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Jüdische Volkszeitung · 1874-06-09 · 23 (9.6.1874) · p. Seite 182

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
23 (9.6.1874)
Date
1874-06-09
Page
Seite 182 (sequence 6)
Language
German
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confefsiönellen Gründen aus seinem, orthodoxen oder reformatorischen, Gemeindeverbande auszutreten. Das Gesetz gestattet ihm, wie überall, so auch auf religiösem Gebiete diese freie Bewegung, ohne nach den Gründen zu fragen. Wenn der Einzelne sie für sich confessionell nennt, so geht dies den Staat nichts an, und das Judenthum wird nicht davon berührt. Wenn Hr. L. dem Dr. Hirsch in Frankfurt aufs Wort glaubt, daß er confessionelle Bedenken habe, dem reformatorischen Gemeindeverbande anzugehören: so ist dies rein persönlich. Innerhalb des Judenthums sind von jeher die größten Meinungsverschiedenheiten ungestört neben einander hergegangen, ohne Ausschließungen und Absonderungen zu veranlassen. Ja, das Judenthum mahnt von solchen ab, denn es hat die Denkfreiheit zum Princip erhoben. Durch solche Scheidungen würde der confessionelle Riß erst ins Judenthum hineingetragen, den es bisher nicht gekannt. Elischa ben Abuza ist nicht vom Religionsgerichte ״Acher", der Andersdenkende, genannt worden, sondern von der öffentlichen Meinung; seine abweichenden religiösen Ansichten veranlaßten weder Ausschließung noch Absonderung. Und in der damaligen Zeit wie in der unsrigen ist die Verschiedenheit der religiösen Ansichten durch die Berührung mit der neuen Bildung veranlaßt worden, damals der hellenischen, wie jetzt der modernen. Ein Austritt aus dem Religionsverbande aus confessionellen Gründen ist demnach innerhalb des Judenthums undenkbar. — Wir würden es anderen Blättern Dank wissen, durch Verbreitung dieser Auseinandersetzungen zur Aufklärung in den bezüglichen Kreisen beizutragen. Dr. Rothschild. Manakeim, 1. Mai. Der eben erschienene Rechenschaftsbericht des israelitischen männlichen Krankenunterstützungsvereins dahier für die Jahre 1872 und 1873 bezeugt wiederholt die überaus wohlthätige Gesinnung und den Gemeingeist hiesiger Israeliten. Die Beiträge der Mitglieder pro 1872 betrugen fl. 2497. 28., die Vermächtnisse und Geschenke fl. 1125. Im Jahre 1873 stiegen die Beiträge der Mitglieder auf fl. 2572. 16.; Vermächtniffe und Geschenke sogar auf fl. 3565. Das Vermögen des Vereins beziffert sich augenblicklich auf fl. 86,170.57. Die Gesammtsumme der Ausgabe im Jahre 1872 betrug für Krankenpflege fl. 2597. 50.; für Seelsorge (Trauer- und Jahrzeittage rc.) fl. 752. 29.; Verwaltungskosten fl. 719. 46.; Anschaffungen fl. 410. 21; und kommen hierzu noch drei schuldige Mädchenaussteuer, welche mit dem Verein verknüpft sind zu fl. 4368.; zusammen also fl. 8849. 26. Im Jahre 1873 betrug die Gesammtausgabe, da nur eine Aussteuer abzutragen war, fl. 5431. 2. — Möge es auch in Zukunft nicht fehlen an mildthätigen Herzen in der hiesigen und allen Gemeinden. Kunä^au. 53. Von Salomon Sulzer, dessen Jubiläum am 28. März d. I. in allen Blättern Erwähnung geschah, sind uns nachträglich noch einzelne Züge bekannt geworden, welche auch die Leser dieses Blattes interessiren dürften: Sulzer galt und gilt heute noch in Künstlerkreisen als der beste Schubertsänger und als er vor vielen Jahren in einem; Hofconcerte das herrliche Lied ״Die Allmacht" vortrug, stürzte! der damalige Wiener Erzbischof auf ihn zu, schloß ihn in! seinen Arm und weinte am Halse des — Juden! Als er! später einmal mit dem seiner Zeit berühmten Schubertsänger! Vogel ein Lied um die Wette sang, erklärte sich Vogel über-!troffen und reiche, ohne Neid im Herzen, Sulzer den Preis jkr Meisterschaft.! Bei Hofconcerten gebot das Ceremonial dem Auditorium! sich jeder lauten Beifallsbezeugung zu enthalten. Als jedoch j eines Tages gelegenheitlich eines Hofconcerts Sulzer, Staudigl! und Andere ein Lied vortrugen, konnte keiner der Anwesenden! an sich halten, die momentane Wallung spottete des Ceremoniells und ein Sturmapplaus erschütterte die Räume der Hofconcert- Säle. Seit diesem Tage ist diese Bestimmung des Hofceremoniells aufgehoben. Der erste jüdische Blinde, der im kaiserlichen Blindeninstitut ausgenommen wurde, hatte diese Wohlthat Sulzer zu verdanken, der seine Aufnahme im wahrhaften Sinne des Wortes ersungen hatte. 54. Frankfurt a. M., 28. Mai. Zur Gründung eines israelitischen Waisen-Jnstituts dahier sind dem Comite bereits über 40,000 fl. zu dem unangreifbaren Fond zugegangen und namhafte jährliche Beiträge zugesichert. Die aufgenommenen Waisen sind, bis man sich über die Errichtung der Anstalt selbst entschieden hat, einstweilen in Familien untergebracht. 55. Die letzte Nummer des ״Asiatischen Journals" enthält fast nur Arbeiten jüdischer Sprachforscher: ״Versuch einer lybischen Inschriftenkunde von Halävy", ״eine karthagische Inschrift von Derenbourg", ״Notizen über die persische Keilschrift von Oppert." Feuikketon. Nachrichten vom ehemaligen Aufenthalte der Juden in Nürnberg. 11. Von der ersten Ansiedelung der Juden in Nürnberg. Um welche Zeit die Juden nach Nürnberg gekommen sind, läßt sich nach Würfel, dessen feindselige Gesinnung gegen

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