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Jüdische Volkszeitung · 1874-08-18 · 33 (18.8.1874) · p. Seite 260

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
33 (18.8.1874)
Date
1874-08-18
Page
Seite 260 (sequence 4)
Language
German
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260 da'ico nicht mehr gefordert und geleistet werden. Der Hof stützt sich dabei auf einen Senatus Consult vom 14. Juli 1865, auf das Decret vom 24. October 1870 und darauf, daß die mosaische Religion keine besondere Eidesform verlangt, um den Eid für heilig zu erklären. — Bei dem großen internationalen Concurs zu Neuilly am 5. Juli, zu welchem sich 112 musikalische Gesellschaften versammelt hatten, hat der israelitische Tempelchor, seit 1868 unter der Leitung des Herrn A. Brody, den höchsten Preis erhalten. Unterricütgmul Erzie!mng8wesen. (Die rheinisch - westfälische Lehrer - Conferenz.) Werl, im Juli 1874.*) Zu der diesjährigen Versammlung israelitischer Lehrer Rheinlands und Westfalens, welche in Schwerte a. d. Ruhr in der Pfingstwoche tagte, hatten sich eingefunden: Baum-Rheine, Bendix-Dorstfeld, Benjamin-Unna, Blumenau-Bielefeld, Blumenfeld-Essen, Braun-Niedermarsberg, Feinstein-Wehdem, Goldberg-Steele, Goldstein-Grevenbroich, Gosiel-Camen, Gumpel-Dortmund, Heine-Vörden, Herrmanns- Cöln, Heymann-Castrop, Katz-Borgholz, Klestadt-Lippstadt, Kaufmann-Ahlen, Laser-Neheim, Laupheim-Bochum, Leeser- Eschwege, Levor-Euskirchen, Lippers-Beckum, Löb-Cöln, Mansbacher-Lünen, Moses-Oelde, Ohlenburg-Jserlohn, Oppenheim- Marburg, Sänger-Schwerte, Saul-Levern, Silberberg-Arnsberg, Speyer-Gelsenkirchen, Spieldoch-Limburg a. d. Lenne, Dr. Steinberg-Münster, Steinweg-Langerich, Steinweg-Menden, Steinweg-Nheda, Treu-Münster, Wolfsdorf-Erwitte, Wulff- Ruhrort, Oppenheimer-Werl. — Von früheren Lehrern waren anwesend: Cohn-Dortmund, Mandel-Lippstadt, Raphael-Dortmund. — Verhindert waren: Cramer-Neuenkirchen, Meyer- Salzkotten, Kronenberg-Gesecke, Ostwald-Witten, Rüben- Gütersloh, Spier-Bocholt. Nachdem der Vorsitzende, Hr. Blumenau, in einer markigen Ansprache die Anwesenden auf das Herzlichste willkommen geheißen, gab derselbe eine gedrängte Uebersicht über den gegenwärtigen Stand der Unterstützungscasie, deren Vermögen bis zum genannten Zeitpunkte auf die Summe von 7868 Thlr. 12 Sgr. angewachsen war, gewiß ein schönes Resultat, wenn man erwägt, mit welch geringfügigen Mitteln der Anfang gemacht wurde und mit welchen Schwierigkeiten derartige Cassen zu kämpfen haben, bevor sie lebensfähig werden. Bedauerlich ist es, daß ungeachtet aller, und an dieser Stelle so häufig wiederholten Mahnung, die Mehrzahl der Collegen in den Westprovinzen noch immer mit ihrem Beitritt zurückhält und die Wichtigkeit des seit zwei Jahren so wohlthätig wirkenden *) Wir haben diesen Bericht sehr spät empfangen. Die Eonferenz hatte zwei Schriftführer-das Weitere entzieht sich der öffentlichen Besprechung. Wir bringen ihn dennoch, aus besonderen Wunsch des Einsenders und anderer Mitglieder, wenn auch verspätet. Die Sache ist ja nicht verspätet. Die rheinisch-westfälische Lehrerconferenz hat sich von allen jüdischen Lehrerconferenzen allein erhalten. In Rheinhessen gibts nur noch ein halbes Dutzend jüdische Lehrer. In der Pfalz und Baden sind viele zu Communalschullehrern geworden und ihr Streben geht im Allgemeinen auf: die Hannöversche Eonferenz war eigentlich nie zu rechtem Leben gekommen. Man war dort eben zu unselbstständig und das hat die besseren Kräfte entfremdet. Einiger hannöver'scher Particularismus, ein Bischen Orthodoxie, die dort Specialität ist, e'est tont. So rufen wir denn der rheinisch-westfälischen Conferenz ein ״Glück auf" zu, und bringen — ibren verspäteten Bericht — denn doch, wenn auch. v Red. d. ״Jüd. Volksztg." Instituts, wie es fast den Anschein gewinnt, nicht würdigen will oder nicht zu würdigen versteht. Sollte es nicht die erste und heiligste Pflicht jedes Lehrers sein, die ungewisse Zukunft seiner^ Angehörigen nach Möglichkeit sicher zu stellen, zumal die ohnedies abhängige Stellung der meisten jüdischen Lehrer Preußens eine noch fragwürdigere werden kann, auf eine gesetzliche Regelung der jüdischen Schulverhältniffe sehr geringe Hoffnung zu setzen ist?! Wäre es nicht an der Zeit, die fast beschämende und leider doch immer wiederkehrende Thatsache von der Tagesordnung verschwinden zu lassen, daß, wenn die Noth an den Mann tritt, an das öffentliche רחסנות appellirt werden muß? Gewiß wird eine beffere Dotirung manches Elend heben, viele nagende Sorgen um die lieben Seinen aus dein Lehrerherzen bannen — wann aber wird der geflügelte Himmelsbote erscheinen mit der Verkündigung dieser messianischen Hoffnung? Collegen, dem gegenüber gibt es nur ein Mittel, dem Nebel in etwas abzuhelfen, das ist: Selbsts Hilfe, der einzige Weg, den alle Gesellschaftsklassen unserer Zeit in richtiger Erkenntniß zur Hebung der materiellen Noch nicht ohne Erfolg beschritten haben. Bleiben wir also hinter den Bestrebungen der Jetztzeit nicht zurück; der Lehrer muß als Pionier stets in der Avantgarde sich befinden und über die großen Fragen der Menschheit über die allgemeinen Interessen auch seine eigenen und die seines Standes nicht übersehen oder als nebensächlich bei Seite schieben. Vor dem Eintritt in die Tagesordnung gab Hr. Blumenau noch einige interessante Einzelheiten über die s. Z. in den gelesensten Zeitschriften veröffentlichte Audienz bei Sr. Excellenz dem Herrn Cultusminister Dr. Falk, der eine scharfe, juristische Auffassung der jüdischen Schulangelegenheiten bekündete — nun das Resultat ist ja bekannt. Zu dem prakischen Theile der Verhandlungen übergehend, war der nächste Gegenstand: ״Kürzung des Unterrichts in der einclassigen Schule". In einem lichtvollen Vortrage entwickelte der Referent, Herr Seminarlehrer Treu, dies überaus wichtige Thema und wies an der Hand reicher Erfahrung nach, daß das Hauptaugenmerk auf das Combiniren der verschiedenen Abtheilungen, bezw. Altersabstufungen in gewissen Fächern zu richten, was nicht blos thunlich, sondern eine gebotene Noth- Wendigkeit sei, sollen Kraft und Zeit des Lehrers nicht zersplittert werden. Wer es weiß, mit welcher Mühewaltung, Aufregung, mit Anspannung aller Kräfte der Unterricht einer, selbst der kleinsten einclassigen Schule verbunden ist, welches Lehrgeschick es erfordert, die mannichfachen Abtheilungen (wenn überhaupt von Abtheilungen in einer einclassigen jüdischen Schule die Rede sein kann) in einer Stunde zweckmäßig zu beschäftigen und zu überwachen, um seine Aufmeüsamkeit einer anderen Stufe zuwenden zu können, der wird ermessen, daß die größte Kunst gerade auf diesem Gebiete gezeigt werden kann und muß, soll man den gesteigerten Anforderungen des Lebens auch nur einigermaßen gerecht werden. Die einelassige Schule ist darum, wie Redner des Näheren erörterte, ein Uebungsseld, das einen ganzen Mann, eine erprobte Kraft erfordert. Hier heiße es: In der Beschränkung zeigt sich der Meister. Referent verlangt ferner Reducirung der Unterrichtsdauer im ersten Schulalter auf ein Minimum aus pädagogischen und sanitätlichen Gründen, ferner Beschränkung der häuslichen Schulaufgaben, Fortfall der sogenannten Strafarbeiten (seitenlange Abschreibereien aus Büchern u. dgl. m.), deren Gefahren er lebhaft schilderte. — Eine bestimmte Norm aufzustellen, ging um so weniger an, als die Lösung dieser heiklen Frage

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