Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 24 (16.6.1874)
- Date
- 1874-06-16
- Page
- Seite 189 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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189 der allgemeinen deutschen Lehrerversammlung theilnehmen. 2) Aufgabe der Section ist, eine Verständigung herbeizuführen über Stoff, Ziel und Verfahren des jüd. Religionsunterrichts. 3) Ueber Lösung der Aufgabe mittels Angabe der Mittel. 4) Ueber die Wahl des Ausschusses. 5) Ueber den Verkehr des Ausschusses und der Sections- Mitglieder. 6) Ueber die Veröffentlichung genannter Statuten. — Es wurde demgemäß 7) ein ständiger Ausschuß gewählt, der mit dem Ausschuß des 22. deutschen Lehrertages in Beziehungen zu treten, das zur Wahrung unserer diesbezüglichen Interessen Nöthige hier zu veranlassen und andere bewährte Kräfte zu cooptiren hat. Angesichts dessen, daß unter den etwa 30 Anwesenden ein anderes Mitglied aus Süddeutschland nicht zugegen war, betraf die Wahl mit Hrn. Dr. Wedell (Präsident), Dr. Samuelsohn, Dr. Vogelstein, Lehrer Jaffe, auch meine Wenigkeit. Zur Cooptation erlaubte ich mir, Sie, geehrter Herr Redacteur und Collegen Max vorzuschlagen. — Von dem Bestehen des von Ihnen ins Leben gerufenen Vereins ״Achawa" und des Lehrervereins nahm man gern Act (So! wie freundlich! Die Achawa ist bald 10, der Lehrerverein nun fast 3 Jahre alt. Redaction), und ist man nicht abgeneigt, den letzteren bei einiger Modificirung seiner Tendenz bei der 22. allgemeinen deutschen Lehrerversammlung in Nürnberg zu identificiren. (?) Als Organ unserer Section schlug ich in erster Linie die von Ihnen redigirte als die einzige wirkliche jüdische Lehrerzeitfchrist vor. Bei der nun folgenden gemüthlichen Unterhaltung war es mir vergönnt, einiges Licht über den Charakter Ihrer red. Zeitschrift zu verbreiten. Es dürften in Folge dessen in aller Bälde Ihnen verschiedene Arbeiten von den Collegen dorten zugehen. Nachbemerkung der Redaction. Wir nehmen wohl Herne von dem Vorkommen Act, bei dem wir den guten Willen voll und bereitwillig anerkennen, bedauern aber, eine andere praktische Bedeutung als die, daß sich die Herren in Breslau kennen lernten, der Sache nicht zusprechen zu können. Nach einer Richtung halten wir die Anregung sogar — wie sie hier auftritt — für verwerflich. Die allgemeine deutsche Lehrer- Versammlung ist allgemein, ist deutsch und es ist gefährlich, diesen Charakter derselben durch Specifisches, Confessionelles zu stören. Die Arbeiten der anderen Sectionen sind ganz anderer Natur; sie beziehen sich auf einige Richtungen, die jedoch im Allgemeinen begründet sind, für Alle Bedeutung haben, wenn sich auch nicht Alle damit beschäftigen können. Da ist die Section für Lehrerbildung, die mathematisch-naturwiffenschastliche Section, die Sectionen für Kindergärten, für Töchterschulen, für schwachsinnige Kinder, für Schreibunterricht, für Fortbildungswesen rc. Aber das alles liegt im Princip der allgemeinen deutschen Lehrerversammlung, ist nicht confessionell, also ausschließlich nur für die Glieder einer Religionsgesellschaft von Bedeutung. Man hätte eine Form des Zusammenfindens jüdischer Lehrer suchen können, wie es durch uns in Mannheim und in Cassel geschehen; aber von der Tribüne des Präsidenten eine Section für Juden verkünden — scheint uns delatorisch. Dabei hat die Sache an sich auch keine rechte Bedeutung. Die allgemeine deutsche Lehrerversammlung ist Wanderversammlung. Die Besucher der diesjährigen werden in der nächstjährigen großentheils fehlen. Ihre Zusammensetzung ist vielleicht eine andere und die in Breslau wahrscheinlich dominirende Richtung wird in Nürnberg keinen Anklang finden. Uebrigens — die Haupthätigkeit für den jüdischen Lehrer geht nach zwei Richtungen: nach der Erringung einer entsprechenden würdigen Stellung, und der Anregung zur lebendigen Theilnahme am Leben und Streben der Gesammtheit. Nach beiden Richtungen haben wir uns seit lange bemüht: vergeblich! Es ist mit der gegenwärtigen Generation des israelitischen Lehrerstandes, d. h. mit dem größten Theile seiner gegenwärtigen Glieder nichts anzufangen. Sie kränkeln an den beiden Extremen: Jndifferentismus- Materialismuns und Orthodoxismus - Fanatismus. Vier ismus, die einem denkenden Menschen den Kopf heiß machen können. Wir sind es satt, immer in das große Horn zu stoßen und doch keinen Wiederhall zu finden, das Faß der Danaiden zu schöpfen. Wir haben unsere Schuldigkeit gethan und können der Zukunft ruhig die Beurtheilung unseres Strebens und unserer Ausdauer überlassen. KunäsHau. 56. Im Palais-Bourbon zu Paris findet eben zu Gunsten der ärmeren Elsaß-Lothringer, die für Frankreich optirt haben und die man in Algier ansiedeln will, eine Ausstellung von Kunstwerken und Merkwürdigkeiten aller Art statt, und errrgt darunter vielfache Aufmerksamkeit eine ganze Sammlung zum jüdischen Cultus gehörender Gegenstände, welche ein gewisser Strauß ausgestellt hat: Sepher Thora, Megilla, Chanuka- Leuchter, ein kleiner Aron hakodesch rc. 57. Eine 15 jährige Tochter des Baron Alphons v. Rothschild in Paris hat eben ihre Prüfung als Lehrerin mit gutem Erfolge bestanden und ihr Diplom erhalten. — Sehr hübsch. Weiß vielleicht einer unserer Leser eine Stelle für das arme Kind?