Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 19 (12.5.1874)
- Date
- 1874-05-12
- Page
- Seite 146 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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146 ז > J 'J "I I?. -- 146 — fte zu taufen da sollten wir zu Ostern Chriftenblut ge-1 Würdigung des ihm innewohnenden Geistes von brauchen. Die Erkenntniß dessen, was Religion ist, wird I Seiten der Nichtjuden, zugleich aber auch der Verzicht auf und muß auch zur gerechten Beurtheilung des Judenthums! jene veralteten, nur auf Absonderung berechneten führen. Und eine solche von freiem und edlem Sinne zeugende Beurtheilung haben wir in dem oben genannten Artikel Carl Scholl's, dem Prediger der freien Gemeinde in Nürnberg. Wir können uns nicht enthalten, aus demselben Einiges unseren Lesern mitzutheilen. Er sagt im Eingänge: ״Unter vorurtheilslosen Christen gilt es längst als eine nicht zu bestreitende Thatsache, daß das Christenthum, wie es in der Geschichte ausgetreten ist, schlechterdings das Recht nicht hat, im Unterschied von anderen Religionen sich ausnahmsweise, oder auch nur vorzugsweise die ״Religion der Liebe" zu nennen. Am allerwenigsten hat es diese Liebe dem Judenthum gegenüber bethätigt, dessen Bekenner, zumal in den Zeiten des Mittelalters, nicht wie gleichberechtigte Menschen, sondern wie die verworfensten Parias, wie das vernunstlose Vieh von den Bekennern des Christenthums behandelt worden sind. Aber es wäre eine gefährliche Täuschung, sich einreden zu wollen, daß diese Zeiten und mit ihnen der tief gewurzelte Haß, die tief gewurzelte Verachtung vollständig ge- Gebräuche von Seiten der Juden selber." Wir nehmen diesen Paet mit freudigem Herzen an. Hören wir, was uns Scholl von einigen der bezeichnendsten und schönsten Züge der Religion des Judenthums zu sagen weiß. Wir werden dann später auch Gelegenheit haben, seine Ansicht über einige seiner Ceremonialgesetze folgen zu lassen und dies durch einige Worte unsererseits zu ergänzen streben. (Fortsetzung folgt.) Hus dem Monat8-Uericüt der ,Mkkianz". Seitdem die Gesellschaft, statt Semester-, Monatsberichte veröffentlicht, bieten uns dieselben verhältnißmäßig weit seltener Material zu Mittheilungen an unsere Leser. Den Haupttheil derselben nehmen die Berichte über die Schulen der Allianz ein und, so interessant und wichtig dieser Theil der Wirksamkeit des Vereins auch ist, wir nehmen Anstand, unseren Lesern schwunden; die tägliche Erfahrung lehrt uns vielmehr, daß! mitzutheilen: wie die oder jene Gemeinde ein paar 100 Frs. trotz aller Fortschritte in Staat und Sitte, trotz der fast! zur Schule beisteuern oder auch nicht beisteuern will, wie der überall jetzt eingetretenen Emaneipation der Juden und trotz der oder jener Consul oder türkische Würdenträger die Schule — im Gegensatz zum alten Kirchenglauben täglich mehr sich; besucht und Lehrern und Schülern sein obligatorisches Lob ausbreitenden freieren, vernünftigeren und humaneren An-; gespendet hat. Auch diesmal kamt unser Resums nur mager schauungen, bis zur Stunde noch sich ein wahrhaft häßlicher j und kurz sein. Rest, ein unvertilgbar scheinender Bodensatz von jenen Ge-j 1) 478 neue Mitglieder (darunter 178 aus Berlin, 22 fühlen des Hasses und der Verachtung selbst bei solchen Christen! aus Alexandria, 52 aus Posen, 16 aus Tunis re.) werden erhalten hat, bei welchen man im Hinblick auf den sonstigen! angemeldet. Aus Mazagan in Marocco werden 325 Fr. und Bildungsgrad es geradezu für unmöglich halten sollte." Wie! aus Berlin 500 Fr. (als Beitrag zur Erziehung eines perwahr, leider! Im weiteren Verlaufe spricht der Verfasser davon, wie insbesondere die Christen einen Juden für alle leiden lassen; er hätte dazusetzen können: aber einen nicht für Alle ob edler fischen Israeliten) eingesandt. 2) Der deutsche Consul in Tanger, Herr v. Gülich, spricht seine volle Sympathie mit dm Bestrebungen der Allianz aus; nach ihm ist der Fortschritt der Civilisation in dem ge- Handlungen oder bleibender Verdienste ehren. Er spricht dann ן segneten, fruchtbaren Marocco durch den Unterricht der dordavon, daß die ״vorfündfluthlichen Ceremonialgesetze" viel! tigen Israeliten bedingt; indem er seine Mtwirkung verheißt, dazu beitragen, eine innigere Annäherung unmöglich erscheinen! ist er überzeugt, ganz im Sinne der deutschen Regierung zu zu lassen, was wir nicht bestreiten wollen, und schließt hierauf: ״Soll darum diesem socialen Mißstande gründlich abge- Holsen, soll diese häßliche Scheidewand, die seit Jahrhunderten handeln. 3) Die israelitische Gemeinde Aachen hat sieben russische Waisen adoptirt, die dort erzogen und in einem Handwerke von consessionellem Haß, Verachtung, Hochmuth und starrem j unterrichtet werden und mit deren Betragen und Fortschritten Festhalten an überlebten Gebräuchen zwischen Gliedern derj sie sich sehr zufrieden erklärt. Dasselbe meldet die Gemeinde selben Menschenfamilie aufgerichtet worden, ein für allemal ן Mosbach von ihrem Adoptivkind. niedergerissen und abgetragen werden, so bietet sich kein besseres! 4) Aus Rumänien ertönen wieder neue Klagen: das Mittel dar, als die Verbreitung richtigerer, vorur-! Gesetz, das den Israeliten jedes Geschäft mit Spirituosen theilsloserer Anschauungen über das eigentliche,! verbietet nnd das so vielen unter ihnen Nahrung und Erwerb innerste Wesen des Judenthums, eine gerechtere! entzieht, ist trotz aller dagegen gethanenSchritte nicht zurück- ׳0