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Jüdische Volkszeitung · 1874-08-04 · 31 (4.8.1874) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
31 (4.8.1874)
Date
1874-08-04
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Indische BoMzeitnng. '|0cknstWJt |wmdc k§ |ortschritt| in |cmcinde und |chuU, |pa0og? und |ekn. Aestekungea nehmen alle Postanstalten und Buchhandlungen an. Preis vierteljährlich 171/» Agr. Herausgegeben von I. ^lingenftein in Ingelheim. 3nferate sind an Heinrich Fischer & Co. in Leipzig zu senden. Preis -er 3 gesp. Zeile 3 Lgr. No, 31. Leipzig, den 4. August- 1874. Inhalt: Leitartikel: Den Lehrern! —Was ist nun zu thund (Fortsetzung statt Schluß.) 1r Correspondenzen: Stuttgart, Gaya, Beuthen. Rundschau: Kissingen, München, Frankfurt a. M., Wien, Paris, ÄereeHt. Unterrichts- und Erziehungswesen: Rundschreiben der kgl. israelitischen Oberkirchenbehörde. — Frequenz der Gymnasien und Realschulen in Preußen. Feuilleton: Aeltere Geschichte der jüdischen Gemeinde zu Fürth. Achawa: Einnahme im Juni 1874. k Anzeigen. Den £ehmn! Am 1. Juli 1861, in Nr. 5 des ersten Jahrgangs des ״Jsr. Lehrer" schrieben wir in einem Artikel ״Unsere Ziele" die Worte: ״Wird man bald in dieser Zeitschrift nicht mehr unsere Stimme, sondern die Stimme einer geeinigten, ihrem Ziele bewußt zusteuernden Gesammtheit finden?" Der ״Jsr. Lehrer", gegründet am 1. Mai 1861, hat am 1. Juli 1874 zu erscheinen aufgehört. Er hat also 13 Jahre und 2 Monate gelebt. Jenes Ziel aber, das wir während dieser ganzen Zeit anstrebten mit aller Kraft, mit aller Hingebung und Aufopferung, haben wir nicht erreicht. Wir hatten einen großen Kreis tapferer Genossen um uns geschaart. Vielen war der ״Jsr. Lehrer" ein lieber Freund, eine Erhebung und Anregung. Viele sind uns treu geblieben vom Anfang bis heute, haben ausgedauert mit uns trotz alledem und alledem. Viele der hingebendsten herrlichsten Freunde sind ins Grab gesunken in dieser langen Frist, — eine Reihe der Besten und Würdigsten, die unsere Freunde wurden gerade durch den ״Jsr. Lehrer", und Niemand wird uns verargen, wenn wir ihnen ein Wort warmer Erinnerung weihen — den Schläfern, die des Gedankens Saat gepflegt und dann dorthin gegangen sind, wo Wahrheit und Frieden herrscht . . . Ihre Freundschaft besessen zu haben, ist uns ein unschätzbares, heiliges Gut, das höchste Lebensglück. Aber der ״Jsr. Lehrer" mußte endlich aufhören, weil wir eben nicht im Stande waren, Alle um uns zu schaaren. Die Zahl der jüdischen Lehrer Deutschlands ist eine so geringe, daß nur allseitige Theilnahme es hätte möglich machen können, für sie ein eigenes Organ zu erhalten. Dies zu bewerkstelligen, — das sehen wir mit jedem Tage mehr ein —, war unmöglich! Da war vor Allem die große Zahl derjenigen, die jedem geistigen Leben und Streben abhold sind; die nur sich kennen und — ״ihren faulen Bauch". Und das wollen Lehrer sein, die die Saat des Guten ausstreuen sollen in die Herzen der Kleinen, daß sie wachse und gedeihe! — Weg damit! Wir wollen heute an dieser Stelle das alte Lied der Mahnungen und Vorwürfe nicht erneuern, das wir so oft vergeblich hören ließen. Vergeblich! Jene Menschen ohne Charakter und Streben sind unverbesserlich und sie werden allezeit, leider! die Mehrzahl bilden. Was fragen diese nach Worten, von welchen kaum ein Hauch zu ihren Ohren dringt? Und sei es auch — sie würden taub und gefühllos bleiben für Alles, was geistiges Leben bedeutet. — Dann waren aber — und sind auch jetzt noch Hunderte da —, welche, ach! nicht konnten, wenn sie gewollt hätten. Sie waren nicht im Stande, die wenigen Kreuzer zu erschwingen, welche das Abonnement gekostet haben würde. Sie hatten vielleicht auch früher einmal als Jünglinge all jene Begeisterung gefühlt, die das Herz des jungen Lehrers schwellen macht, wenn er in seinen herrlichen Beruf eintritt! Aber sie sind matt und müde geworden, die Sorge um das tägliche Brod hat sie verzagt und schließlich geistig todt gemacht. Hört Jhrs, Ihr jüdischen Gemeinden, Ihr Vorsteher und auch — zuweilen — Ihr Rabbiner? Diese habt Ihr auf dem Gewissen! Die Vernachlässigung des Lehrerstandes, die Eifersucht auf jede freie Regung, auf jedes Aufstreben derselben, hat Euch zu Geistesmördern gemacht! Wißt Ihr, was das bedeuten will? Zuerst habt Ihr das Herz und die Liebe, die Begeisterung und das freie Streben in Euren Lehrern getödtet, und dann haben diese —■ dasselbe an Euren Kindern gethan! Und jetzt — wer hat den Jndifferentismus, die Gleichgültigkeit und Blasirtheit, die geistige Leere und den dadurch veranlaßten Verfall zu verantworten? Und ein großer Theil ist unserem Streben fremd geworden und geblieben, weil wir es ihnen eivig nicht recht machen konnten. Dem Einen waren wir zu ״ungehobelt", der Andere witterte Egoismus; wieder ein Anderer wollte die ״Persönlichkeiten" fremd gehalten haben; als wenn das möglich wäre, wenn Personen und Sachen sich identisicirten; der Vierte und Fünfte wollten ihre Ansicht, und nur die ihrige, in dieser oder der anderen Sache vertreten wissen. Als wenn ein Organ, das die Interessen einer Gesammtheit vertritt, nicht zu oberst auch diese im Auge haben müßte! — Weitaus den größten Theil aber war unsere religiöseRichtung verhaßt! Sie hielten es mit den Neuorthodoxen, aus Gewohnheit, aus Geistesträgheit, aus Mangel an Unterscheidungsgabe, aus Heuchelei, aus Egoismus — weil sie in einer orthodoxen Gemeinde waren oder einen orthodoxen Rabbinen zum Oberhaupt hatten, oder im orthodoxen Fahrwasser besser fortzukommen glaubten — wegen der Schnudergelder, Acci-

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