Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 32 (11.8.1874)
- Date
- 1874-08-11
- Page
- Seite 253 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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müssen. Man verbreitete, dem neunjährigen griechischen Kinde, dessen Leichnam man im Meere bei Balata sand, wäre ein Auge ausgestochen, die Nägel losgelöst, die Zunge abgeschnitten, Hände und Füße durchbohrt und die Adern geöffnet gewesen. An dem Ganzen war kein wahres Wort, und es Handelte sich einfach um ein ertrunkenes Kind, das fast eine Woche im Wasser gelegen hatte. Eine Commission von fünf renommirten griechischen Aerzten erstattete einen detaillirten Bericht; der Polizeiminister veröffentlichte eine officielle Mittheilung; der griechische Patriarch ließ ein Rundschreiben in den Kirchen verlesen; alle diese Documente dementiren aufs Entschiedenste die in Umlauf gesetzten Gerüchte. Trotzdem wollen sich die Griechen noch nicht zur Wahrheit bekehren und die Juden nicht unbehelligt lassen. Die Juden vertheidigen sich gegen alle diese Angriffe und haben den Entschluß gefaßt, in vorpore eine Satisfaction von der griechischen Commune zu verlangen und gegen die griechischen Journale, welche diese falsche Nachricht verbreitet hatten, klagbar aufzutreten." Unterrickt8uml Erzielmng8wefen. Aus Uuterfranken, 24. Juli. Nach dem Stande des Schuljahres 1871/72 haben wir im Ganzen 124 Schulen und zwar: mit 1 Lehrer 117, mit 2 Lehrern 3, mit 3 Lehrern 1, mit mehr als 3 Lehrern 3, gesonderte Knabenschulen 2, gesonderte Mädchenschulen 0, gentischte Schulen 122. Wirkliche Elementarlehrer 126, Ständige Verweser 12, Gehilfen zur Unterstützung von Lehrern 1. Summa 139. Männliche Werktagsschüler 1696, weibliche 1679. Summa 3375. Männliche Feiertagsschüler 211, weibliche 397. Summa 608. Zahl der Lehrmitteln Unterstützten 44; Zahl der Schul- Häuser a) im Eigenthum der Gemeinde 98, b) für Schulzwecke gemiethete 20. Vom Staatsministerium wurde auch unterm 27. April 1869 die Statistik der bestehenden Religionsschulen in Bayern hergestellt. Sie ruhet als todtes Material in irgend einem Winkel. Wozu diese Erhebungen dienen sollten, ist noch Dienstgeheimniß. cLiterarisckle8. Ingelheim, den 5. August 1874. Die in einer Correspondenz aus Laupheim bereits erwähnte, bei Hallberg er in Stuttgart erscheinende Prachtbibel für Israeliten, mit den rühmlichst bekannten Bildern von Gustav Dorä, liegt uns bis zur 7. Lieferung vor. Mögen diejenigen, welchen es gegeben ist. ein solches Prachtwerk zu kaufen, einen solchen Kunstgenuß in ihr Haus zu bringen, sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen. Die reichen Bilder, die herrliche, alles bis jetzt Dagewesene weitaus überragende Ausstattung macht diese Bibel zu einem Hausschatze, wie der Mischen Familie bislang noch keiner geboten war. Jedes einzelne Bild ist ein Kunstwerk in Gedanken und Ausführung. In den uns vorliegenden 7 Heften sind 28 Bilder, eines immer köstlicher als das andere: — eine Beschreibung der einzelnen, vom künstlerischen Standpunkte aus, würde den Raum dieser Zeitschrift überschreiten: doch werden wir über einzelne später einen Berufenen sprechen lassen. Die elassische Periode der deutschen Nationalli teratur im 18. Jahrhundert. Ein Handbuch für Schule und Haus von I. G. Findel. 2. Auflage. Leipzig, Verlag von I. G. Findel. 1873. Eine übersichtliche und klare Darstellung der Entwickelungs- Periode unserer classischen Literatur, in welcher insbesondere Lessing, Schiller und Goethe vorzüglich behandelt sind. Die Urtheile schließen stch denjenigen unserer berühmtesten Literatur-Historiker an, sind also eigentlich nicht selbstständig zu nennen, was übrigens den Werth der schön aus gestatteten Schrift nicht mindert. Ob eine weitere Aussührung und Ergänzung durch die Literatur der neuesten Zeit nicht angemessen gewesen wäre, möchten wir doch fraglich finden. Leopold Löw, Zur neueren Geschichte der Juden in Ungarn. Beitrag zur allgemeinen, Rechts-, Religions- und Culturgeschichte. (2. Ausgabe.) Budapest, Lugwig Aigner, 1874. Es ist ein eigenthümliches Bild, das uns hier einer der geistvollsten und gelehrtesten Männer des Judenthums der Gegenwart entrollt, spannend — und mit großer Meisterschaft zusammengestellt^ um die Entwickelungsgeschichte eines großen Zweiges des jüdischen Stammes klarzulegen und doch — in vielen Partieen unbegreiflich. Unbegreislich — denn wir sehen angestrengte Bemühungen der besten jüdischen Männer zu allen Zeiten fruchtlos bleiben, weil wieder andere jüdische Männer aus Eifersucht, Ehrgeiz. Herrschsucht. Fanatismus und wie diese Furien heißen, die zu allen Zeiten das Judenthum geschädigt haben, — und nicht minder heute noch schädigen — entgegenarbeiten. 1 Und dann ist auf einmal das längst Angestrebte da, ohne Zuthun fast der Belheiligten, der Geist der Zeit hat es vollbracht. Und wieder ein anderes Bild! Dort die alte Orthodoxie, welche sich die Berechtigung zur Ausübung der Kirchenzucht nicht nehmen lassen will. Und was für eine Kirchenzucht! Löw weist nach (S. 69), daß diejenigen, welche das mosaische oder talmudische Gesetz übertraten, durch strenge Haft, durch Ausstellen in ein neben der Synagoge befindliches Halseisen gezüchtigt wurden, und der bekannte Oberrabbiner Rabbi Moses Schreiber (סופר) hat noch int j April 1838 eine Petition eingereicht, des Inhalts, ihm das Recht gewähren zu wollen, gegen Renitente einzuschreiten! Heute wollen die Orthodoxen, die übrigens für sich noch dieselben zarten Wünsche hegen, die Gewissensfreiheit vertheidigen — ihre Gewissensfreiheit, nicht die Anderer, Aller — und in Ungarn — schließen die freisinnigen Congreßmänner die Rabbinen von der Wahl zum Congresse jetzt aus! — Kann man da erwarten, daß Bestrebungen der Neuzeit zur Organisation des ungarischen Judenthums Frucht tragen werden? Es ist ein lehrreiches Werk (332 Seiten gr. Octav), das aus jeder Seite den Stempel Löw's trägt. Möge es gelesen, verstanden und beherziget werden. Zur Pädagogik der Schule und des Hauses. Aphorismen von 1)1-. L. Kellner, Geh. Regierungs- und Schulrath. Schulaufsehern, Lehrern, Erziehern und Eltern gewidmet. 9. Auflage. (Essen, Druck und Verlag von G. D. Bädeker. 1874.) Es gibt Bücher, welche ihre Geschichte haben. Sie finden begeisterte Aufnahme bei dem Einen, Widerspruch bei Anderen, Gönner und Gegner, Freunde und Feinde. Aber auch die Gegner solcher Bücher werden zugestehen müssen, daß es nicht die schlechtesten Früchte sind, woran die Wespen nagen. Sie werden die anregende Bedeutung solcher Streitschriften anerkennen und sie hundert anderen Schriften vorziehen, gegen welche sich kein Widerspruch erhebt, weil — sie spurlos verübergehen. Kellner's Aphorismen gehören zu diesen Büchern. Wir gehören selbst zu denjenigen, welche Vielem widerstreiten möchten, was darin gesagt ist. Und doch möchten wir das Buch nicht missen, möchten es strebenden Lehrevn empfehlen, zum Studium, zur Prüfung — zur Anregung eines gesunden, denkenden Widerspruchs. — Geographie der alten Welt. Für höhere Lehranstalten von Dr. A. C. Müller, ord. Lehrer am Friedrichs- Werder'schen Gymnasium in Berlin. (Berlin 1874, C. G- Lüderitz'sche Verlagsbuchhandlung, Carl Habel.) Ein sehr inhaltreiches und bequemes Nachschlagebuch für Stuj dirende der alten Geschichte. — | Elementarbuch der Weltgeschichte. In zweiCursen!für den ersten Geschichtsunterricht in Schulen von Robert!Gohr. I. Cursus, enthaltend Geschichtsbilder nebst culturge- ' schichtlichen Zusätzen. 4. Auflage. (Berlin, Nicolai'sche Verlagsbuchhandlung. 1873.) Der Verfasser hat es verstanden, einen kurzen Abriß mit knappen Worten zu bieten und doch anregend und bildend zu erzählen, klar und zusammenhängend und die einzelnen hervorragenden Ereignisse markirend, vorzutragen. Das macht sein Buch zu einem der besten und geeignetsten Lehrmittel für diesen Unterricht auf dieser Stufe. —