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Jüdische Volkszeitung · 1874-08-04 · 31 (4.8.1874) · p. Seite 242

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
31 (4.8.1874)
Date
1874-08-04
Page
Seite 242 (sequence 2)
Language
German
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242 i i denzien und Schächtergebühren! Die Armen und Armseligen! Es gibt ehrliche Orthodoxen, auch unter Lehrern und Rabbinen. Es gibt orthodox-gesinnte und -lebende Lehrer, die gleichwohl zu unseren besten, innigstgeliebten Freunden gehören; gegen diese haben wir natürlich nicht das Recht zur Polemik! Aber die egoistischen, heuchlerischen Neu-Orthodoxen — das | sind die ärgsten, die schlimmsten! Denn der Egoismus, die j bewußte Heuchelei macht fanatisch und der Fanatiker ist zu! Allem fähig! Was Man nicht durch gute Gründe vertheidigen! kann, will man durch Poltern erzwingen! Und diese Menschen j verlangten von uns, daß auch wir mit unserer religiösen! Ueberzeugung, mit diesem tiefinnerlichsten Heiligthum im Men-! schen mindestens zurückhalten sollten. — Wir haben's zu-! weilen versucht; aber es ging nicht, es geht wahrhaftig nicht! j Ehe man stchs versieht, läuft die Wahrheit unter der Feder! fort, und die süße Befriedigung, die erhebende Genugthuung,! die das offene Bekenntniß der Wahrheit mit sich bringt, sie! ist der herrlichste, der einzige Lohn für all das bittere Weh,! die schweren Sorgen, die der Geisteskampf mit sich bringt! Und wer nicht warm wird, wenn er wahr zu Freunden der Wahrheit spricht; wem nicht das Herz überläuft, — der bleibe aus dieser Kampfeesphäre. Wenn wir unsere Ueberzeugung! nicht aussprechen können, hat die Sprache ihre Bedeutung für! uns verloren. 1 Aber noch ein anderer Moment trat ein! Die Zeiten und Verhältnisse haben sich verändert und die israelitischen Lehrer werden uns jetzt zum größten Theile beistimmen, wenn wir behaupten, daß unsere Bestrebungen als Lehrer sich dem Ganzen zuwenden müssen, weil nur in einer vollständigen, gründlichen und allseitigen Gleichberechtigung der israelitischen Lehrer mit denjenigen anderer Confessionen und mehr noch in dem streng und consequent durchgeführten Communalschulprincip das Heil unserer Zukunft begründet ist! Wir haben eine würdige Stellung nur auf diesem Wege Zu gewärtigen und unsere Bestrebungen können im Allgemeinen darum nur Erfolg haben, wenn sie parallel gehen mit den-? jenigen der gesammten deutschen Lehrerwelt. — Und es ist! keinem Zweifel unterworfen, daß der überall zu einer wahren! Calamität anwachsende Lehrermangel eine Zusammenlegung der! confessionellen Schulanstalten und die Anstellung jüdischer Lehrer! an denselben mit Naturnothwendigkeit unterstützen und herbei-! führen wird. Nur noch ein klein wenig Geduld und unsere! Voraussetzung wird überall zur erfreulichen Thatsache werden. —! Immerhin wird uns noch ein großes Gebiet selbststän-! diger Arbeit bleiben bis zu diesem Ziele ■— und darüber j hinaus bis zur Sicherstellung des jüdischen Religionsunter-! richtes in der allgemeinen Volksschule oder in Beziehung; zu derselben. Dieser Arbeit werden wir uns nimmermehr! entziehen. — — — So hat uns denn der ״Jsr. Lehrer" in der Zeit seines: dreizehnjährigen Bestehens bittere, ja traurige Erfahrungen die Hülle und Fülle gebracht; und jetzt, wo er den Wanderstab in die Ecke stellt, hat er wohl manchem treuen Freund, aber durchaus nicht dem gesammten israelitischen Lehrerstand Dank zu sagen für die Ausdauer und Hingebung für die Mitwirkung und Nachsicht, die sie ihm zu Theil werden ließen.! Wir wollen dennoch die aufsteigende Bitterkeit nieder-! kämpfen im Andenken an so manche große Freude, die uns j durch den ״Jsr. Lehrer" geworden; an das Gute, das er un- > zweifelhaft geschaffen; an die Achawa vor Allem, die sein Andenken erhalten wird, ״so lange jüdische Lehrer cxistiren und — wie einst Diesterweg bei ihrem Entstehen sagte — mit Eifer und Hingebung ihres Berufes warten, die auch in der ״Selbsthilfe", in dem Streben für die Berussgenossen sich äußern." Unsere, des ״Jsr. Lehrer" Freunde, werden uns nicht untreu werden. Sie werden wissen, daß man die Ueberzeugung nicht wechselt wie ein Gewand, und daß eine Lebensaufgabe, der wir uns mit aller Hingebung gewidmet haben, welche mit unserem Denken und Leben aufs Innigste zusammenhängt, in uns auch jeder Zeit fortwirkt. Vielleicht sehen die Lehrer ein, daß sich in der ״Jüd. Volkszeitung" all das, vielleicht noch besser, bewerkstelligen läßt, was wir mit dem ״Jsr. Lehrer" beabsichtigten, umsomehr, als wir eine ständige Rubrik ״Erziehungs- und Unterrichtswesen" eröffnet haben und die Interessen der Achawa und des deutsch-jüdischen Lehrer- Vereins nach wie vor hier vertreten. Und so hoffen wir, daß unsere Freunde im Lehrerstande uns treu bleiben; daß sie ihre Gunst, ihre Mitwirkung uns auch für die neue Zeitschrift nicht versagen, die ins jüdische Volk zu dringen berufen ist, wozu sie am meisten beitragen können. Der Corpsgeist, die Collegialität wird sie für unser Streben in die Schranken rufen und mit ihnen im Bunde werden wir das Ziel erreichen, das die Frucht gemeinsamen Strebens ist: die Erhaltung der Einheit im Judenthum und die Begeisterung im Volke für die Hebung und Förderung alles dessen, was zu seinem Heile gereichen kann! — Das soll auch ferner unsere Aufgabe sein, wie es dj? des ״Jsr. Lehrer" war. Ma8 $ nun zu tftun? (Fortsetzung statt Schluß.) Ueberzeugungen und wahrhafte, Gefühle und Gedanken beherrschende Lebensgrundsätze sind auch die Quellen des Vertrauens, der Hoffnung. Wem der Glaube an die erhabene Aufgabe des Judenthums zur lebendigen Gewißheit geworden ist, der zagt nicht, auch wenn Feinde ringsum stürmen. Das Judenthum kann wohl für einen Moment aus seiner Bahn geworfen, aber nicht dauernd geschädigt werden. Es hat zu allen Zeiten außerhalb und innerhalb des Judenthums Feinde und Widersacher gehabt, welche es zerstören wollten; aber aus allem Leid und jedem Wirrniß ist es geläuterter und gekräftigter hervorgegangen. In Stürmen hat es sich verjüngt. Es wird sich auch jetzt perjüngen und an Thatkraft und energischer Wirksamkeit gewinnen. Wir glauben; und nur dieser Glaube, dieses sichere Vertrauen, daß das Judenthum seine Aufgabe in der Menschheit erfüllen muß, diese unser ganzes Sein beherrschende Ueberzeugungstreue macht den wahren Juden. Wir glauben, daß ebenso das Gebühren der Orthodoxie, die von einer Resolution oder von einem Gesetze ihr Heil erwactet, — von einem Staatsgesetze, welches ein paar hundert Leute von einer Steuer für jüdisch-religiöse Institutionen befreit, während sie doch zu den Staatsausgaben für Protestanten und Katholiken beitragen müssen; — daß ebenso dies Gebahren, wie das Zittern und Beben der Halben und Schwachen vor demselben Gesetze die innere Haltlosigkeit dieser Richtungen, die Grundsatzlosigkeit, den Mangel an Ueberzeugungstreue und Gottvertrauen so entschieden documentirt, daß wir mit vollem Rechte sagen können: sie sind nicht durchdrungen, beherrscht von dem, was sie vertheidigen; sie vertrauen nicht dem un- ־״ ausbleiblichen Siege der ewigen Ideen des Judenthums; sind י sie also wahre, glaubenstreue Juden? Und sie machen doch die einstige Ankunft des persönlichen Moschiach zu einem distinctiven Glaubensgrundsatz. Nun — soll der Moschiach auf- - )

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