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Jüdische Volkszeitung · 1874-07-28 · 30 (28.7.1874) · p. Seite 237

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
30 (28.7.1874)
Date
1874-07-28
Page
Seite 237 (sequence 5)
Language
German
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237 ändern, nur euren bedingten Werth, der bei dem Lärm, welchen andere jüdische Blätter darob schlagen, wohl auffallend sein mag. Unsere sehr zuverlässigen Nachrichten aus Ungarn sagen: ״Diese und Jene denken nicht an die wirkliche Aussührung des Planes über die Gründung eines Rabbiner-Seminars." Wir glauben nach Allem auch daran und darum unsere — Kälte. Redaction.) Gaya, 15. Juli. Nächste Woche werden in Wien und Prag Schlachtversuche mit dem neuen französischen Schlachtinstrumente vorgenommen werden, indem die dortigen Fleischer den Gebrauch desselben bei ihren Schlachtungen einzuführen gedenken. Die Schlachtproben werden im Beisein einer eigenen Commission, bestehend aus Mitgliedern der städtischen Sanitätssection, der Fleischerzunft und des Thierschutzvereines, stattfinden. Wenn diese Methode eingeführt wird, dann mögen die Schochtim ihre Messer an den Nagel hängen und Herr Hirsch eine verbesserte Auflage seines Choreb ediren. Rew-Uork, 3. Juli. Montag, den 29. Juni übergab eine Deputation der Emanuel-Gemeinde ihrem in den Ruhestand tretenden Nabbinen Dr. Samuel Adler ein prachtvolles Geschenk — ein silbernes Service in feierlicher Weisezu seinem Abschiede vom Dienste. Wir begleiten unsererseits diese Mittheilung mit dem herzlichen Wunsche, daß der Gefeierte sich des wohlverdienten — auch durch sein Wirken in Deutschland wohlverdienten — Ruhestands noch lange erfreuen möge. Wir waren sechs Jahre Lehrer in seiner Nähe, in seinem Rabbinatssprengel Alzey — und wir erinnern uns jetzt und stets mit unverlöschlichem Danke all der reichen Anregungen, die wir durch ihn empfingen; der einflußreichen Wirksamkeit im Bezirke, — aber auch all der Armseligkeit seiner damaligen Stellung gegenüber dem, was ihm New-Zjork geboten. Wir suchten ihn damals von dem Plane, überzusiedeln, in freundschaftlichem — Egoismus abzuhalten; der Erfolg gab ihm Recht; Dank Gott! Adler bezog in Alzey 600 — im letzten Jahre 1000 fl. Gehalt; in New-Aork erhielt er zuerst 3000 Dollars, dann bald 5000, zuletzt 6000. Jetzt erhält er 3000 Doll. Pension; man hat ihm außerdem früher schon reiche Lebensversicherungspolicen, wenn wir nicht irren, von 20,000 Doll, zum Geschenk gemacht. — —Einer seiner- Söhne, Felix, studirtc in Berlin auf der ״Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums". Gibt es einen sprechenderen Beweis von derUeberzeugungstreue des der entschiedensten Reform angehörigen Rabbiners, dessen scharfer Geist auf den Höhen der Wissenschaft lebte? Der mit warmem Herzen einen unvergleichlichen gesellschaftlichen Tact, eine seltene Urbanität und Feinheit im Umgänge verbindet? — Adler wird jetzt etwa 72 Jahre alt ftin. — JH u n d f di a u. Deutschland. Breslau. An der hiesigen Universität ist nun jetzt zum achten Male ein Jude zum Professor aufgerückt, es ist dies der als Augenarzt weithin bekannte Dr. ph.il. et med. Hermann Cohn. Somit sind nun an der Universität acht jüdische Professoren, die Herren DD. Auerbach, Ferdinand Cohn, Hermann Cohn, Caro, Freund, Graetz, Köbner, Rosanes und nicht weniger als fünfzehn jüdische Privatdocenten, eine Anzahl, wie sie wohl bei keiner Universität vorhanden ist. Auch ist hier ein Jude — der erste' Fall im preußischen Staate — zum Privatdocenten an der juristischen Facultät befördert worden. Es ist dies Herr Dr. jur. Großmann, derselbe, um deffentwillen der Cultusminister Falk, wie kürzlich in allen jüdischen Zeitungen zu lesen war, den Paragraphen im Gesetzbuch aufhob, wonach nur den Bekennern der christlichen Confession erlaubt war, als Privatdocenten oder Professoren in die juristische Facultät einzutreten. Trier, 1. Juli. Die ״Tr. Ztg." meldet: In der am vorigen Sonnabend stattgefundenen Sitzung des Kgl. Zucht- Polizeigerichts wurde Michael Leyendecker, Pastor zu Deudesseid, wegen des Vergehens gegen den § 166 des Strafgesetzbuches zu 4 Wochen Gefängniß und zu den Kosten verurtheilt. Derselbe soll nämlich, wie die vernommenen Zeugen behaupt ten, am 19. April in einer Predigt über die Nächstenliebe u. A. gesagt haben: ״Die Protestanten sind Spitzbuben, die Juden sind Lügner und Betrüger, welche die Christen bis zum letzten Tropfen Blut aussaugen." Der Beschuldigte bestreitet es, sich dieser Aeußerungen bedient zu haben. Dieselben seien, wie er behauptet, aus dem Zusammenhang seiner Rede gerissen und auf diese Weise ganz entstellt. Er habe nur gesagt, es gebe unter den Protestanten und Juden, wie unter allen Confessionen, Spitzbuben und Betrüger. Allein die Zeugen hielten, selbst bei wiederholter Vernehmung, ihre Aussagen aufrecht. Der Beschuldigte wurde, wie oben erwähnt, verurtheilt. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Pest, 6. Juli. Ueber die von uns wiederholt besprochene Frage des israelitischen Schulfonds erhält die ״N. Fr. Pr." folgende interessante Aufklärung: Nach Beendigung der ungarischen Revolution wurde der ungarischen Judenschaft durch die absolutistische Regierung eine Kriegscontribution von 2,300,000 Gu'den auferlegt. Die Eintreibung derselben wurde jener Commission zur Pflicht gemacht, welche die frühere ״Toleranzsteuer" zu repartiren und einzutreiben hatte. Die Commission remonstrirte gegen die Contribution, indem sie darauf hinwies, daß viele Juden gar nicht, manche sogar in österreichischen Diensten am Kriege theilgenommen hätten. Sie erklärte, daß die Juden bereit seien, für gemeinnützige Staatszwecke 600,000 fl. zu beschaffen. Die Regierung ging auf diese Idee ein, erhöhte jedoch die Summe auf eine Million. Im Jahre 1850 wurde jedes weitere Verfahren gegen die compromittirten Juden eingestellt und die Bildung eines israelitischen Schulfonds im Betrage von einer Million Gulden angeordnet, zu welchem alle Israeliten des Landes und nicht blos diejenigen, welche ihre Unschuld nicht Nachweisen konnten, beitrugen. Das ist die Genesis des israelitischen Schulfonds. Es ist also eine falsche Behauptung, wenn man sagt, dieser Fond stamme aus der von Sr. Majestät den Juden zurückgeschenkten Contribution. Da die Contribution niemals gezahlt wurde, konnte dieselbe auch nicht zurückgeschenkt werden. Der israelitische Schulfond ist, juristisch betrachtet, ein Landesfond mit bestimmtem Zwecke, und nach ungarischen Gesetzen ist es die Aufgabe des Monarchen, darüber zu wachen, daß solche Fonds ihrer Bestimmung gemäß verwendet werden! Die verantwortliche Regierung ist das Organ, durch welches der Monarch diese seine Regentenpflicht ausübt. Dem Reichstage steht das Recht der Controls, nicht aber die Discussion und Beschlußfassung über den Zweck der Stiftung zu. Die Frage ist klar und einfach, sie wurde aber theils durch die Agitation der orthodoxen Juden, theils durch die mangelhafte Orientirung vieler Abgeordneten sehr verwirrt. Der Monarch hat bereits vor einem Jahre dem Wunicke des aufgeklärten Theiles der israelitischen Bevölkerung gemäß die

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