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Jüdische Volkszeitung · 1874-05-05 · 18 (5.5.1874) · p. Seite 141

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
18 (5.5.1874)
Date
1874-05-05
Page
Seite 141 (sequence 5)
Language
German
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141 Wir glauben, uns der Hoffnung hingeben zu dürfen, daß unserem in wahrhaft jüdischem Geiste wurzelnden Unternehmen, unbeeinträchtigt vom Getriebe der Parteien, die allseitige Zustimmung und Unterstützung zu Theil werden wird." (Die angebliche Hungersnoth in Palästina wird natürlich ' auch diesem Unternehmen Halt gebieten. Revaction,) Ingekkwim, 27. April. Zu einer Sammlung für die Wittwe und 8 Waisen des Lehrers Levisohn in Langenselbold, Kreis Hanau in der Provinz Hessen-Nassau, hatte sich ein Comits gebildet, welches, insbesondere aus Frankfurt und der Provinz Hanau selbst, dann aber auch aus verschiedenen anderen Orten die Summe von 5455 fl. 592/ג kr. erhielt. Die jüdische Wohlthütigkeit hat sich da wieder in einer so herrlichen Weise documentirt, daß wir mit gerechtem Stolze die große Folioseite des Frankfurter Journals studirten, welches die Sammlung verzeichnete. Ehre und Dank den Gebern und ״Glück zu" den armen nun versorgten Hinterbliebenen eines Lehrers! — Unsere geehrten Leser werden es jedoch gerechtfertigt finden, wenn wir daran eine Mahnung, eine Warnung für eine große Gefahr knüpfen. Unsere Glaubensgenossen sind jederzeit gerne bereit, für die vor Augen gerückte Noth einzutreten mit einem Herzen voll Mitleid, oder sagen wir besser, voll Rachmones! Sie geben dann und geben mit vollen Händen. Aber der Noth Vorbeugen, — dafür lassen sie sich schon viel schwerer erwärmen. Sie sagen da: ״Kommt Zeit, tkommt Rath!" Aber die Verhältnisse liegen nicht immer so, wie sie hier lagen und während diesen Armen, weil ihr Bedürsniß so augenfällig und groß war, in großartiger Weise geholfen wurde, könnte vielleicht morgen eine jüdische Lehrerwittwe mit einem oder zwei Kindern mit der gleichen, wenn . auch nicht so großen Berechtigung, verkümmern! — Jüdische Wohlthütigkeit soll aber nicht minder mit ״Zedakah" gekennzeichnet werden und das heißt: Gerechtigkeit gegen Alle! Eine Frau mit einem Kinde versteht sich vielleicht aus den verschiedensten Gründen nicht zu einer öffentlichen Sammlung, findet kein Comits nahe bei einem Frankfurt, dessen jüdische Gemeinde mit der Wohlthütigkeit einen ewigen Pact geschlossen, wie kaum eine andere Stadt und Religionsgemeinde der Welt; das Hunderte von Männern und Frauen hat, die sich aus Geben und Sammeln ein Lieblingsgeschäft machen, für welche Geben und Sammeln gleichsam ein Lebensbedürfniß ist! — Und vielleicht kommt eine andere Frau in eine unglücklichere Zeit oder wie die Zwischenfälle sein mögen — und sie bleibt zum Darben für immer verurtheilt. Wir möchten darum ins- .׳ ' besondere unsere geschätzten Collegen warnen, sich nicht auf Wunder (״Nisfim wenifloos") zu verlassen; wir möchten sie veranlaffen, zeitig einem Vereine beizutreten und dadurch sich und der Gesammtheit das immerhin Demüthigende einer öffentlichen Sammlung für die Hinterbliebenen eines Lehrers zu ersparen. Wir möchten die Gemeinden, die Geber und Alle, denen es um die Wohlthütigkeit Ernst ist, dringendst bitten, ihre Theilnahme besser als bisher geschehen den Vereinen — Achawa — zuzuwenden, welche für die Wittwen und Waisen der Lehrer gegründet worden, wodurch ähnlichen Vorkommnissen vorgebeugt wird, was unter allen Verhältnissen würdig ist. Bei dieser Gelegenheit machen wir den Lesem der Nachricht über die 107jährige Lea von Cleeberg die Mittheilung, daß Herrn Ferd. Mayer von hier, der die Summe von fl. 50., welche hier für dieselbe gesammelt wurden, einsendete, ein Schreiben zugekommen, daß innerhalb 8 Tage 467 fl. 30. kr. für die alte Lea eingelaufen sind. Herr Pfarrer W. rühmt dabei das jüdische ״Zusammenhalten" — er hätte doch besser gesagt ״die jüdische Wohlthätigkeit". Stuttgart. Die Randglossen zu dem Nekrolog von Kirchenrath Joseph v. Maier in den Spalten dieser Blätter, als Ergänzung des im ״Schwäbischen Merkur" erschienenen, haben hier freudige Sensation erregt; besonders, daß dessen Beziehungen Zu hiesigen Notabilitäten, denen er Vieles zu verdanken hatte, hervorgehoben worden. Als Nachtrag dürfte noch beachtenswerth sein, daß die meisten Werke Maier's im Hallberger'schen Verlage erschienen find und daß der Gründer dieser nun weltberühmten Firma für die Verbreitung der Maier'schen Schulbücher seinen nicht zu unterschätzenden Einfluß aufbot. <11118 der Mokdau-Makkachei bringt die ״N. Fr. Presse" folgende beherzigenswerthe Ermahnung: Es gibt noch ein anderes, unserer Ansicht nach wirksameres, probateres Mittel, die moldau-wallachischen Gesetzgeber sammt ihrer Regierung nachhaltig zu überzeugen, daß ihre directen wie indirecten Judenverfolgungen schlechte Politik find. Dieses Mittel liegt in der Hand der großen israelitischen Banquiers auf den verschiedenen Börsenplätzen und Capitalsmärkten Europas. Rumänien ist in der Lage, Anlehen contrahiren, d. h. Geld borgen zu müssen. Ehestens wird und muß es damit hervortreten; die Finanzlage drängt dazu. Von dem Berliner israelitischen Comitö zur Hilfe der bedrückten rumänischen Juden ist schon vor einiger Zeit der Gedanke angeregt worden, an das Gefühl der Solidarität der Börsenfürsten und -Barone mosaischen Glaubens zu appelliren, damit diese Mitbeherrscher der europäischen Geldmärkte jedes rumänische Anleihegesuch zurückweisen, jeden derartigen Versuch der Bukarester Regierung bekämpfen, so lange die in den Fürstenthümern wohnenden Juden bedrückt, schmachvollen Ausnahmsgesetzen hingegeben sind. Jetzt wird es sich zeigen, ob Lessing Unrecht hatte, als

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