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Jüdische Volkszeitung · 1874-08-04 · 31 (4.8.1874) · p. Seite 245

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
31 (4.8.1874)
Date
1874-08-04
Page
Seite 245 (sequence 5)
Language
German
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245 schlachtete? Aber zu glauben, daß der obige Herr Jude Deutsch diese seine Veröffentlichung aus ehrlicher Wahrheitsliebe unternahm, das wäre unhistorisch; sintemal die Erfahrung uns lehrt, daß solches gar häufig aus persönlicher alttestamentarischer Irritation zu geschehen pflegt." Mit diesen Worten schlägt die neutestamentarische irntrrte ״Gegenwart" Hrn. Deutsch und der Vergangenheit ins Gesicht. — Zur pompösen Begehung der Frohnleichnamsfeierlichkeiten wurde von dem Municipium der Stadt Triest die Summe von 800 fl. verlangt. Sei es nun, daß das genannte Municipium die Summe zu hoch, sand, sei es, daß man die schlechten Zeiten in Anschlag brachte, die auch im Haushalte der Religion die äußerste Sparsamkeit zur dringenden Nothwendigkeit machen, kurz, der Triestiner Gemeinderath verweigerte die Subvention. Aber es gibt noch fromme Seelen in der freien Hafenstadt, und diese frommen und gutmüthigen Seelen, die Israeliten Triests, steuerten, als sie von dem Beschluß des Municipiums hörten, sofort mittelst Subscription 800 fl. zusammen. Ein clericales Blatt spricht von den Juden mit Achtung und Anerkennung aber die ״Gegenwart", welche mehr Gefallen und Genugthuung an ״schmutzige Juden" hat, ruft und lamentirt: ״Schande genug, daß man das angenommen hat, was, für Katholiken an sich unwürdig, nicht einmal ein Geschenk war, denn der Handelsjude bringts hundertfach von dem Beschenkten ein. Oder meint man, er thue etwas umsonst?" — Ich weise die ״Gegenwart" an, künftig die Juden in Ruhe zu lassen, aber ich thue es — umsonst. Beuthen, Oberschlesien, 20. Juli. Nachstehende Duellgeschichte wird von der ״Schl. Gr.-Z." berichtet: ״Der Sohn eines achtbaren Bürgers von hier, des Kaufmanns Bl . . ., hat vor kurzer Zeit in Bayern mit einem jungen händelsüch- Ligen Bruder Studio ein Duell, zu dem er mit Absicht herausgefordert war, bestehen müssen, das wohl ganz gegen den Willen des Beleidigten mit dem Tode seines Gegners endete. Der junge Bl., ein äußerst befähigter junger Mann, hatte in Breslau studirt und war vor Kurzem nach Leipzig gegangen, um dort seine Studien fortzusetzen. Leider kam er hier mit einem jener jungen Leute zusammen, die jede Gelegenheit an den Haaren herbeizuziehen trachten, um nur ״anzubinden". So geschah es auch mit Bl., dem er solche erbärmliche Redensarten in Bezug auf seinen Glauben an den Kopf warf, daß dieser gezwungen war, den Beleidiger zu fordern. Das Duell wurde auf Pistolen verabredet und sollte nicht in Leipzig, sondern an einem kleinen Orte in Bayern stattfinden. Duellanten und Secundanten reisten dahin ab und obgleich Bl. noch auf dem Kampfplatze bereit war, seine Forderung zurückzunehmen, falls sein Gegner Abbitte leiste, so ging derselbe auf diesen Vorschlag nicht ein, sondern bestand auf dem Duell und büßte nach wenigen Minuten seinen Leichtsinn mit dem Tode." Ich füge eine Bemerkung hinzu, welche dieses Duell für die Leser der ״Jüd. Volkszeitung" erst interessant machen kann, nämlich, daß der Student Bl. ein Jude ist, die erwähnten ״erbärmlichen Redensarten" also der jüdischen Religion galten. Wir perhorresciren gewiß vom rein humanen Standpunkte aus die Art und Weise, wie Bl. seine Anhänglichkeit zum jüdischen Glauben vertreten zu müssen glaubte. Aber wenn nun einmal heute noch derartige Vorurtheile selbst unter der studirenden Jugend hervortreten, und wenn dieselben, wie das unter Studenten oft genug der Fall ist, nicht anders als durch ein Duell widerlegt werden können, dann dürfen wir wenigstens unsere Anerkennung nicht versagen dem Muthe, der für seine Religion selbst das Theuerste, das Leben, zu opfern bereit ist. _ K u n d f cft a u. Deutschland. Kisstttgen. Die Breslauer Zeitung bemerkt zu dem Kissinger Attentate: ״Als ein eigenthümlicher Humor des Zufalls, der an der Berliner Börse, wie aus den dortigen Blättern hervorgeht, große Heiterkeit erregt hat, wird der seltsame Umstand aufgefaßt, daß alle Hauptbetheiligten an der Ergreifung des Attentäters (Helbert, Lederer, Bellachini, Schlesinger, Katz und Filz) Israeliten sind — eine Revanche des Schicksals an dem liberalen ״Fürsten" für den bekannten Judenhaß des ehemaligen Kreuzzeitungs-Junkers v. Bismarck- Schönhausen." München. Der Abgeordnete Xaver Freiherr v. Hafenbrädl hat den Antrag gestellt, die Kammer wolle beschließen: Es sei das königl. Kriegsministerium aufzufordern, zu veranlassen, daß zu kirchlichen Feierlichkeiten nur Officiers und Soldaten derselben Confession oder des betreffenden Cultus commandirt werden. (Jsr.) Frankfurt a. M. Die ״Ztg. d. Judenth." läßt sich von hier schreiben: ״Es ist Ihnen wahrscheinlich unbekannt, aber doch nicht ohne Interesse, daß bei der letzten Wahl von Seiten der jüdischen Separatgemeinde des Rabbiner Hirsch (״Relizionsgesellschaft") durch ein gedrucktes Circular zur Wahl Laskers aufgefordert wurde. Es scheint mir hierin doch eine Erklärung gewisser Auslassungen zu liegen." Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Wien. Am 27. v. M. starb hier der weltberühmte Baron Anselm Salomon Freiherr von Rothschild, der größte Finanzmann Oesterreichs. Die ״N. Fr. Pr." widmet dem Dahingeschiedenen zwei Artikel, aus denen wir für heute nur folgende Notiz mittheilen: ״Anselm Freiherr v. Rothschild, der ein Alter von 71 Jahren erreichte, wurde im Jahre 1803 zu Frankfurt a. M. geboren, woselbst er auch die ersten Jahre seiner Jugend verlebte. Später zog er an die Universität Berlin, wo er den Grund zu der umfassenden Bildung legte, welche ihn, von dem man wohl sagen konnte, daß er es ״Gottlob nicht nöthig habe", in hohem Maße auszeichnete. Nachdem er die Universität verlassen hatte, trat er in das Pariser Geschäft seines berühmten Oheims James, unter dessen Leitung er sich ftir den künftigen Beruf: der Chef eines so bedeutenden Welthauses zu werden, genügend vorbereiten konnte. Große Reisen nach den bedeutendsten Stapelplatzen des internationalen Handelsverkehrs erweiterten seinen geschäftsmännischen Horizont, und als sein Vater, welcher dem Frankfurter Geschäfte Vorstand, alt und schwach geworden, war Baron Anselm genügend mit Kenntnissen und Erfahrungen ausgestattet, um an dessen schwierigen Posten zu' treten. Im Jahre 1855 endlich übersiedelte er nach Wien, und seither war er Chef des Hauses. Baron Rothschild war der Kaiserstadt mit vieler Sympathie zugethan; nachdem er das öfterreichische Staatsbürgerthum erworben hatte, ward er auch Bürger von Wien." Frankreich. Paris. Herr Baron Gustav v. Rothschild hat eine Rente von 1500 Frs. angeboten, welche bestimmt sein soll, einen, jungen würdigen Manne die Kosten während seines einjährigen freiwilligen Dienstes zu bestreiten. Die Idee des Barons verdient besondere Belobung und Nachahmung. Ver-

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