Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 21 (26.5.1874)
- Date
- 1874-05-26
- Page
- Seite 167 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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167 ׳יין fahrt und Fruchtbarkeit an Menschen und Vieh zu verleihen, damit sie ihm ferner Denkmäler der Dankbarkeit widmen könnten. Welche Beziehung dieses Emblem mit der Synagoge haben sollte, kann ich nicht entdecken. In demselben Hause und zwar im Eingänge war auch ein Gewölbe, woselbst noch der gethürmte kronenförmige Aufsatz כתר תורה von der hl. Lade אדון־ הקודש sich befand, mit den hebräischen Worten: כתר תורה (In einigen alten hiesigen Chroniken stehen von diesem Steine die Reime: Der Judenstein ist geblieben. Die Schelmen sind vertrieben. Aus diesem Haus, das ist wahr. Im 1400 und neun und 90. Jahr.) Das Haus, als die Juden sich in diesem Stadttheile ansiedelten, gehörte damals einer Familie Tucherisch. Bei der nachherigen Vertreibung der Israeliten aus der Stadt gehörte es Sebald Tücher; von dieser Familie kam es an Wolsg. Münster, der die bekannte große Stiftung gemacht hat. Noch jetzt sind in einzelnen Häusern dieses Stadttheiles Spuren vom ehemaligen Aufenthalte der Israeliten. — Schreiber dieses bewohnte ein Haus, worin noch deutlich Merkmale einer früher vorhandenen ,סוכר enthalten waren, Es ist wahrscheinlich, daß die Synagoge mit der jüd. Kanzlei (Kahalsstube) sich in einem Hause befand. In der Kanzleistube war ein Kabinet. An einem Breie stand mit rabbinischer Currentschrift, daß darin ein Israelit umgebracht worden sein soll. Ein Gewölbe hieß die Schmelz; dort soll nach einer Tradition ein vornehmer Rabbi, den ein Ochs todt gestoßen hatte, mit vielen andern begraben liegen, Was an dieser Episode, die sehr unwahrscheinlich klingt, wahr ist, bleibt dahin gestellt. Vieles, was sich im Munde des Volkes erhalten hat, wie auffallend und ungeheuerlich es auch schien, haben die Chronisten ausgenommen. Die sonderbarsten Vorstellungen fanden in den alten Zeiten die bereitwilligste Aufnahme uud die leichtgläubigsten Seelen. Vor Kurzem las ich im Hamagid ein Ereigniß, einer alten Chronik, welche sich hier befinden soll, entnommen. Diesem zufolge hätte ein Weib, Margarethe Welsinn aus Weidenburg (wo?) im Jahre 1447 den Israeliten ein ihr zugelaufenes Kind um 30 Schekal zum Verkaufe angeboten. Nicht nur, wie leicht einzusehen ist, wurde die Rabenmutter mit gebührender Entrüstung zurückgewiesen, sondern auch gerichtliche Anzeige erstattet, und das Urtheil lautete, daß Welsinn so zu bestrafen wäre, als hätte sie des Verbrechens des Menschenhandels sich wirklich schuldig gemacht. Sie wurde lebendig begraben. Hamagid giebt es mit den Worten: השופטים העלו על מרגריטא כאלו עשתה ותצא הדת לקבור־ אותה עודנה בחיים חיתה. נתרצה, נעשתה. אך יהיה מה שיהיה, מזה ראיה מול מנדינו, כי היהודים לא ניאותו לקנות את המציאה היקרה הלזו, ואדרבה לגלות את הדבר ברבים, אבל כמה פעמים סבלו עוד בימינו לרגלי העלילה הלוו? האם מעשה דמשק נשכחה כמת מלב? Sei dem, wie ihm wolle, die Israeliten zeigten zu aller Zeit, daß Menschenwürde und Mcnschenpflicht nicht vergebens in ihr Herz gepflanzt seien. Alle ihnen in der grauen Vorzeit aus Bosheit und Wahn angedichteten und erfundenen Beschuldigungen entstammten aus einer Quelle. Unser Chronist bemerkt weiter: Synagoge und Gymnasium (בית המדרש) waren bei den Juden verschieden. In jener kamen Gelehrte und Ungelehrte, Männer und Weiber zusammen, das Gebet zu verrichten. In dem Gymnasium wurden nur die, welche sich den Studien! widmeten, im Gesetz, im Talmud und anderen rabbinischen Schriften unterwiesen. Das alte Gymnasium mar am Hottenberg in dem nachmaligen Kressischen Majoratshause. Der große Saal, das Oratorium, die Tunke gaben davon deutliche Anzeigen. Als die Juden dieses Gymnasium bei Vertreibung von dieser Gasse verlassen mußten, verlegten sie solches auf den neuen Platz, vermuthlich in das D. Birkner'sche Haus. Bei Anwachs der jüdischen Studenten in Nürnberg wollten die Juden 1406 ein neues Gymnasium errichten; es ward ihnen aber vom Rath nicht gestattet. Das jüdische Gymnasium in Nürnberg war bei ausländischen Judengemeinden in großer Achtung. Man holte in zweifelhaften Fällen häufig die Gutachten der hiesigen Rabbiner ein. Es kamen sogar die Hauptrabbiner anderer Gemeinden allhier zusammen, um mit den hiesigen zu conferiren. Ein gewisser Rabbi Simelin zu Ulm hatte etwas Gesetzwidriges begangen und sich gegen seinen Vorgesetzten und die ganze Gemeinde widerspenstig gezeigt. Die jüdische hohe Schule zu Nürnberg urtheilte, daß er wegen seiner Vergehen nicht eher Vergebung zu hoffen hätte, bis er wahre Buße gethan. Simelin und die ganze jüdische Gemeinde zu Ulm kamen nach Nürnberg, und der damalige hiesige Rabbi Weil, (jedenfalls der an: Eingänge citirte R. Jacob Weil) schrieb ihm die Art und Ordnung der Buße und Versöhnung vor, unter Drohung des Bannes, wenn er dieselbe nicht befolgen würde, nämlich: Du Simelin sollst gehen auf den Migdal, (Almemor) zwischen dem Gebet Aschre und Lamnazeach und sollst also sagen: ״Höret mir doch zu, meine Rabbinen." ״Ich Simelin bin ein Veriüther gewesen, ich habe gebrochen die Verordnungen, welche die Rabbinen gemacht und wobei ich mich selbst nebst ihnen unterschrieben habe. Ich bitte auch alle um Verzeihung meiner Sünden. Diese öffentliche Abbitte mußte nicht nur zu Nürnberg, sondern auch Zu Ulm und Kostnitz geschehen. Wir begegnen hier einer jener Bannformeln, die in der grauen Vorzeit zur Tagesordnung gehörten, welche einen Maimuni und selbst Mendelssohn nicht verschonten. — Wir dürfen auch bei dieser Gelegenheit daran erinnern, daß in der Menge der Verbannten immer mehr wahre Religion anzutreffen war, als in den größeren Haufen ihrer Verbanner. '•?*ד:,::־