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Jüdische Volkszeitung · 1874-05-26 · 21 (26.5.1874) · p. Seite 166

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
21 (26.5.1874)
Date
1874-05-26
Page
Seite 166 (sequence 6)
Language
German
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Üundfdicm. 50. In der ״Neuzeit", deren gelehrter höchst talmudkundiger Redacteur in mehreren Artikeln der Leichenverbrennung entschieden das Wort redet, hat sich nun auch der Oberrabbiner Fasse! aus Gr. Kanischa, eine Autorität im jüd. Wissen, unumwunden dafür erklärt. Die Auslassungen des Dr. Philippson in d. Z. d. Jdth. gegen die Leichenverbrennung erfahren bei dieser Gelegenheit eine scharfe Kritik. (Hilst nichts, der Jude wird doch — nicht verbrannt! Nedaction.) 46. Die Rothschild's— die Pariser nämlich — haben > ein Hospital in der Hauptstadt gegründet, das sich im gedeihlichsten Zustande befindet und der Bevölkerung — zum Theil auch der christlichen — ausgezeichnete Dienste leistet. Mit 12 Betten beginnend, besaß es 1852 bereits 60 und seit 1873, wo eigne Abtheilungen für Kinder, stillende Mütter und für Unheilbare hinzukamen, 138. Damit verbunden ist ein Stift, das jetzt 50 armen Greisen ein behagliches Dasein verschafft, so daß täglich mehr als 180 Kranke oder Alte in der Anstalt Unterkommen finden. Die Zahl der im Spital Gestorbenen beläuft fich im Laufe des verwichenen Jahres auf 5,4°/0> das günstigste Verhältniß, das je in einer solchen Anstalt erreicht wurde; 12,052 Consultationen (a'so durchschnittlich 32 per Tag) wurden, natürlich ohne Unterschied der Consession und unentgeltlich, ertheilt. — Zur Erreichung dieser Zwecke waren freilich auch bedeutende Beiträge der Gemeinde und seitens der Private nöthig. Die Mildthätigkeit unter unfern französischen Glaubensgenossen ist wahrhaft großartig. (Nach d. ״Arch. isr.") Fe u i ll c 10 n. Nachrichten vom ehemaligen Aufenthalte der Inden in Nürnberg. Die Judengesetze der Stadt Nürnberg sind noch in zwei alten, aus Pergament geschriebenen Stadtgesetzbüchern, welche im Stadt-Archive aufbewahrt bleiben, anzutreffen. Schon 1338 erhielten die Juden, wie in mehreren Orten, auch in Nürnberg das Bürgerrecht. Die jüdische Gemeinde in Nürnberg zählte zu den geachtelten in Deutschland. Die literarische Thätigkeit der deutschen Juden aus dieser Zeit des Mittelalters, war selbst auf dem talmudischen Gebiete als eine dürftige zu bezeichnen; sie beschränkte sich auf Sammlungen, Auszüge, Zusammenstellungen von Ritualien. Hervorragend unter Vielen auf talmudischem Gebiete war Jakob Weil 1440 in Nürnberg und später in Erfurt. 'Die Einsicht, daß man durch Vertreibung der Juden sich selbst Schaden bereitet habe, führte Fürsten und Städte darauf, Juden wieder bei sich aufzunehmen und um das Recht Juden halten zu können, beim Kaiser, der sie als seine Kammerknechte bezeichnete, sich zu bewerben. Die Juden in Nürnberg mußten zuvörderst die Kronensteuer und den Opferpfennig entrichten. Dies war ein Tribut oder Bewillkommnungs schätz für den Kaiser. In einem alten Urfehdbuch der Stadt Nürnberg findet sich, daß 1441, Jacob, Jud von Citadell, diese Steuer verweigerte und deßwegen auf 2 Monate in's Gefängniß kam, bis er seine Schuldigkeit entrichtete. Der Opferpfennig belief sich bei der Nürnberger Gemeinde auf 3—4000 Gulden jährlich. Kaiser Sigismund und Friedrich ertheilte das Privilegium 1413 und 1462, daß die Nürnberger Juden keine weitere Anlagen zahlen sollten. Wenn der Römische Kaiser oder König nach Nürnberg kam, so mußten die Juden von solcher Steuer auch Betten erkaufen und für den Hof nach der Reichsburg liefern. Als 1485 Kaiser Friedrich hierher kam wollten sich die Juden dieser Observanz entziehen. Der Magistrat ließ ihnen aber wissen: Wenn die Juden die Reichsburg nicht mit Vettgewand nothdürftig versehen wollten, so würde der Rath die Betten kaufen und die Erstattung der Kosten sogleich von ihnen einfordern lassen. In einzelnen Orten Deutschlands war die Art solcher Judensteuern viel drückender und odios. So mußten die Israeliten für das Hochstift Fulda sämmtliche Häringe und baumwollenen Strümpfe für den ganzen Jahresbedarf liefern. So lange die Juden ohnweit der Sebalduskirche unterhalb der Reichsburg ihren Sitz gehabt haben, stand ihre Synagoge da, wo jetzt die Marienkirche steht. Als aber der Kaiser Karl IV. 1349 dem Rath der Stadt Nürnberg erlaubt hatte, die Judenhäuser, welche zwischen den Franz Haller und Fritz Beham'schen Häusern gelegen waren, abzubrechen und aus dem leeren Platz einen großen Markt zu machen, mußte die Synagoge niedergerissen und auf seinen Befehl die Kirche zu Ehren der Jungfrau Maria darauf gebaut werden. Bei dieser Gelegenheit fand man viele Gänge zur Synagoge und hin und wieder Gewölbe unter der Erde mit Maaren, welche die Israeliten verschüttet hatten, als sie ihre Gassen verlassen mußten. Hierauf haben sie sich auf einer ihnen angewiesenen Brandstätte, welche heute noch die Judengasse heißt, aufs neue recht bequem angebaut und auch daselbst eine neue Synagoge errichtet. Einige wollen das Kaufmann - Schöberi'sche Haus in der Judengasse, an welchem die Löwen gemalt sind, dafür angeben. Diese Löwen oder Sphynxe sowie eine Abbildung jener braun marmornen Löwen, welche zu Rom im Pantheon, Maria Rotunda genannt, zu sehen und von Aegypten dahin gekommen sind. Sie sollen den» Momftau, welcher dem Nil vorgesetzt war, dessen Austritt für Aegypten so wichtig ist, vorstellen. Die hieroglyphischen Figuren enthalten eine demüthige Bitte der Aegypter an den mächtigen Momftau, ihnen Wohl-

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