Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 24 (16.6.1874)
- Date
- 1874-06-16
- Page
- Seite 190 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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T 190 Feuikketon. Nachrichten vom ehemaligen Aufenthalte der Inden in Nürnberg. (Fortsetzung.) IV. Vom Machsor der Stadtbibliothek zu Nürnberg. In der Stadtbibliothek zu Nürnberg findet sich noch ein auf Pergament geschriebenes Machsor von der Zeit her, als die Juden aus der Stadt vertrieben wurden. Es ist in Regal-Folio auf 528 Pergamentblättern mit vielem Kunstgeschmack zu beiden Seiten beschrieben. Der Schreiber hat am Ende in 4 Zeilen folgenden Wunsch angehängt: חוק ונתחזק והכותב לא יווק לא היום ולא לעולם ולא עד שיעלה חמור בסלם *) כתבתי וה המחוור ליהושוע בר יצחק וסיימתיו ביום ה׳ הד׳ באלול בצ׳א׳ לפרט יד׳ שיוכה להגות בו הוא ובנו ובני בניו עד סוף כל הדודות א׳ם׳. Sei stark und guten Muthes. Der Schreiber werde nicht beschädigt, weder jetzt noch künftig, nicht eher als bis der Esel auf die Leiter steigt. Dieses Machsor habe ich geschrieben für Josua, Sohn Jizchak, vollendet Donnerstag, 24. Elul A. M. 91 (1331). Möge er und seine Kinder darin studiren zu allen Zeiten, Amen. Viele Piutim, welche sich weder in dem böhmischen, venetianischen oder Amsterdamer Machsor finden, find anzutreffen. Neben dem Machsor-Text ist ein ausführlicher Perusch, ebenfalls in sehr schöner Handschrift ausgeführt. Die Anfangsbuchstaben der Gebete sind in mannigfaltigster Weise künstlerisch ausgeführt. Die Chronik bemerkt, daß die Juden in Wien, ebenfalls vor ihrer ältesten Vertreibung dortfelbst, für jedes Blatt dieses Machsor, der Stadt Nürnberg einen Dukaten, also 528 Dukaten in Summa bezahlen wollten, ohne daß man es darum gegeben hatte. Nicht minder interessant ist ein auf der Stadtbibliothek Zu Nürnberg befindliches ת״נ״ך aus dem Jahre 1291 mit 7. Onk. u. Jerus., was schon in der damaligen Zeit auf fl. 2000. zu stehen kam. Die Punktation, die am ganzen Werke durchgeführt ist, scheint erst ein späterer Nachtrag zu sein. Kenner sollten nicht verabsäumen, beide ehrwürdige Ueberbleibsel der altehrwürdigen Zeit zu besichtigen, wenn sie hierherkommen. V. Vom Friedhof der Juden in Nürnberg. Derselbe war ursprünglich außer der Stadt, bei der Er- Weiterung der Stadt ist er aber in die Ringmauer mit eingeschlossen worden. Der Platz war sehr geräumig, wenn man sich vergegenwärtigt, wie viel Terrain davon überbaut ist, außer der vorderen und Hinteren Beckschlager Gassen, Manghöflein, Hitze, wie die Chronik erwähnt. — Die Geschichte hat es zu beklagen, daß von Privat- und öffentlichen Gebäuden nichts übrig geblieben ist, als die Benennung der Judengassen, Judenhof, Judenbühl. Einzelne Steine, welche redend zeugen, sind noch conservirt. Derjenige Stein, dessen Wagenseil in seiner Comentatione de Cinitate Norimb. gedenket, ist bei dem Eintritte in den Sebalder Pfarrhof rechter Hand, wo man in die Kellerstube geht, eingemauert. Er trägt die Inschrift: עד הגל הוה נדרת נוטלי," בת ר׳ שמשון נקברה כ׳ט׳ בשבט יום ב, Die Jahreszahl ist verwischt; ebenso ist das נדדת sinnstörend und wäre richtiger an נאדדת zu denken.! Wagenseil glaubt, daß bei Erbauung des Kornhauses! dieser Stein zufällig nach dem Pfarrhof zu St. Sebald ge-! bracht worden sei. Nürnberger Chronisten behaupten aber,! daß der mehrerwähnte Stein lange Jahre nach Vertreibung! der Juden vom jüdischen Friedhofe ausgegraben und sodann dorthin verbracht worden ist. Ein anderer Stein, wohl einer der ältesten, datirt aus dem Jahre 1130 g. Z. Derselbe wurde 1468, als man an der Mauer des Fischbachs in der Pfauenschmidsgasse gebaut, gefunden. Aus der Inschrift ist zu erkennen gewesen, daß Elia ben Jehuda der Verstorbene war. Seines hohen Alters wegen wurde er zum Gedächtniß in den Zwinger hinter der Peunt an das Vorwerk des Frauenthores eingemauert. So weit Müllner. Auf dem Weißenthurm auf dem obersten Boden sind gegen das Spittlerthor zu noch zivei Grabsteine eingemauert. Die Abschrift lautet nach Würfels historischen Nachrichten: I. מצבה יצב שמעון לראש אביו ה׳ יחיאל שנקבר ביום י׳א׳ אייר שנת ל׳ג׳ לאלף הששי *) Wahrscheinlich eine Hinweisung auf Mesias ben Joseph, der einer Sage zufolge auf einem Esel reitend einziehen würde. ת׳נ׳צ׳ב׳ה׳ א׳ם* 11. המצבה הוצבה לראש בתולה נדרת רבקה בת הר׳ר׳ משה הלוי שהלכה לעולמה ביום ו׳ אדר שנת ם׳ה׳ לפרט אלף הששי ת׳נ׳צ׳ב׳ה׳ בגן עדן עם שאר צדיקי עולם א׳ם׳ Der erstere Stein datirte aus dem Jahre 5033, d. i. 1273 der g. Z.; der zweite aus dem Jahre 5068 — 1308. In dem alten Kreß'schen Stiftungshaus, woselbst ehemals