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Jüdische Volkszeitung · 1874-07-21 · 29 (21.7.1874) · p. Seite 228

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
29 (21.7.1874)
Date
1874-07-21
Page
Seite 228 (sequence 4)
Language
German
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228 unserer braven und dankbaren Orthodoxen. Es ist bekannt, daß es der selige Rabbiner Ehrlich aus Schopfloch war, der diese Sache verfocht und nach langjährigem Kampfe, nachdem er den Jnstanzenzug bis in die höchsten Stellen verfolgte, auch durchsetzte. Cr starb bald, ohne die Früchte seiner Thätigkeit noch mit genießen zu können, die jetzt seine Amtsgenossen pflücken. Die Rabbinen Bayerns beabsichtigten, der Wittwe Ehrliches ein Zeichen ihrer Dankbarkeit zu geben — Rabbi Bamberger und Consorten verweigerten ihre Zustimmung; sie könnten Ehrlich nicht als Rabbiner aner- Engste verbunden ist, nicht mehr über Wasier zu halten war, gibt Mancherlei zu denken. Wir zweifeln nicht, daß es Viele geben wird, die mit uns die Auflösung des Vereins um des willen, was er hätte nützen können, beklagen; allein bleiben wir bei der müßigen Klage nicht stehen. Die jüdische Literatur ist nicht auf zwei und nicht auf sechs Augen gestellt; ihr Gebiet ist groß, der Arbeiter sind viele — sollte es nicht möglich sein, den Verein zu ihrer Förderung zu neuem verjüngten Leben zu erwecken? Allerdings unter sorgfältiger Vermeidung all der Fehler, die wir als seine Todesursuche erkannt haben. kennen. Er war keiner der ihrigen gewesen. Ehrlich war! Wohlan, gehen wir mit dem Rufe: 10 roi'est mort/vive em edler Mensch,. ein gediegener Talmudist und seine reforj 16 roi! an die Neubegründung eines Vereins zur Förderung matorischc Thätigkeit bewegte sich in sehr bescheidenen Grenzen.! der jüdischen Literatur auf breiterer Grundlage, unter Er war nicht zum Himmelsstürmer geboren! Und doch! — i Fernhaltung jeder Parteilichkeit, jeglichen Eigennutzes Ich ziehe noch eine Parallele mit — Preußen! Die bay-! und jedes andern als wissenschaftlichen Ehrgeizes, im rische Regierung hat soeben entschieden, daß es den Orthodoxen reinsten Interesse der Wissenschaft des Judenthums! כל כנסיה Fürths nicht erlaubt werden könnte, eine eigene Gemeinde zu! , , .שהיא לשם שמים סופה להתקים bilden und daß sie sich weder von der Hauptgemeinde trennen,j (Wir pflichten dieser Correspondenz aus vollem Herzen noch einen eigenen Rabbiner anstellen dürfen. Sie gibt jedoch j und mit ״שה כה bei und sind vorkommenden Falles gerne einen Zuschuß zu den Rabbinatsgehalten! — Die preußische j bereit, mit unserer schwachen Kraft für die Verwirklichung des Regierung erlaubt, ja begünstigt den Zerfall der Cultusge-! Gedankens einzutreten. Red. d. ״Jüd. Volksztg.") meinden — und gibt keinen Staatszuschuß zu den Bedürf-! 9W«11mf 4. Juli. Die jüngsten Tage brachten für nissen derselben. Das ist Consequenz! Aus Magdeburg, 25. Juni, wird der ״Jsr. Wochenschrist" geschrieben: Der in Nr. 22 d. Bl. dem stillentschlafenen ״Institut zur Förderung der israelitischen Literatur" (unter Berlin) gewidmete Nachruf hat dem äs mortuis nil nisi bene nicht nur gar nicht Rechnung getragen, sondern im Gegentheil nur seine Schattenseiten hervorgehoben, während dasselbe doch unstreitig auch viele Lichtseiten hatte. Wir müssen offen gestehen, daß wir die Geburt des Vereins vor 20 Jahren mit vieler Freude und großer Hoffnung begrüßten; er hat unsere Stadt eine Reihe von Festlichkeiten, die zum Theil das 200jährige Jubiläum des ersten preußischen, hier garnisonirenden Kürassierregiments, zum Thcil die hiermit zusammenhängende Anwesenheit des deutschen Kronprinzen in Breslau zur Veranlassung hatten. Zu gleicher Zeit erhielt das zum Andenken an die glorreichen Kämpfe von 1870/71 errichtete Siegesdenkmal seine Einweihung, an der unter den übrigen Honoratioren auch unser Rabbiner, Herr Or. Joel, auf die an ihn ergangene Einladung hin theilnahm. Ich erwähne nur nebenbei, daß derselbe auch zu dem Gartenfeste eingeladen auch eine Reihe von Jahren in vieler Beziehung den Erwar-! war, durch welches die Bürgerschaft als solche die Anwesenheit tungen, die Einsichtige von ihm gehegt, vollauf entsprochen, j des Kronprinzen feierte. Es wird, wofern die übrigen Eonja, und wann er weiter nichts gewirkt hätte, als Tausende von jüdischen Familien in den Besitz des Grätz'schen Geschichts- Werkes gesetzt, und durch viele zweckentsprechende Werke in ihnen den Sinn für jüdische Literatur überhaupt erst geweckt und rege erhalten zu haben, dajeinu so wäre das allein schon des Verdienstlichen genug! Wer da weiß, wie schwierig es gerade ist, auf dem Gebiete der jüdischen Belletristik Gutes zu erwerben, der wird auch für das weniger Gute, das geliefert wurde (das vielleicht mehr tri8te als belle gewesen), ein nachsichtiges Urtheil haben. Man kann auch nicht sagen, daß die gelieferten Werke den Verfall des Vereins herbeigeführt haben, — />enn selbst die magersten Jahrgänge waren doch immer ihre 2 Thlr. werth — vielmehr war es das ganze Gebühren der Leiter des Vereins, das demselben die besten schriftstellerischen Kräfte entzog, so daß er allmählich hinsiechen mußte. Der Verfall des Vereins datirt von der Zurückweisung des 11. Bandes des Grätz'schen Geschichtswerkes. Daß die Leiter — oder richtiger der Leiter — des Vereins sich so'---Wien, Ende Juni. Am 14. d. Mts. wurde in feierüberheben konnten, von einem Gelehrten wie Grätz das Ma nuscript zur vorherigen Durchsicht, d. h. Censur zu verlangen, und daß die Verblendung soweit ging, die Interessen der Mitglieder des Vereins so empfindlich zu schädigen, ihnen den Schlußband eines Werkes vorzuenthalten, von den! sie bereits acht Bände besaßen, das war keine Förderung der jüdischen Literatur, sondern das direkte Gegentheil, eine selbstmörderische That. Die dem Verein das Leben gegeben, haben ihn selbst getödtet und zu Grabe getragen. Daß er jetzt, wo doch der Hauptleiter mit der Hochschule der jüdischen Wissenschaft aufs fessionen durch ihre Geistlichen vertreten waren, die Theilnahme des jüdischen an einer Feier, die alle Confessionen in gleicher Weise berührt, manchem Leser so selbstverständlich erscheinen, daß er die ausdrückliche Hervorhebung dieser Thatsache in unserem Blatte für grundlos halten dürfte. Jndeß liegt mir thatsächlich eine Veranlassung dazu 'vor in einem Handschreiben der deutschen Kaiserin bei Gelegenheit der Gewährung, daß derjenige Platz, auf dem das erwähnte Siegesdenkmal errichtet worden, den Namen Augustaplatz erhalte. Wir haben uns schon ftüher oft verletzt gefühlt, wenn Unternehmungen, an denen Juden verhältmßmäßig mindestens mit gleicher Kraft mitgewirkt, der Charakter der Christlichkeit ausgeprägt wurde und wollen uns diesmal nur aus dem Grunde eines weiteren Raisonnements über diese vorurtheilsvoll genug klingenden Worte enthalten, weil dieselben aus ״allerhöchster" Feder geflossen. Wir lesen nämlich da u. A.: ״Das große Werk christlicher Humanität ״zu fördern, das allen Frauen obliegt, betrachte Ich als Meine ״Lebensaufgabe licher Weise das neu errichtete israelitische Mädchenwaisenhaus eröffnet, ein Institut, dessen Zustandekommen wir vorzüglich dem hiesigen ״Verein zur Versorgung hilfsbedürftiger israelitischer Waisen" verdanken. Ich sage vorzüglich, denn fteilich bedurfte es der wesentlichen Unterstützung durch die Wohlthätigkeit Einzelner, um dem Vereine, dessen Mittel die Unter- Haltung der etwa 160 Pflegebefohlenen Waisen bisher erschöpfte, die Möglichkeit dazu zu verschaffen, um so mehr, als die finanzielle Catastrophe des vorigen Jahres auch auf den genannten Verein nicht ohne Rückwirkung geblieben war. Und

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