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Jüdische Volkszeitung · 1874-06-16 · 24 (16.6.1874) · p. Seite 191

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
24 (16.6.1874)
Date
1874-06-16
Page
Seite 191 (sequence 7)
Language
German
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191 -as בית המדרש war, sind ebenfalls noch zwei Steine anzutreffen. Der älteste enthält folgende Aufschrift: ויצב יעקב מצבה לראש ווגתו הגונה הנאדדת שנל בת ר׳ שמואל שהלכה לעולמה מר ימים לחדש שבט שנת מה' לפרט 7 ת׳נ׳צ׳ב׳ה' א׳ם/ Dieser Stein zeigt also das Jahr 1295 der gew. Z. Der andere Grabstein im vorerwähnten Hause befindet fich am Eingänge des Hauses mit der Aufschrift: פה טמונה נערה הנונה שרה דל' בת הר׳ר' ברוך הכהן ביום א' מ׳ כסליו שנת הכד לפ׳ה אלף הששי ת׳נ׳צ׳ב׳ה' Dieser Stein zeigt das Jahr 1449 der g. Z. Auf allen diesen Steinen nur wenige Spuren irgend einer besseren Begabung in der hebräischen guten Schreibweise. Daraus ist übrigens kein Schluß zu ziehen, wenn man bedenkt, daß heute noch die am wenigsten befugtesten Individuen mit der Abfassung dergleichen Epitaphien betraut werden, ein Umstand, der bei der allgemeinen minutiösen Beobachtung des Todtencultus bei Israeliten auffallend erscheint. Baron Frank, der Kabbalist in Offenbach. Historisch-romantische Erzählung von I. (Fortsetzung.) ״Ruschka, Ihr lebt?" brachte endlich Frank mühsam hervor; ״Ihr seid nicht das Opfer jenes wüthenden Sturmes geworden, wie ich befürchtete." ״Wie Du siehst, Frank, ja, wir leben, und wir sind glücklich!" ״Glücklich, und ich wußte es nicht, erhielt kein Lebenszeichen?!" ״Wozu auch? Wir wußten, wo und wie Du lebtest. Wir rechneten auf Deine Dankbarkeit und vertrauten Dir, nachdem wir erfuhren, wie sehr Du Dich bestrebtest, jene schwere Aufgabe zu erfüllen, die Du von ״Hoheit" übernommen hattest. Du suchtest nach Sibirien 'zu dringen, dort den Aufenthalt eines Mannes zu erforschen, von dem Du nicht einmal wußtest, in welchen Beziehungen er zu der Dame stand, die auch Deinem Herzen nahe stand, wie allen denjenigen, die sie damals auch nur einmal sahen. Der Mann — ist wiedergekommen aus Sibirien, seit mehreren Wochen; wahrscheinlich glaubten die Feinde, Elisabeth habe ihn vergessen im Rausche der Genüsse, denen sie sich seit jener Zeit der Trennung, ohne Maß und Bedenken, hingab. Freust Du Dich dessen?" Ein tiefer Schatten flog über das Antlitz Frank's. Dann sprach er: ״Ich habe hohe Aufgabe erhalten von meinem Herrn. Du hast es eben mit angehört, wie alle diese auf mich vertrauen. Nun denn, ich kann sie nur erfüllen durch die reichen Mittel, die mir ״Hoheit" zur Verfügung gestellt. Ihr gehört mein Leben; ich thue, was sie von mir verlangt und grüble nicht/ ״Recht so, das erwarteten wir auch", antwortete Ruschka. ״Deine hohe Aufgabe" — ein spöttisches Lächeln glitt bei diesen Worten über die Züge der Alten — ״wird uns nur unterstützen, nicht schaden. Nun denn, ich habe einen Auftrag von Hoheit für Dich. Willst Du mich anhören?" ״Ich höre und werde thun, was Hoheit befiehlt."- Es war fast Mitternacht, als Ruschka das Zimmer Frank's verließ. Als sie sich erhob, sagte sie, indem sie den Finger auf ihre Lippen legte: ״Du wirst also schweigen?" ״Ich werde schweigen, wie der Tod." ״Und Du wirst morgen nach dem Orte reisen, den ich Dir angegeben habe?" ״Ich werde morgen abreisen." ״Und wirst dort auftauchen mit einem jungen ״gefügigen" Weibe?" ״Ich werde thun, wie Hoheit wünscht, so schwer mir es auch wird . . ." ״Nun denn, ich werde es Hoheit sagen. Du kannst auf ihre Dankbarkeit zählen. Sie wird Dir die Mittel zu einem fürstlichen Leben bieten und Dir auch ferner in Gnaden gewogen bleiben. Sie gedenket Deiner oft. Wenn ich nicht mehr zu Dir kommen sollte, so vergiß nicht ihres Erkennungs- Zeichens, des halb gebrochenen Ringes, den sie Dir damals gab." ״Ich vergesse nicht." Als Ruschka vor der Thüre des Hauses sich von Frank verabschiedete, glaubte er ganz in der Nähe seines Hauses eine einsam kauernde Gestalt im Dunkel der Nacht wahrzunehmen. Aber — der muthige Heilige fürchtete sich, näher hinzutreten. Er tröstete sich mit seiner Phantasie, die ihm stets unheimliche Bilder vorgaukelte — und trat ins Haus zurück, das er sorgsam abschloß. Jetzt trat auch die Gestalt aus der verbergenden Nische deutlich hervor und auf Ruschka zu. ״Er hat eingewilligt", sagte die stolze Frauengestalt, die Frank gekannt hätte, wenn er nur etwas näher hinzugetreten wäre. Sie war nicht zu verkennen. Es war die ״Hoheit", ״Elisabeth", wie Ruschka auch sagte. Ihre Stimme war wohl rauh, hart geworden und nicht mehr wie dazumal, als sie auf dem Schiffe Frank gegenüber stand. ״Er steht zu Deiner Verfügung, Hoheit." ״Gut denn, so wollen wir wieder in unsere Heimath zurückkehren und dort leben und — genießen, mit vollen Zügen. Fort mit allen Schwächen und Träumereien...." (Fortsetzung folgt.)

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