeiten hüten. Darin kam aber die Versammlung überein, daß, was in größeren Gemeinden der Rabbiner, in kleineren der Lehrer sei, daß ferner von ihm, als Träger des Cultus, Vieles, ja das Ganze abhange und er in besonnener Weise, gestützt auf historischen Boden, für. die geistige Hebung der Gemeinde alle Hebel ansetzen müsse, wodurch von selbst eine solide Basis für einen verbesserten, erbauenden Gottesdienst sich schaffen laffe. Unter Reformiren sei nicht Abschaffung des Unpassenden, sich überlebt Habenden zu verstehen, sondern heiße vielmehr an Stelle des Veralteten Besseres, Zeitgemäßeres und Zweckentsprechenderes zu setzen. (Schluß folgt.) *) Der Vortrag wurde in diesen Blättern (Nr. 28) abgedruckt.'