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Jüdische Volkszeitung · 1874-07-21 · 29 (21.7.1874) · p. Seite 230

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
29 (21.7.1874)
Date
1874-07-21
Page
Seite 230 (sequence 6)
Language
German
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Gefühlen beseelt ist, unzweifelhaft diese Bestrebungen unserer Glaubensgenoffen unterstützen werde, die auf diese Weise ihrem Vaterlande, sei es in der Armee, sei es in Handel und Industrie, größere Dienste leisten und mit noch größerem Erfolg als bisher zum Gedeihen desselben werden beitragen können; dieselben sind stets ausgezeichnete und treue Unterthanen gewesen, und die neuen Beweise von Wohlwollen, die man ihnen gewähren wird, werden in ihnen die Liebe zu ihrem Kaiser und die Gefühle tiefer Dankbarkeit gegen ihn stärken. Rußland. Aus Rußland bringen ״Hammaggid" und ״Hazefira" die Nachricht vom Tode des edlen, in der Gelehrtenwelt hochgeachteten Karaiten Abr. Firkowitz, der am 22. Siwan (7. Juni) im 88. Jahre seines Lebens von hinnen schied. Der Verstorbene war bis ans Ende seines Lebens rüstig, und obwohl ein höchst strebsamer Gelehrter, dessen bibliographische Untersuchungen bekanntlich für die Geschichte der Karaiten und andere werthvolle Schätze aus der Petersburger Bibliothek von hohem Werthe sind —■ trug er nie eine Brille. Firkowitz suchte eine Brücke zu schlagen zwischen den karaitischen und talmudischen Juden und der Herausgeber dieses Blattes hält es für eine wohlthuende Erinnerung, den edlen Greis bei der Synode in Augsburg in der Synagoge während des Gottesdienstes und später auch in seiner Wohnung gesehen und gesprochen zu haben. Alle anwesenden Synodalmitglieder besuchten damals den greisen Gelehrten, der nur in hebräischer Sprache sich mit ihnen unterhielt und mit klarer Besonnenheit und tiefer Einsicht über die Bestrebungen der Synode, über Differenzen zwischen Karaiten und Rabbaniten urtheilte. Firkowitz hat sein Vermögen der Wissenschaft — und Gastfreundschaft geopfert und ״Hammaggid" bittet, sich der armen Wittwe anzunehmen — die er erst vor drei Jahren heirathete und die mit ihrem Kinde von acht Monaten nun hilflos dasteht, — und sein Werk ״Abhne Sikkoron" zu kaufen. — Während F. von den Rabbaniten im Leben geehrt wurde, halten die Karaiten, die ihn während seines Lebens nicht kennen wollten, nun große Traucrseierlichkeiten — in Sebastopol 40 Tage lang — und sie haben Recht: denn mit ihm ist der einzige karaitische Gelehrte gestorben. Warschau. Nach den Berichten der ״P. Zt." cursirt in Warschau das sensationelle Gerücht, daß alle Juden, welche nicht ortsangehörig sind und keine bestinrmte Beschäftigung haben, aus Warschau ausgewiesen werden sollen. Die Zahl der Juden, welche von dieser Maßregel betroffen werden würden, beläuft sich auf 15—20,000. Dieses System wurde von Seiten Rußlands in den russischen Gouvernements, in Kijew und anderen Städten practicirt, überall hat es sich jedoch als undurchführbar und für die arme jüdische Bevölkerung als höchst drückend erwiesen; trotzdem erscheint es nicht unwahrscheinlich und verursacht unter den ärmeren Israeliten eine begreifliche Aufregung. Amerika. Rew-Aork. In einer der letzten Sitzungen der hebräischen Wohlthätigkeits-Gesellschaft wurde beschlossen, die sämmtlichen wohllhätigen Vereine in eine einzige große Gesellschaft zu verwandeln, um dadurch geordneter und nachhaltiger die Zwecke derselben ausführen zu können. Bei drei der größten Vereine hat bereits dadurch eine Einigung stattgefunden, daß auf acht Jahre die Erfolge dieser Vereinigung erprobt werden sollen. (״Jew. Mess.") — Ueber die Verhältnisse der Juden in New-Dork entnehmen wir der ״Neuzeit" folgende intereffante Notiz: ״Die Juden in der neuen Welt haben sich weniger auf politischem (und das kann ihnen nur zur Ehre gereichen) und finanziellem, als auf gewerblichem, commecziellem und wissenschaftlichem Gebiete hervorgethan. Ihre Zahl in New-Dork allein schätzt man auf 90,000 bis 100,000 bei einer Gesammtbevölkerung von 900,000 Seelen. Als Religionsgenossenschaft zeichnen sie sich in New-Dork, trotzdem sie ungefähr 40 gänzlich gesonderte Gemeinden bilden, durch ihre Harmonie vor allen anderen Confessionen aus. Die durch den ״B'nai Berith-Bund" genährte Zusammengehörigkeit gewährt ihnen ein machtvolles Auftreten. Der ״New-Aorker Herald" verfehlt auch nie, jeden Sonntag den Predigten, welche am vorgehenden Tage in den hauptsächlichsten Tempeln gehalten wurden, eine halbe oder ganze Spalte zu widmen. Vier Wochenblätter, ״The Jewish Messenger", ״The Jewish Times", ״The Hebrew Leader" und ״The Hebrew News", besorgen überdies den geistigen Verkehr unter den Glaubensgenoffen. Untcrridits- und Erzie!rung8wesen. Ueber die sehr wichtige, schon vielfach ventilirte Frage, wie eine einheitliche deutsche Orthographie herzustellen sei, schreibt der, mit dieser Frage sich eingehend beschäftigende Herr Daniel Sanders aus Altstrelitz der ״N. Fr. Pr." wie folgt: ״In dem Augenblicke, wo das zweite Heft meiner ״Vorschlage zur Feststellung einer einheitlichen Rechtschreibung für Alldeutschland" soeben die Presse verlassen hat, konnte mir kaum etwas willkommener sein, als die Aufforderung, über denselben Gegenstand einen kurzen Aufsatz in der ״Neuen Freien Presse" zu veröffentlichen, welche dem ersten (im vorigen Jahre erschienenen) Heft meiner ״Vorschlüge re." wiederholt eine so wohlwollende und anerkennende ( Beurtheilung hat Zu Theil werden lassen. Daß die endgültige Regelung und Feststellung unserer Rechtschreibung zunächst für den Unterricht in der Volksschule, damit aber auch für die Bildung des gesummten Volkes von großer Bedeutung und Wichtigkeit ist, darüber kann bei den Kundigen nicht der geringste Zweifel bestehen, ebensowenig aber darüber, daß wir für ein solches Unternehmen niemals einen günstigeren Zeitpunkt gehabt, als den jetzigen, wo an die Stelle deutscher Zerfahrenheit, Zersplitterung und Zerrissenheit auf allen Gebieten das Streben nach Einheit getreten und sich in erfreulichster Weise geltend zu machen sucht. Viele Versuche aber, auf dem Gebiete der deutschen Rechtschreibung die Einheitlichkeit zu begründen, konnten auch außerdem, daß sie von der Zeitströmung nicht eben begünstigt : wurden, hauptsächlich deshalb keinen durchgreifenden Erfolg haben und gewinnen, weil sie nicht auf der meines Erachtens? allein richtigen Grundlage begründet waren, nämlich auf der vollen und rückhaltlosen Anerkennung des als Erzeugniß des rastlos und stetig wirkenden Volksgeistes gewordenen Sprach- und Schriftgebrauchs. Nach meiner Ueberzeugung darf an das in geschichtlicher Entwickelung Gewordene und Feststehende in keinerlei Weise die rüttelnde Hand gelegt werden. Vielmehr werden neue Feststellungen nur, wo es sich um Ausfüllung einer Lücke oder um Beseitigung eines Schwankens handelt, am Orte und jedenfalls so zu treffen sein, daß sie, möglichst eng an das bereits Feststehende sich anschließend, nur als ein . ganz im selben Geiste weitergeführter Fortbau sich bekunden. Mein Listiges Bestreben war es, in diesem Sinne meine; ״Vorschläge" zu entwerfen, und es gereicht mir zur hohen

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