Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 32 (11.8.1874)
- Date
- 1874-08-11
- Page
- Seite 252 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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252 gründer des Unterstützungsvereins für Lehrer-Wittwen und -Waisen und des Vereins israelitischer Lehrer in Württemberg, in welchen er in ununterbrochener Folge bis zu seinem Tode im Ausschüsse thätig war. Seit sechs Jahren hatte er mit einem Augenleiden zu kämpfen und unterwarf sich schweren schmerzlichen Operationen. Vor zwei Jahren trat er in den wohlverdienten Ruhestand. Das tragische Ende eines edlen Sohnes, der in Amerika bei einer Excursion von einem Felsen stürzte, traf sein väterliches Herz schwer; er ertrug es aber wie seine schmerzhaften körperlichen Leiden mit Hiobs-Geduld. — Er war auch literarisch in der Pädagogik für periodische Zeitschriften thätig und als Canzelredner in seiner Gemünde wußte er sein rabbinisches Wissen schön zu verwerthen. Er möge im Andenken seiner Schüler und seiner Collegen leuchten wie des Himmels Glanz und sein Andenken bei uns zum Segen sein! Aus Bayern berichtet man uns, entgegen der in UNserer Nr. 29 gebrachten Notiz, daß ״die bayrischen Rabbinen nicht nur beabsichtiget, der Wittwe ihres seligen Collegen Ehrlich (welcher die Gehaltserhöhung der Rabbinen durchgeführt), einen sichtbaren Ausdruck ihres Dankes entgegenzubringen, sondern diese Absicht auch in glänzender Weise verwirklicht haben. Es betheiligten sich an diesem Dankesacte Reformer wie Orthodoxe, Rabbiner, welche sich der Staatszuläge erfreuen, wie jene, die sie nicht erhalten haben, mit gleicher freudiger Bereitwilligkeit. Selbst die verschwindend kleine Anzahl sich nicht Betheiligender vertheilt sich gleichmäßig auf beide Richtungen; Mitglieder der Augsburger Synode bilden genau die Hälfte derselben. Nur von einem der Letzteren wurde die ״Zustimmung verweigert" und eine Erklärung abgegeben. Die Uebrigen enthielten sich jedweder Kundgebung. Bedenkt man jedoch, daß mancher bayrische Rabbiner auf dem Lande, trotz der Zulage, in kärglichen Verhältnissen lebt, ferner, daß für den Rabbiner, der die Zulage nicht erhält, streng genommen, eine moralische Verpflichtung zur Betheiligung an der Dankesgabe nicht verlag, so ist es nicht gerechtfertigt, selbst auf die einzelnen Zurückgebliebenen ohne Weiteres einen Stein zu werfen." — So unser Gewährsmann. Wir freuen uns aufrichtig dieser Mittheilung und danken dafür. Wir nehmen an, daß unser Correspondent irrig berichtet wurde, was ja doch leicht möglich ist und sind überzeugt, daß er von derselben Achtung für die bayrischen Rabbinen durchdrungen ist, wie wir selbst. Die bayrischen Rabbinen nehmen von Alters her einen so vorzüglichen Rang unter ihren Berufs- und Standesgenossen ein und aus deren Mitte sind so ausgezeichnete Männer auch für das ״bayrische Ausland" hervorgegangen, daß auch nur ein geringschätzender Gedanke unserem Correspondenten und Jedem, der die neuere Geschichte des Judenthums kennt, fern liegen muß. Wenn wir auch die Gesinnungsrichtung eines Bamberger und Genossen tief beklagen, so verwechseln wir doch selbst diese nicht! mit den unwissenden und gesinnungslosen Schauspielern und Radschlägern anderer Kreise. Wir kennen selbst einige orthodoxe Rabbiner Bayerns (zweiA.), denen wir um ihres edlen Charakters und ihrer ungeheuchelten Frömmigkeit willen unsere Hochachtung nicht versagen können, trotz ihrer Absurditäten; sie meinen's ehrlich. — Die bayrischen Rabbinen wissen; sie haben meistens etwas aus ״Fürth" geerbt, und wo wirkliches Wissen ist und verbreitet wird, da kommt schließlich die Fortbildung, das Licht בעל כרחו. — H u nd f cft a u. Deutschland. Leipzig, 4. August. Der hiesige academische Gesangverein ״Arion" feierte heute sein 25jähriges Jubelfest durch ein großartiges Vocal- und Jnstrumental-Concert in der alten Thomaskirche. Unter den Festgesängen, welche hierbei zur Aufführung gelangten, befindet sich auch ein von dem Musikdirector S. Jadassohn, Lehrer am hiesigen Conservatorium für Musik und Dirigenten des Synagogen-Gesangvereins ״Psalterion", componirter Hymnus für Männerchor. Diesen hatte der Componist dem ״Arion", dessen Ehrenmitglied er ist, zum Jubelfeste gewidmet. Die Kritik spricht sich sehr anerkennend und lobend über dieses neue Werk des jüdischen Musikmeisters aus. Berlin. Die königl. Oper wird vom 1. Mai nächsten Jahres ab einen lyrischen Tenor, Leopold Landau vom Mainzer Stadttheater, besitzen, dem der beste Ruf vorausgeht. Herr Landau, der jetzt zwei Wintersaisons am Stadttheater zu Mainz engagirt war und für den kommenden Winter dem kaiserl. Theater zu Straßburg i. E. verpflichtet ist, war vor seiner theatralischen Carrwre Vorbeter in einer Prager Synagoge. Breslau. Die ״Br. Ztg." meldet: Von Württemberg sind Klagen geführt, daß die dortigen Juden soviel von bettelnden Juden aus Oesterreich, Rußland, Ostpreußen und Preußisch-Polen belästigt werden und ist um Maßregeln gebeten worden; es sind deshalb die diesseitigen Behörden angewiesen worden, auf die Sache zu achten und die Grenzbe- Hörden mit genügender Anweisung zu versehen. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Gaya, 28. Jul. Der Cultusminister hat bereits die für die Führung der Civilstands-Register der Israeliten in Cisleithanien nöthigen Verfügungen getroffen und die Statt- Halter mit der Constituirung von Bezirken unter Unterbezirken für die Matrikenführung beauftragt. Mittelst Erlasses der mährischen Statthalterei vom 18. d. Mwurde den Bezirks- Hauptmannschaften ein übersichtliches Tableau mit abgegrenzten Bezirken, analog den Gerichtsbezirken, mit dem Aufträge, sich darüber zu äußern und etwaige Emendirungen anzubringen, mit dem Bemerken übermittelt, daß auch in den Cultusvereinen, obgleich sie keine regelmäßigen Gemeinden bilden, Matrikenführer angestellt werden müssen. Das Geschäft der jüdischeu Seelsorger wird dadurch ein schwierigeres und umfangreicheres werden, denn die Führung der Civilstands-Register erfordert große Sorgfalt. (N. Fr. Pr.) Rußland. Rußland, im Juli. Seitens des Ministeriums des Krieges und des Innern werden Maßregeln berathen, um zu verhindern, daß sich die Israeliten der allgemeinen Wehr- Pflicht entziehen. Eine zuverlässige Zählung der israelitischen Bevölkerung ist nämlich bisher mit großen Schwierigkeiten verbunden gewesen, da die Civilstands-Register von den Gemeinden ohne jegliche Controls des Staates geführt wurden. Für die Zukunft sollen nun die Civilstands-Register nicht mehr von den Rabbinern, sondern von den localen Cwil-Behörden geführt werden. Türkei. Constantinopel. Man schreibt von hier aus der ״Italic": ״Das angebliche Opfer eines griechischen Kindes durch die Juden des Balata-Viertels gibt noch immer zu Unruhen Anlaß. Wo immer Judenviertel sind, zu Balata, Haßkeny, Ortakeny, Kusquedjuk, setzt es täglich Zusammenrottungen und Angriffe, bei denen Polizeiagentcn und Soldaten interveniren