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Jüdische Volkszeitung · 1874-06-30 · 26 (30.6.1874) · p. Seite 206

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
26 (30.6.1874)
Date
1874-06-30
Page
Seite 206 (sequence 6)
Language
German
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Oesundheitsnachtherle seien nicht so gefährlich, wie er nachweisen werde. Die Gemeinde habe aber erst vor zwölf Jahren mit Erlaubniß der Regierung eine mit bedeutenden Kosten verknüpfte Aufschüttung bewerkstelligen lassen; die historische Merkwürdigkeit dieses Todtenhofs habe in den Herzen aller Mitglieder der israelitischen Gemeinde ein Gefühl der Pietät gegen denselben erzeugt, das sie ein Schließen desselben bitter empfinden lasse. Die Gesundheit der in der Nähe Wohnenden ist nicht schlechter, als in der übrigen Stadt, und eine gesundheitsgefährliche Wirkung sei schon um deshalb nicht zu befürchten, da die Zahl der jährlich Begrabenen nur etwa 10 betrage. Man möge das Gefühl der Pietät bei der israelitischen Gemeinde achten und die Schließung des Friedhofs wenigstens möglichst lange verschieben, wenn dieselbe nicht abzuwenden sei.. Herr Comm.-Rath Dörr führt aus, daß auch die christlichen Confessionen Pietät gegen ihre Verstorbenen hegten, und daß auch ihr Friedhof geschloffen werde. Dem Gesetz, welches die Beibehaltung von Fried- Höfen in solcher Nähe der Stadt verbiete, müßten sich eben Alle unterwerfen. Der hauptsächlichste Grund aber, welcher mich zur Annahme des Antrags bestimmt, ist der, daß künftig sämmtliche Confessionen an einem Orte gemeinsam ruhen, und daß von nun ab wenigstens unter den Todten keine confessionelle Scheidewand mehr existirt. Hr. Di*. Schröder spricht sich aus denselben Gründen für den Antrag aus; die israelitische Gemeinde solle sich diesem Fortschritt nicht entgegenstemmen. Die Sanitätsfrage komme dennoch sehr in Betracht. Dorfgemeinden hätten sich dem Gesetze unterworfen. Was die israelitische Gemeinde als historische Erinnerung an diesem Friedhof besitzt, bleibt ewig. Die Stadt wird nie den kleinen städtischen Platz, welcher sich noch dort befindet, zur Anlage von Gebäuden hergeben. Hr. Dr. Salzer wendet sich gegen die Ausführungen Edingers. Es sei möglich, daß bis jetzt noch keine äußerlichen Folgen für die Gesundheit sichtbar gewesen seien; indeß derartige schädliche Einflüsse zeigten sich besonders bei Epidemien. Die Brunnen würden möglicher Weise von dem Friedhofe aus inficirt, und sei es deshalb unzweifelhaft, daß derselbe sanitätspolizeilich gefährlich sei. Außerdem hindere das die Ausdehnung der Stadt an dieser Stelle, es werde Niemand dorthin bauen wollen re. Herr Bambach behauptet, daß die Auffüllung damals gar nicht erlaubt gewesen sei, wenigstens liege ein Schreiben des Ministers v. Dalwigk vor, welches das bestreite Es wird darauf das Protokoll der Versammlung vom 23. Februar 1866 verlesen. Hr. Adj. Lewi: Auf dem alten Friedhof wird überhaupt nicht mehr begraben, sondern auf dem anliegenden dazu gekauften Weinberg. Bauten sind dort über- Haupt gar nicht möglich, da kein anderes Terrain mehr da wäre, als gerade der Friedhof; man müsse denn geradezu diesen benützen wollen. Hr. Rasor erklärt, daß daran Niemand denke. Hr. Dr. Salzer meint, daß auf dem Friedhof überhaupt gar nicht mehr begraben werde; man benütze die aufgeschüttete Erde, und das sei nicht dasselbe, ob man Jemanden unter der Erdoberfläche oder über der natürlichen Erdoberfläche begrabe. (Lebhafter Widerspruch.) Herr Dr. Schneider: Die Rücksicht auf die Pietät ist hinfällig, wenn man jetzt gar nicht mehr dort begräbt. Auf die Dauer kann der Friedhof doch nicht erhalten werden, und an der israelitischen Gemeinde ist es eben so gut, wie an den übrigen Religionsgesellschaften, ein bereitwilliges Entgegenkommen zu zeigen. Je früher die Schließung erfolgt, desto besser. Herr Edinger sieht die Zusammenlegung der Begräbnißstätten aller Confessionen allerdings als einen Fortschritt an. Indeß möge man bedenken, daß der hiesige Friedhof nach dem in Prag der älteste und historisch merkwürdigste sei. Herr Dr. Salzer sei Arzt, mit ihm könne er über das die Gesundheit Schädigende nicht streiten. Es werde übrigens auch auf dem vorderen und nicht nur auf dem neu angekauften Theile des Friedhofes begraben. Besonders hervorheben wolle er noch, daß nach geltendem Rechte die Friedhöfe nach 35 Jahren in den Besitz der bürgerlichen Gemeinde gelangten; man müsse dann eine Profanation eher befürchten. (Beig. Rasor glaubt versichern zu können, daß der Friedhof den Israeliten als Eigenthum überlaffen werde.) Hr. Edinger dankt dafür, bittet aber um Verschiebung der Entscheidung Herr Dr. Schröder: Nach genauen Erkundigungen hätten no R einige Hundert Gräber auf dem israel. Friedhofe Platz; nur 10 Personen durchschnittlich im Jahre sterben, so könv 4 das Decennien dauern. Hr. Dr. Salzer: Im Jahre 1832/3. 1 sei durch den Mainzer Regierungspräsidenten der Friedho! schon einmal geschloffen worden, indeß auf Grund eines Q ל suchs an den Großherzog wieder geöffnet worden. Es , / nothwendig, daß man ein Ende mache. Hr. Comm.-Rath Dörr: Der Prager Kirchhof ist gleichfalls geschlossen, ohne daß die Pietät gegen denselben abgenommen hätte. Die Befürchtung sei unnütz, daß die Gemeinde jemals an eine Ver-- äußerung resp. Bebauung denken könne. Hr. Edinger weist auf den Vorgang vor wenigen Jahren hin, wo ohne Einspruäbetheiligter Familien ein ehemaliger Kirchhof als Baupla^ : benutzt worden wäre. Hr. Rasor beantragt darauf den vorliegenden Antrag des Herrn Brück dahin zu ändern, daß de^. Israeliten kein gesonderter Friedhof angewiesen werde, sonder daß alle Bürger, gleichviel welcher Confession, in Reih ms! Glied begraben würden. Hr. Dr. Schneider fürchtet vo׳ssolcher Maßregel noch verstärkte Opposition. Schließlich wird der Antrag Brück auf Schließung mit Allen gegen 2, auf Anweisung eines Begräbnißplatzes im

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