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Jüdische Volkszeitung · 1874-07-21 · 29 (21.7.1874) · p. Seite 231

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
29 (21.7.1874)
Date
1874-07-21
Page
Seite 231 (sequence 7)
Language
German
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231 Freude und zur großen Genugthuung, daß fast in allen so ungemein zahlreichen Besprechungen und Beurtheilungen, die mir über das erste Heft zugegangen, dieses mein Streben anerkannt worden und fast allen meinen Vorschlägen die vielseitigste Zustimmung zu Theil geworden. Ich wünsche und hoffe ein Aehnliches für das zweite Heft. Aber da ich in dieser Angelegenheit mich überhaupt nur als das Werkzeug ansehe, dem allgemeinen Volksbewußtsein und -Willen den getreuesten Ausdruck zu geben, so werde ich bereitwilligst in meinen Aufstellungen jede Aenderung vornehmen, welche sich als eine Forderung, wenn nicht der Gesammtheit, doch einer überlegenen Mehrheit des Volkes kund gibt. Auf der Grundlage aber des bereits allgemein Feststehenden (mit dessen gemeinfaßlicher Darstellung sich z. B. mein ״Katechismus der deutschen Orthographie", dritte verbesserte Auflage, 1873, beschäftigt) und meiner sich möglichst eng daran anschließenden ״Vorschläge", so weit sie sich der allgemeinen Zustimmung und Annahme zu erfreuen haben werden, will ich dann das ״Orthographische Wörterbuch für Alldeutschland" aufrichten, das ich bezeichnen dürfte als ״Alphabetisches Verzeichniß aller deutschen oder im Deutschen eingebürgerten Wörter mit irgendwie schwieriger oder bisher fraglicher Schreibweise in endgültiger Feststellung". Möchte diese kurze Mittheilung unter den zahlreichen Lesern dieser Zeitung jeden für die Frage der deutschen Einheit auch in der Rechtschreibung sich interessirenden veranlassen, die in den beiden Heften enthaltenen orthographischen Vorschlüge zu lesen, zu prüfen und, soweit er ihnen danach seine Zustimmung geben kann, sie nicht nur selbst anzunehmen, sondern auch in seinein Kreise für Annahme und Verbreitung derselben zu wirken. Jede mir zugehende auf meine ״Vorschlage" bezügliche Mittheilung aber darf bei der mich jetzt beschäftigenden Ausarbeitung des ״Orthographischen Wörterbuchs" auf sorgfältige und gewissenhafte Prüfung, Erwägung und Beachtung rechnen." Eiterarisekies. Theologisches Universal-Lexikon. 29. und 30. (Schluß-) Lieferung. Elberfeld, R. L. Friedrichs. Dieses zum Handgebrauchs bestimmte theologische Real-Wörterbuch liegt jetzt in zwei Bänden vollendet vor und — zum mäßigen Preise von S THlrn. Zu gelehrten Studien sind zwar größere Werke vorhanden, aber theurer und nicht Jedem zu jeder Zeit zugänglich. Dieses Werk füllt demnach eine Lücke aus, denn das Weiger'sche ist speciell biblisch, nicht allgemein theologisch. Wir haben das Werk bei jeder Lieferung in seinen jüdischen Artikeln verfolgt und bis zum Schlüsse zu tadeln, daß es in diesen sehr mangelhaft, voll Jrrthümer und ohne Selbstständigkeit ist. Veraltete Bücher haben als Quellen gedient. Mische Gelehrte sind nicht befragt und zur Mitarbeit herangezogen worden. Der muckerisch-pietistische Geist des Verlagsorts trägt überall die christlich gefärbte und oppositionelle Richtung zur Schau. Wir zeigen dies auch an den vorliegenden Beispielen: Talionis. Auch hier läßt man nicht davon ab, die Rache als Prmcip der jüdischen Rechtspflege hinzustellen, obwohl dies bei anderen Artikeln schon als irrig nachgewiesen wurde. Tanchum. Man kennt einen Commentator dieses Namens, aber keinen Midrasch Tanchuma. Taube. Daß Israel dichterisch unter dem Bilde der Taube dargestellt wird, scheint unbekannt zusein. Lenipas clausum. Man weiß nur von christlichen, nicht jüdischen ״geschlossenen Zeiten". Theodrcen. Hiob hätte als der älteste Versuch einer solchen anaefuhrt werden müssen. Theokratie wird falsch als die Herrschaft emes per,on icheir Gottes", statt ״seines Gesetzes" aufqefaßt. Srmchath-Thora und Thorarollen und -lesen verrathen den Mangel aller selbstständigen Kenntniß von jüdischer Religion und Mischem Leben. Die Institutionen sind beschrieben, wie sie vielleicht in Schudt's Merkwürdigkeiten geschildert werden, nach zufälligen Erscheinungen, nicht nach nothwendigen Principien. Thosiphtha. Wir erfahren Nichts von ihrem Verhältniß zur jerusalemischen und babylonischen Mischna. Thubalkain. Diese und andere Namen haben keinen mythischen Charakter, sondern sind Eck- und Marksteine der Welt- und Menschencultur. Tod. Lächerlich ist hier die Klage, wie die Juden unter dem Drucke der Todesfurcht zu leiden haben, während Jesus die Welt darüber erhoben und davon erlöst habe. Denn die Juden, heißt es. erkannten im Tode ein Nebel und entkehrten der Hoffnung auf Unsterblichkeit. Todesstrafe. Man verkennt, daß die Bibel dem Brudermörder Kain gegenüber sich principiell gegen die Todesstrafe ausspricht. Die Literatur ist nicht vollständig angegeben. Todtenbeschwörung. Trotz des mosaischen strengen Verbots und trotz der ausdrücklichen Hervorhebung, daß auch Saul die Hexe von Endor dem religiösen und königlichen Verbote entgegen befragt, behauptet man hier doch, daß die Todtenbeschwörung in Israel geblüht habe und folgert dies aus dem Beispiele von Endor. Ebenso unter Wahrsagerei. Unsterblichkeit sei den Juden unbekannt gewesen, sei ursprünglich ein hellenistisches Philosophem, während umgekehrt die griechischen Philosophen aus jüdischer Quelle geschöpft haben, und sei durch Jesus zur. Gewißheit erhoben worden um der Auferstehung willen, während dieser beweist, daß er mit dem jüdischen Volke damals an die aus Chaldäa und Persien eingewanderte leibliche Auferstehung, nicht aber die psychische Unsterblichkeit geglaubt hat. Aber so erben sich Jrrthümer wie ewige Krankheiten fort: so wird geglaubt und selbst der eigenen Religion zu Lieb, der anderen zu Trotz. Urkasdim. Hier fehlt die Auslegung als ״Stadt" der Chaldäer. Urim wethumim. Wir glauben dabei an keinen orakelartigen Gottesspruch. Die Worte heißen ״Erleuchiung und Sittlichkeit" zur Charakterisirung des jüdisch-priesterlichen Denkens und Handels. Wenn der befragte Priester bei der Ertheilung seiner Antwort auf das Emblem blickt: so sollte damit gerade der Gedanke an einen Priesterbetrug ausgeschlossen werden. Vergebung der Sünden. Auch hier wird wieder dem Christenthum der Vorzug vindicirt. Das Judenthum habe keine vollständige Sündenvergebung, die durch Priester und Gesetz nicht erlangt werden könne. Die Propheten kennen den Gegensatz, lösen ihn aber nicht. Erst das Christenthum bringt vollständige Erkenntniß und Verwirklichung. Das Buch Jona zeichne diesen Gegensatz. Falsche Auffassung und bekannte Verdrehung! Verlobung. Auch hier falsche Thatsuchen und Anschauungen, wenn nicht absichtliche Verdrehung! Die Mitgift gilt als Erkaufung eines Schwiegersohnes, wie das Geschenk des Bräutigams als Erkaufung des Vaters und seiner Tochter. Versöhnungstag. Die Großartigkeit des alten Festes wird zugegeben und geschildert, um das heutige arme Israel bedauern zu können wegen der Entbehrung von Tempel und Opfern. Es entbehrt eben nun, wie man glaubt, der göttlichen Versöhnung Ach, armes Israel? Veste Das Wort ist nicht vollständig erklärt. Es ist die Uebersetzung von Firmament und irrig oder absichtlich zur Unterscheidung von Feste so geschrieben. Wallfahrt. Daß nicht die christliche, sondern die jüdische ursprünglich ist, wird nicht zugegeben oder vertuscht. Auch ist nur von den Wallfahrten nach Jerusalem die Rede, während doch schon solche nach Schiloh stattfanden. — Trotzdem empfehlen wir das Buch vorläufig in Ermangelung eines besseren. vr. R. Vermißtes. Aus England berichtet man über die Einwohnerzahl des brittischen Indiens, welche sich auf 238,000,000 Seelen beläuft, unter welchen sich nur 8000 Juden befinden. Bemerkt wird aber, daß, während die Glieder der übrigen kleinen Religionsparteien, insbesondere die Parsen, die zur Zeit noch 70,000 Seelen zählen, voraussichtlich allmählich aussterben werden, die Juden, obwohl sie die geringste Zahl bilden, doch keine Neigung zum Aussterben zeigen. ״Diese Juden", sagte vor einigen Jahren ein selbst der jüdischen Religionsgesellschaft entlaufener Socialdemokrat, ״acclimatisiren sich überall." — In Geestemünde ist am Freitag, den 3. d. M-, ein Schooner vom Stapel gelaufen, der den Namen ״Dr. Lasker" erhielt und als schmuckes, schlankes Fahrzeug geschildert wird. (Rumänische Pädagogik.) In einer Collection von Rechnungsaufgaben, welche rumänische Schullehrer ihren fügendlichen hoffnungsvollen Eleven zur Einübung der vier Species

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