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Jüdische Volkszeitung · 1874-06-30 · 26 (30.6.1874) · p. Seite 204

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
26 (30.6.1874)
Date
1874-06-30
Page
Seite 204 (sequence 4)
Language
German
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204 des Blattes selbst. Denn, wenn es auch gewiß zu billigen ist, daß sie diese Zeitung der jüdischen Bevölkerung, ich möchte sagen, durch das eine oder andere Mittel nicht zu octroyiren sucht, so wäre es doch wohl im Interesse der Verbreitung einer so lesenswerthen Zeitung gerathen, etwa an die Vorstände der einzelnen jüdischen Gemeinden Probenummern der ״Jüd. Volkszeitung" zu schicken. Die Sendung solcher an die einzelnen Rabbinen dürfte dagegen oft ganz ersolglos bleiben, da ich Ihnen eine Anzahl Rabbinen nennen könnte, welche, wenn sie auch selbst mit der Tendenz dieses Blattes einverstanden sind, eine gewisse Scheu haben, auch die Mitglieder ihrer Gemeinde einer Aufklärung theil werden Zu lassen, wie sie sich Ihr Blatt zur Aufgabe gemacht hat. Es mag ja freilich — wir sehen dies wenigstens bei anderen Confessionen bestätigt — nicht ganz unrichtig sein, daß mit der Verdummung der Volks- Masse die Consolidirung der Verhältnisse der Geistlichen ver- Kunden ist. Also auch ich habe mich von dem eigentlich nur der jüdischen Bevölkerung Breslaus gemachten Vorwurfe wegen eines hohen Grades von religiösem Jndifferentismus getroffen gefühlt. Nun, ich nehme mir vor und möchte es meinen Glaubensbrüdern anempfehlen, ihn möglichst gut zu machen. Für heute versuche ich es damit, daß ich Ihnen, wenn mir auch nicht ausgiebiges Material zu Mittheilungen an Sie vorliegt, auch das wenige vorzuenthalten für ungehörig erachte. Es wird Ihnen, geehrter Herr Redacteur, speciell und wohl auch einem Theile Ihrer werthen Leser nicht unbekannt sein, daß in der jüngsten Zeit in Breslau die 21. allgemeine deutsche Lehrerversammlung getagt hat. Ich kann wohl sagen, daß ich mit den angenehmsten Eindrücken von dort geschieden; denn es wurde alles aufgeboten, uns geistige und materielle Genüsse in Hülle und Fülle zu bieten. Doch eine Schilderung aller dieser gehört nicht hierher; ich beschränke mich vielmehr vorerst auf die Mittheilung eines Passus aus der Rede, die der Oberbürgermeister Breslaus, der als humaner, liberal denkender Mann weithin bekannte Herr Dr. Forkenbeck, Präsident des preußischen Abgeordnetenhauses, an uns richtete. Sie werden es für natürlich finden, wenn ich auch im Namen meiner übrigen jüdischen Collegen, deren sich übrigens eine nicht gar große Zahl an der Versammlung betheiligte, erkläre, daß die unten angeführten Worte in hohem Maße geeignet waren, in uns das Bewußtsein hervorzurufen und zu stärken, daß wir uns in dem Kreise unserer christlichen Collegen als gleichgestellt und gleichgeachtet zu betrachten haben. Der betreffende Passus lautet: ״M. H. Noch Eins drängt es mich im Herzen es auszusprechen, es zu constatiren: In Breslau sind in der Bevölkerung die verschiedenen Confessionen, die verschiedenen religiösen Ueberzeugungen lebendig, mächtig und tief vertreten, und in dieser confessionell so gemischten Bevölkerung hat die Gemeinde die Kraft ihrer Selbstverwaltung mit gleicher Gerechtigkeit gegen alle Confessionen, mit tiefer Ächtung jeder religiösen Ueberzeugung auf ihrem Gebiete mit echtem freien Sinn, mit gleicher Toleranz ihr Schulwesen begründet und will es auch in den hochgehenden Wogen der Wirren der Gegenwart in diesem Sinne festhalten und weiter ausbauen. (Lebhaftes Bravo!) Mit um so tieferer Freude hat es uns, hat es die Bürgerschaft dieser Stadt erfüllt, daß wir hier in dieser Versammlung ohne irgend einen Ausschluß die Vertreter der gesammten deutschen Lehrerwelt aus allen Confessionen versammelt. sehen. Das gibt uns die Sicherheit, das gibt uns die Bürgschaft, daß die deutsche Lehrerwelt aus der Geschichte der Vergangenheit von Jahrhunderten lernen und die Lehren dieser Geschichte beherzigen und uns im neuen deutschen Reiche ein einiges deutsches freies Volk erziehen und erhalten und so immer fester und immer tiefer die Grundlagen in unserer neuen Einheit befestigen und erhalten will." (Lebhafter, langanhaltender Beifall.) Als bezeichnend für den Standpunkt, auf den sich diese Lehrerversammlung stellte, führe ich noch die vierte von den fünf Thesen an, welche derselben zur Berathung vorgeschlagen wurden. Sie lautet: ״Die öffentlichen, d. h. die Staats- und ״bürgerlichen Gemeindeschulen sind in Bezug auf Confession ״nicht zu trennen." Ich bemerke — was ja die Hauptsache ist — daß diese These einmüthig angenommen wurde. Breslau, 18. Juni. Ich nehme zunächst direct Bezug auf meinen jüngst in diesem Blatte veröffentlichten Bericht über die hiesige Universität, indem ich an die dort gemachte Bemerkung erinnere, daß sich in diesem Semester der erste jüdische Privatdocent an der hiesigen juristischen Facultät habilitirt hat. Ich hielt dieses Factum für einen Ausnahmefall, d. h. in dem Sinne, daß Herr Dr. Schloßmann speciell die Berechtigung dazu erhalten habe, ohne daß die entgegenstehende Bestimmung in unseren Universitätsstatuten aufgehoben sei. Nachträglich und zwar erst in den jüngsten Tagen fand ich in unseren Zeitungen eine diesbezügliche Entscheidung des Cultusministers publicirt, die offenbar principieller Natur ist- Der Wortlaut derselben ist folgender: ״Durch eine Eingabe des dem jüdischen Glauben angehörenden Gerichtsassessors a. D. Dr. zur. N. zu N., welcher sich an der dortigen juristischen Facultät als Privatdocent zu habilitiren wünscht, ist meine Aufmerksamkeit darauf gelenkt worden, daß im § 32 Al. 2 des Reglements der Facultät vom 13. September 1840 unter den Erfordernissen für diel Zulaffung zur Habilitation als Privatdocent u. A. auch die? christliche Confession des Bewerbers aufgeführt ist. Gegenüber dem Artikel 12 der Verfaffungsurkunde vom 31. Januar ן )0 uni) dei gere Aust« lthast nach täts-Regleo cklich auch!! juristische u<p; nat der d : kntniß zu So sehe >en und 1 m es auch [ minder ffer Freud! l die eigen s an unsei!ern auch b j eröffnet. ] Aber abg> obigen Bes cipielle Beb smng, daß!n ii anderen I die von u 1 5 :meinen B! er Parität. Es fteut en, aus d! ren, der u ierungen b!ren Bean n. derselben dort, wen! ften Mm * ׳$ aus di m geltend Geistlichen fen wollte; Staate st?! :m chen sich jj, «cht abges Hyper! sionellen gliche Nicht Staates, totale Tr

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