Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 23 (9.6.1874)
- Date
- 1874-06-09
- Page
- Seite 183 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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die Juden sich in jeder Zeile ausspricht, nicht genau bestimmen. Gundling will wissen, daß A. C. 100 von Regensburg einige Juden nach Nürnberg gekommen sind und daselbst Aufnahme gefunden haben. Falkenstein bemerkt, daß im Jahre 46 n. Chr. die Juden schon im Nordgau oder Norico (daher wohl Nürnberg, Noris) sich befunden haben. So viel ist gewiß, daß zu Kaiser Heinrich IV. Zeit die Juden schon lange Wohnsitz in Nürnberg hatten. Am grünen Markte hinter dem Rathhause und am Zottenberg haben sie sich zuerst angebaut; auch in der Nähe der Sebalduskirche und unter der Reichsburg siedelten sie sich an. Theils der Besitz der schöneren Häuser und der eigenthümliche Umstand, daß sie die Eingänge zu ihren Kellern soweit in die Straßen hinaus bauten, erweckte das Mißvergnügen ihrer Mitbürger, und war jedenfalls eine der traurigen Ursachen ihres späteren Unglücks der großen Leiden an Leib und Gütern und ihrer nachherigen gänzlichen Austreibung von Nürnberg. In Anbetracht, daß die Juden seit der Zerstörung und Wiedererbauung der Stadt Nürnberg die besten und bequemsten Stadttheile bewohnten, befahl Kaiser Karl IV. in einem offenen Briefe d. d. Prag 1349 am nächsten Montag nach Martini alle Judenhäuser zwischen den Fr. Haller'schen und Behaimsschen Häusern sammt der Synagoge abbrechen und daraus zwei Plätze machen zu lassen, die der Stadt ewiglich verbleiben sollten, so daß darauf nimmer ein Haus gebaut werden sollte. Aus der Synagoge sollte (und wurde) die Marienkirche gemacht werden. Es verging aber eine geraume Zeit, bis der kaiserliche Befehl vollzogen wurde. Das Interesse des Bischofs von Lemberg und der Burggrafen zu Nürnberg war mit der Niederreißung der Synagoge in Betheiligung; auch Arnold von Seckendorf machte darauf bezügliche Ansprüche, was ebenfalls Hindernisse setzte. Durch Vermittelung des Bischofs Marquard zu Augsburg wurden aber 1350 die Hindernisse beigelegt. Die Juden wurden für ihre Häuser mit 1600 fl. abgefunden. Nur einige Juden, deren Häuser nicht im Wege standen, blieben im Besitz derselben. Diejenigen jüdischen Häuser, welche zur Anlegung der großen Plätze, des Grünen- und Obstmarktes und zur Erbauung der Frauenkirche hinderlich waren, wurden abgebrochen. Die nicht im Wege stehenden jüdischen Häuser wurden Christen überlassen und diese mußten zum Andenken dieses Vorganges das Bildniß der Mariä an die Häuser anbringen. Man sieht daher noch hin und wieder auf dem Markt und in angrenzenden Straßen das Marienbild theils in Stein, theils gemalt an Häusern. ״So mußten die Juden, bemerkt Würfel, ihre so be- ״quemen Wohnungen, welche sie und ihre Voreltern am Salz- ״markt und dort herum verschiedene Jahre besessen, verlassen und ״den Christen überlassen. Doch war dies noch gut, daß sie auf ״diesmal nicht völlig aus der Stadt vertrieben, sondern nur- ״an einen anderen Ort, nämlich an die große Brandstätte^ ״das Taschenthal und den Platz, so von ihnen den Namen ״Judengaß erhielt, verwiesen wurden, welche sie anbauen mußten ״zu ihrem ferneren Aufenthalt. Hier errichteten sie aufs Neue Synagoge, Lehrhaus — Beth hamidrasch — und — ein Schlachthaus. Wagenseil legt das günstige Zeugniß ab: ״Endlich müssen wir noch von den Nürnbergischen Juden gedenken, daß sie Leute von gutem Verstand gewesen sind, die den Wissenschaften fleißig oblagen, wodurch sie sich in der Ferne in großes Ansehen gesetzt haben." In der Kleidung mußten sich die in Nürnberg wohnhaften Juden von den Christen unterscheiden. Das Oonoiliura I,Lt6ran6n86 unter Jnnocenz III. 1216 bestimmte, daß die Israeliten beiderlei Geschlechts eine ganz besondere Kleidung anlegen mußten. Die Juden in Nürnberg mußten einen gethürmten Hut von rother Farbe lange Zeit tragen. Später wurde decretirt, daß der erwähnte Hut durch Barete oder platte Hüte ersetzt werden mußte. Fremde Israeliten mußten große Kappen über den Mänteln tragen. Weil die Juden durch lange Bärte sich den Christen ähnlich zeigten, wurde ihnen 1343 auserlegt, alle vier Wochen ihren Bart etwas abnehmen Zn lassen; auch gelbe Ringe mußten die einheimischen Juden zu Nürnberg an ihren Kleidern tragen; Frauen mußten himmelblaue Bordüren an ihre Schleier nähen. III. Von der Mikweh, Badezimmer, in Nürnberg. Dasselbe war anfänglich am Zottenberg, neben dem Bethhamidrasch. Anno 1667 fand man noch an der ״Weißen Krone" in einem Gewölbe darin Merkmale des Bades. Die steinernen Bänke und Tische wurden zu anderen Zwecken verwendet. Von Rabbi Mardochai, zu den hervorragendsten Casuisten zählend, wird in der Chronik eben so viel Abenteuerliches als Ungereimtes berichtet. Da derselbe zu den hiesigen Märtyrern, gehörte, so wird seine Todesursache in der Ursache gefunden» daß er die Bäder der Nichtisraeliten gern besucht hätte, dort in sittlicher Beziehung zweideutig erschienen, weshalb er bteä mit seinem Leben büßen mußte. David Gans, Verfasser des Zemach David, bestätigt» daß Mardochai, Sohn Hillels, der das Buch )"22 geschrieben, um das Jahr 5070 (1310) der Religion wegen umgekommen ist. Von allen Anschuldigungen, die dem höchst ehrwürdigen jüdischen Gelehrten von dieser Seite zur Last gelegt werden, ist gewiß kein wahres Wort. Gerade in diesem Punkte zeigte sich der hohe, engelsreine Charakter unserer Altvordern erhaben über den leisesten Zweifel irgend eines sittlichen Makels. (Fortsetzung folgt.)