Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volkszeitung · 1874-07-07 · 27 (7.7.1874) · p. Seite 213

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
27 (7.7.1874)
Date
1874-07-07
Page
Seite 213 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9588641-9578923-9579163--719-9579168
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

ati, 213 - beschäftigen müsse, welche auf Umfang, Stoff, Methode und Lehrmittel des jüdischen Religionsunterrichts und auf die gesetzliche Gleichstellung desselben mit dem Religionsunterrichte anderer Confessionen Bezug haben. Es schließt diese Verwahrung demnach hauptsächlich die Aufgabe in sich, auch auf dem Gebiete des jüdischen Religionsunterrichts allein die Pädagogik zu fragen, was dem Kindesherzen ftommt. Sollten solche Bestrebungen nicht etwa den Stempel der Allgemeinheit an sich tragen?*) Es sind darum solche Fragen noch nicht confessionell, weil sie vorerst nur von Juden erörtert werden und man kann ihnen den ״allgemeinen" Charakter nicht absprechen, wenn man ferner bedenkt, daß gerade durch die Wanderung der allgemeinen deutschen Lehrerversammlung diese dem Geiste innerer nationaler Vereinigung huldigenden religiösen Bestrebungengegenüberder Zerfahrenheit und Streitigkeiten im christlichen Lager in viele deutsche Gauen getragen werden**). Ja ich bin optimistisch genug, mit Herrn Dr. Ferdinand Schnell aus Prenzlau (mit welchem Herrn ich über dieses Thema gesprochen) zu glauben, daß gerade das Judenthum, welches durch seine geschichtliche Vergangenheit gezeigt hat, wie es mit dem vor Ueberstürzung bewahrenden Conservatismus einen ebenso deutlich erkennbaren Fortschritt auf religiösem Gebiete verbunden, ganz besonders dazu berufen ist, den hermetischen Abschluß ganzer Völker beseitigen und die Gegensätze, wie sie momentan immer schroffer im eigenen deutschen Fleische hervortreten und zwar immer der Confession wegen, ausgleichen zu helfen; und endlich die Consolidirung desjenigen Friedens, der die Welt erhält und nicht zerstört, herbeizuführen. Ich dachte bei dem Ausspruch dieser Worte eines gediegenen christlichen Pädagogen an die Worte des Psalmisten: אבן מאסו הבונים היתה לראש פנה; Der Stein, den die Bauleute verwarfen, er ist zum Eckstein worden. Gerne werden wir bereit sein, mitzuwirken, wo es gilt dem wahren Beruf Israels Ehre zu machen. Und daß solches nur erreicht werden kann durch richtige Schulbildung, also besonders durch die Verbreitung vernünftiger Begriffe über Gott und Religion, das ist unbestreitbar. Das Judenthum hat zwar seinen Antheil an der theilweisen Lösung dieser Aufgabe. Es wird sie ganz lösen, wenn es nicht außer Acht läßt, daß sein Schicksal mit dem Uebel- oder Wohlergehen der harmonisch gebildeten Lehrer aller Völker innig verwachsen ist. (Damit bleiben unsere thatsächlichen Bemerkungen dennoch begründet. Redaction.) Aus dem Aargau. Seit dem Jahre 1865 besteht in der Schweiz der von Hrn. Dr. Kayserling in Pesch, dem damaligen Rabbiner in Endingen-Lengnau gegründete Culturverein und da derselbe in aller Stille wirkt, die politische und sociale Stellung der Israeliten in der Schweiz zu heben, den Jugendunterricht zu fördern und bessere Berufsbildung und Berufsthätigkeit anzubahnen und zu unterstützen, so dürfte es vielleicht manchen Leser Ihrer geschätzten Zeitung interesffren, etwas Genaueres über denselben zu vemehmen. Sonntag, den 21. Juni a. c. fand in Endingen die Generalversammlung statt, bei welcher 21 Mitglieder, theils aus Baden, Lengnau und Endingen selbst sich betheiligten. Wie wir bei derselben vernommen, wurden im verflossenen Jahre 6 Stipendien an Studirende, sowie Unterstützungen . . *«׳״ die allgemeine deutsche Lehrerversammlung giebt es weder!udlschen, noch christlichen, sondern nur pädagogischen ^^'Twnsunterricht. Wie die Section auf die gesetzliche Gleichstellung?-b? t"^fchbn Religionsunterrichts Hinweisen könne, ist uns unerfindkch. Redactwn. ' **) Gott, daß es bei uns keine Zerfahrenheit und Streitigketten gebe! Redaction. s an 3 Handwerkerlehrlinge im Betrage von frs. 410. verabfolgt. Im Ganzen wurden srs. 493. verausgabt, während die Einnahmen blos frs. 416. bettugen, so daß das Vereinsvermögen bis aus fts. 1500. zusammenschmolz. — Ist die Bilanz auch keine erfteuliche, so sind wir überzeugt, daß der Vorstand in seiner Thättgkeit sich nicht entmuthigen läßt; auch die Localcomites werden sich bemühen, dem Vereine recht viele neue Mitglieder zuzuführen. Dem Localcomite in Endingen ist es gelungen, bis jetzt 25 neue Mitglieder zu gewinnen. In anderen Orten wird ebenfalls gearbeitet.*) Ueber das Tractantum ״Bericht des Centralvorstandes und Beschlußnahme über eine Delegirtenversammlung der schweizerischen israelitischen Cultusgemeinden behufs Anbahnung gemeinschaftlicher Schritte in confessionellen und administrativen Fragen" werde Ihnen, wenn Sie es erlauben,**) später Bericht erstatten, nur das sei mir gestattet, zu bemerken, daß man der Wanderbettelei gehörig zu Leibe steigen will. Bei der Wahl des Vorstandes ersuchte der bisherige Präsident des Vereines, Hr. Heinrich Guppenheim, Fürsprech in Baden, die Anwesenden, von seiner Person Umgang zu nehmen, da ihn seine Berufsthätigkeit ohnedies zu sehr in Anspruch nehme; allein unter Acclamation wurde er wieder gewählt. Die übrigen Vorstandsmitglieder sind die Herren Dr. Bollag in Lengnau, Dr. Bloch in Endingen, A. Kis in Lengnau, Actuar, und Haas, Lehrer in Baden, Cassier. Es lagen nicht weniger wie 13 Unterstützungsgesuche vor und um so viel wie möglich entsprechen zu können, hatten die Theilnehmer der geselligen Unterhaltung, welche nach der Versammlung stattfand, eine Subscription eröffnet, die srs. 95. ergab. Zum Schluffe noch der fromme Wunsch, möchten diejenigen, welche bis jetzt aus Jndifferentismus oder aus sonstigen kleinlichen Vorwänden dem Vereine fern blieben, sich endlich dazu verstehen, auch ihr Scherflein dazu beizutragen, damit es dem Vereine um so leichter wird, sein vorgestecktes Ziel zu erreichen! $ u n d f cft a u. Deutschland. Breslau, 25. Juni. In diesen Tagen ist der bisherige Privatdocent der Augenheilkunde, Herr Dr. Herrmann Cohn, zum Professor extraordinarius ernannt worden. Wir wollen es nicht unterlassen, unsere Freude einerseits darüber auszudrücken, daß unsere confessionelle Gleichstellung so weit gediehen ist, daß auch die wissenschaftliche Tüchtigkeit jüdischer Männer die ihr gebührende Anerkennung findet; zweitens haben wir Grund uns darüber zu freuen, daß Männer, denen in ihrer Eigenschaft als Juden bisher ein Fortschritt in ihrer Carriöre so sehr erschwert war, trotzdem festhielten an dem Banner des Judenthums, fahnentreu blieben der schwächeren Partei, welche die Ausweisung solcher Männer nöthig hat, mögen diese sich auch von dem sogenannten strengreligiösen Standpunkte aus Ueberzeugung entfernt haben. W. In Wreschen (Posen) fand am 17. Juni die Grundsteinlegung einer neuzuerbauenden Synagoge statt. Der bei solcher Gelegenheit übliche Act gestaltete sich für diese kleine Stadt zu einem schönen Feste, an dem sich ein zahlreiches. ״״ Gegenwärtig beträgt die Mitgliederzahl 170, welche in 36 Städten und Dörfer wohnen. , **2 bitten dringend und sind im Voraus für Ihr freundlrches Anerbleten dankbar. Redaction. ,ז־..

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.