Mannheim
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Jüdische Volkszeitung · 1874-05-26 · 21 (26.5.1874) · p. Seite 165

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
21 (26.5.1874)
Date
1874-05-26
Page
Seite 165 (sequence 5)
Language
German
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165 לעולם ועד (Die Viele auf den Weg der Tugend führen, werden den Sternen gleich sein immer und ewig) setzen ließen. Einen weiteren und viel größeren Beweis wahrer Pietät und hochherziger Gesinnung gab jedoch die hiesige israelitische Gemeinde, indem sie der Wittwe, ohne etwelche gesetzliche Verpflichtung, einen Wittwengehalt aussetzte, der ihr ein sorgen-- freies Auskommen sichert. Ehre einer Gemeinde, die edel und groß denkend, das Wirken der Schule in ihren Lehrern würdigt. Mannheim war, ist und wird bleiben עיר ואם בישראל, eine hervorragende Stätte wahrhaft jüdischen Denkens und Thuns. Es ist eine Freude, in dem gesunden, von keinem Parteihader getrübten Gemeinwesen zu leben und zu wirken! Heil aber auch dem Manne, der in seinem Berufe sich ein so treues, anerkennendes Gedenken zu sichern weiß, wie der auch Ihnen, geehrter Herr Redacteur, bekannte und besreundete Weil! Flur Württemberg. Im Eduard Hallberger'schen Verlage erscheint die Prachtausgabe der Gustav Dorä'schen illustrirten Bibel in einer besonderen Ausgabe für Israeliten. Man hat die deutsche Bibel in Wort und Bild durch christologische Verzerrungen für Juden unbrauchbar gemacht. Diese Prachtbibel legt als Text die Uebersetzung der israelitischen Bibelanstalt unter; sie vermeidet in der künstlerischen Darstellung die bildlichen Anthropormophismen, die die monotheistische Ueberzeugung der Israeliten verletzen mußte. Die Namen der t Bücher, die Sidras, Haphtoras rc. sind in der Ursprache — hebräisch — gegeben. Der Text ist in zwei Spalten getheilt, zwischen welchen prachtvolle Säulen mit eigenen sinnigen Verzierungen und Arabesken, letztere öfters mit schönen hebräischen Inschriften geschmückt, herlaufen. Die Dors'schen Bilder verdolmetschen den tiefen Sinn der heiligen Erzählungen. Der Verleger muß großes Vertrauen aus den Kunstsinn und die Liebe der Israeliten zu ihrem Bibelbuche haben, daß er ein so kostspieliges Unternehmen ihnen unterbreitet, ein Vertrauen, das sie gewiß auch rechtfertigen werden. Eobkenz, im April. Geehrtester Herr College! Sie haben durch Ihr geschätztes Blatt schon so vieles Segensreiche bewirkt, so vielfache Mängel und Schäden auf dem Gebiete des Judenthums aufgedeckt und Besserung derselben herbeigeführt, daß wir Ihr Augenmerk wohl auch einmal auf ein Institut innerhalb des deutschen Judenthums lenken und Sie um Veranlassung einer Besprechung desselben bitten dürfen. Wir meinen nämlich die Rabbiner-Wittwen- und -Waisen-Casse. In Hinsicht der Ausbezahlung der Pensionen aus dieser Casse scheint es nicht so zu sein, wie es sein sollte, und wie es in den Intentionen der Gründer und Mitglieder des Vereins lag. Andernfalls dürfte die Verwaltung desselben nicht schon mehrere Jahre lang außer Stande sein, die verfallenen Raten auszubezahlen, wodurch nicht allein billigen und gerechten Forderungen seitens der Pensionsberechtigten nicht genügt werden, sondern auch armen Waisen die vielleicht sehr nöthigen Subsistenzmittel vorenthalten werden. Vielleicht kann unter dem geschätzten Leserkreis Ihres weitverbreiteten Blattes der Eine oder Andere Näheres mittheilen und würden Sie alsdann durch Aufnahme dieser Zeilen zu den vielfachen Verdiensten, die Sie sich bereits erworben haben, noch das hinzufügen, daß Sie eine gerechte Sache dem erwünschten Ziele entgegengeführt hätten. Empfangen Sie collegialischen Gruß und Handschlag von Ihrem ganz ergebenen Friedberg. Nachschrift der Redaction. Die betreffende Angelegenheit ist, wie wir genau wissen, eine äußerst schwierige. Trotz aller Bemühungen des Directoriums ist es demselben leider nicht gelungen, den Stand der Casse auf eine solche Höhe zu bringen, daß dieselbe ihren Verpflichtungen nachzukommen im Stande wäre. Ein Arrangement mit der Achawa wurde angestrebt. Aber dies ist für die Verwaltung dieser Casse bedenklich, weil wir die Interessen unseres Vereins durch Uebernahme von Verpflichtungen, welche vielleicht nicht im Verhältnisse zu den Leistungen und Mitteln stehen, nicht schädigen dürfen. Doch sind die Verhandlungen, wenn wir nicht irren, noch im Zuge und werden hoffentlich zu einem beiderseitig befriedigenden Abschlüsse führen. Um die Schwierigkeiten zu ermessen, brauchen wir nur zu bemerken, daß! schon die Generalversammlung der Achawa (October 1872) über diesen Gegenstand verhandelte und der Verwaltung die Regelung anheimstellte, die jedoch bis heute noch nicht stattfinden konnte. Aus Kuzeu (Rumänien) erhält die ״N. fr. Pr." folgenden Artikel: ״Herr Redakteur! Ihr geschätztes Blatt Nr. 3463 brachte an der Spitze einen den hiesigen Judenverfolgungen gewidmeten Leitartikel, dessen letzter Satz den sehr richtigen Ausspruch enthielt: ״Gott hilft denen, die sich selber helfen!" Jeder denkende Mensch wird beivflichten, daß dieser der beste Weg ist, um endlich einmal den von Tag zu Tag sich verschlimmernden Zuständen Halt zu gebieten. Es ist aber vor Allem dringend nothwendig, daß die unmittelbar Betroffenen, und zwar die Miniatur-Rothschilds des Miniatur-Großstaates, sich dieses unfehlbaren Mittels der Selbsthülfe bedienen möchten, was leider bis nun, wie folgendes Beispiel beweist, nicht der Fall war. Vor Kur em wurde hier eine Actiengesellschaft unter dem Namen ״Roumaine" gegründet. Diese Gesellschaft befolgt das in ihrem Sinne edle Princip, keinen Israeliten, selbst in dem kleinsten Orte, als Agenten (es handelt sich um Assecuranzen) anzustellen, und dennoch sind drei jener kleinen ״Rothschilds", welche die ersten Banquiers in Jassy vorstellen, unter den Gründern der Gesellschaft." Dieses Factum benöthigt keines weiteren Commentars. Buzeu ^Rumänien), 9. (21.) April 1874. P. N.

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