Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 20 (19.5.1874)
- Date
- 1874-05-19
- Page
- Seite 157 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 157 — nigen, deshalb die Enthaltung hiervon ein die Rohheit wilder Völker bändigendes Gesetz! — Für Diejenigen jedoch, welche (mit Luther) die Partikel בחלב אמר anders übersetzen, nämlich: Du sollst nicht kochen das Böcklein, dieweil es noch an der Milch seiner Mutter f ist, erhält diese Stelle neben dem Humanitären auch noch einen sanitätischen Sinn, da das Junge,-so lange es noch der Muttermilch bedarf, unausgebildet, unentwickelt und unreif ist, indem es noch keine anderen Stoffe zu sich zu nehmen oder an sich zn bringen versteht, deshalb auch ungesund und unschmackhaft zum Genuß des Menschen. Dieses würde allerdings auch zu dem dieser Stelle vorangehenden Verse im 2. B. M. C. 23, V. 19 stimmen, wo es heißt: ״Die Erstlinge Deiner reifen Früchte sollst Du dem Herrn darbringen", sowie auch das zweite Mal im 5. M. C. 14, V. 21: ״Du sollst kein Aas verzehren", das Verfaulte als Gegensatz zum Reifen. Selbst der Talmud in Chulin spielt darauf hin. Allein wir wollen uns nicht in weitere Expectorationen verlieren. Vielleicht wäre einer der Leser dieser Blätter im Stande, aus den mythologischen Berichten zeitgenössischer Völker, der Egypter oder Semiten, ein Analogion herauszusinden. Bis dahin begnüge ich mich privatim mit meiner Erklärung. Und wenn ich einst so glücklich sein werde, unserem großen Lehrer Moscheh auf den elysäischen Feldern zu begegnen und er sich herablassen wird, mir eine Audienz zu bewilligen, wird meine erste Frage sein לא תבשל. Und ich werde suchen, der ״Jüdischen Volkszeitung", die hoffentlich noch ein langes mit der Zeit fortschreitendes Dasein führen wird, durch Träume oder sonstige überirdische Communicationsmittel das wahre himmlische Resultat, von dem ich erwarte, daß es nur die Bestätigung meines irdischen Urtheils sein werde, anzuzeigen. L. E—n. מלביש ערומים ומתיר אסורים. Kundfclicm. 48. In Paris und London werden Sammlungen für Jerusalem und das heilige Land veranstaltet, wo diesmal die Roth wirklich groß sein soll. Sir Montefiore, der 90jährige Greis, begibt sich dahin, um die gerechte Vertheilung der Gaben — was sehr nöthig ist — persönlich zu überwachen. — Hilfe in der Noth ist schon recht, aber Almosen ist das schlimmste Mittel und hat der Armuth niemals aufgeholfen; wir kennen die Quellen dieser so oft wiederkehrenden Noth — die Bettelei hört ja auch ohne dieselbe nie auf — und \ diese zu verstopfen, mit anderen Worten, die jüdische Bevölkerung zu unterrichten, zu civilisiren und an die Arbeit zu gewöhnen — darauf sollten die Bestrebungen der abendländischen Juden gerichtet sein. Literarisches. Ingelheim, den 27. April 1874. Man hätte glauben sollen, daß das, was die Ultramontanenin der Gegenwart erleben, sie veranlassen würde, den Juden Ruhe zu gönnen, und ihre verrosteten Waffen zu einem Kampfe zu verspüren, der ans Leben geht, ihre ganze Existenz bedroht. Aber sie können es nicht lassen. Etwas muß doch noch abfallen vom Giftbaume der Intoleranz — auch für Juden. Leser, welche auf dem Gebiete ultramontaner Schwarzkünstler nicht Neulinge sind, haben wohl auch schon den Namen von Alban Stolz, dem bekannten literarischen Seiltänzer tiefschwarzer Färbung, wenn wir nicht irren, in Freiburg im Breisgau, gehört. ״Stolz lieb ich, — den Spanier!" Nun ja, Stolz könnte, seiner ganzen Natur nach, ein Spanier insbesondere des 16. Jahrhunderts sein, einer jener Jammergestatten, wie Torquamado und Arbues, die das Unglück Spaniens vorbereiteten. Dieser Tractätlein-Fabrikant gibt nun einen Kalender für Zeit und Ewigkeit heraus und da hat ers nicht verwinden können, die bekannten Bannflüche mit altem und neuem jStroh zum Autodafe auszurüsten und so viel von seinem Gift und Koth auf die Juden auszugießen, als eben einem solchen Ur-Urmenschen möglich ist. Den hat denn nun Lehrer Wolfs in Kuppenheim in Baden in einem Schristchen: ״Handel, Schacher und Wucher der Juden" eben so schön als׳ derb, ganz wie es für dies Otterngezüchte paßt, heimgeleuchtet, und wir empfehlen dies Schriftchen solchen, welche Waffen suchen gegen das ״gemeine Rischus" aufs Wärmste; es wird ihnen Genuß bereiten. Kostet nur 15 kr. und ist vom Herausgeber zu beziehen, so viel wir wissen. — Dr. H. Grätz, Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart.!.Band. (Leipzig, Oscar Leiner 1874.) So verschieden die Richtungen imJudenthume sind, sie müßten sich doch in einem Punkte begegnen, wenn ihnen Wahrheit und Licht über Alles theuer wäre; — in dem Einen, was das Judenthum erhält und groß macht: in der Hochachtung und Liebe zur Wissenschaft, insbesondere zur Wissenschaft des Judenthums. Uns wird man das Zeugniß nicht versagen können, daß wir stets, auch wenn uns die, sehr oft nur durch gewaltsame Verrenkung des inneren, wahren Wesens erzeugte religiöse Richtung eines Gelehrten ein tiefes Mißbehagen einflößte, doch dem ernsten, Wissenschaftlichen Streben, der von Hingebung getragenen Geistesarbeit unsere Hochachtung nie versagten. Es brauchte das nicht einmal sogenannte streng wissenschaftliche, gelehrte Arbeit zu sein; jedes wahre, redliche Streben, jedes Zeugniß der Hingebung für die Gesammthett, jede sich durch Wort und That aufrichtig aussprechendeUeberzeugungstreue solltederstrebenden