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Jüdische Volkszeitung · 1874-05-05 · 18 (5.5.1874) · p. Seite 140

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
18 (5.5.1874)
Date
1874-05-05
Page
Seite 140 (sequence 4)
Language
German
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— 40 נ Solches vermeidend, unserer Gotteslehre Huldigung darbringen, die nur dem Geiste Verehrung gezollt wissen will: so haben wir uns doch für immer aus jener altgesetzlichen Anschauung herausgelebt, und daß ein todter Menschenleib ein Scheusal sei gleich dem widerwärtigen Gewürm des Feldes und die Berührung desselben uns selbst auf sieben Tage derart verunreinige, daß Wer uns berühre, wieder unrein werde — dafür haben wir kein Verständniß und werden es, trotz dem verheißenen Unterrichte des Propheten Elias, von dem gesagt wird, er werde alle gesetzlichen Schwierigkeiten ausgleichen, nimmermehr bekommen. Nichtsdestoweniger erachten wir es für jeden Israeliten in allen Theilen der Erde als eine heilige Verpflichtung, deren Feststellung einer der vorzüglichsten Zwecke dieser Schrift ist, alle diejenigen mosaischen Vorschriften nach Kräften zu beobachten, welche für uns Sinn und Bedeutung haben, auch wenn sie zu jener Elaste von Gesetzen gehören, die nicht unmittelbar aus der menschlichen Natur hervorgehen. So war der Sabbath — und zwar ist Das gerade das Herrliche an dieser unvergleichlichen mosaischen Einrichtung — ursprünglich keineswegs aus der Natur des Menschen hervorgegangen; denn von unserem Dasein den siebenten Theil, also dasselbe zu siebenzig, den Zeitraum unseres rüstigen Schaffens zu fünfzig Jahren angenommen, sieben volle Jahre des Lebens ablassen von der Arbeit, von gewinnbringender Thätigkeit — fürwahr! das ist eine Zumuthung an den menschlichen Eigennutz, wie sie nie und nirgends ein sonstiger Gesetzgeber zu stellen gewagt hat. Aber einmal ausgesprochen, einmal zur Erkenntniß gebracht mit allen ihren göttlichen Zwecken und heilsamen Wirkungen, wie hat die Einsetzung eines wöchentlichen Ruhetages, in ihrer, den Leib erquickenden, den Geist befteienden, das Herz erfteuenden, die Seele beseligenden Wohlthat der menschlichen Natur sich so nahe erwiesen, und wie willig haben sich ihr alle Völker unterworfen, zu denen ein Strahl vom mosaischen Gesetze gedrungen ist! Gewiß, das ist ein Opfer, weit größer als das von Widdern und Mastochsen, aber auch weit erhabener, und darum wird dasselbe, als Vernunft- und naturgemäß, anerkannt bleiben für immer. So auch ist die erhabene Einrichtung, Einen Tag im Jahre dem sinnlichen Genüsse vollständig zu entsagen, auf Speis und Trank Verzicht zu leisten, eine Anforderung an die leibliche Natur, die Auferlegung eines Opfers, wozu kein inneres Gesetz verpflichtet. Denn der Leib verlangt seinen Bedarf gleichmäßig Tag für Tag. Allein der Gedanke, Einen Tag nur dem Geiste anzugehören, ihn zu feiern als den Mittelpunkt des religiösen Lebens, als den Mittelpunkt der Lehre, daß der Geist beherrsche die Natur, als einen Tag der Sühne für die Ausschreitungen der sinnlichen Begier, als einen! Tag der Verbrüderung unter den Menschen und der Rückkehr j zum Herzen unseres himmlischen Vaters: dieser Gedanke ist so! schön, so groß, so voll des Heiles und Segens, daß wir uns! dem bezüglichen Gebote mit Freude unterwerfen, daß dem-! selben unsere geistige Natur sich innig verwandt fühlt, und!der strenge Fasttag uns wird zum höchsten Festtag. Dasselbe gilt von den übrigen Festtagen, welche Enthaltung, wie von manchen anderen Gesetzen, welche Entbehrung auferlegen. Es kann und darf daher auch der Jsraelite, welcher! mit der Religion seiner Väter, mit ihrem innersten Wesen, der Gesetzlichkeit, sowie mit ihrer dreitausendjährigen Geschichte in Verbindung bleiben will und soll, nicht jene gesetz-! lichen Bestimmungen alle von sich werfen, welche das religiöse! Leben schirmen — sobald sie zu Vernunft und Empfindung Beziehung haben, Bestandtheile desselben ausmachen. Nur!wo aller Sinn erloschen, wo jedes Gefühl kalt bleibt, da hört j die religiöse Natur der bezüglichen Gesetze vollständig auf.!Die rothe Kuh, obwohl sie im mosaischen Gesetze einen so! wichtigen Mittelpunkt des Reinigungsgesetzes bildet, ist und!bleibt für uns ewig tobt; Sabbath und Versöhnungstag, als Mittelpunkte unseres geistig religiösen Lebens, werden dauern und wirken für und für.! Corresponäenz. '! Kerkin. Das Comits zur Errichtung jüdischer Waisenhäuser in Palästina veröffentlicht seinen Bericht, I der eine Einnahme von 3329 Thlr. als ״eingezahlten" Be-! trag und 1828 Thlr. 28 Sgr. 6 Pf. als ״gezeichneten" Bei-! trag ausweist, mit folgender Ansprache:! ״Indem wir das erste Verzeichniß der bis jetzt zu oben! benanntem Zwecke eingegangenen und gezeichneten Beiträge j veröffentlichen, richten wir an alle Diejenigen, welche Herz und! Sinn für die Hebung unserer minder begiinstigten Brüder im! heiligen Lande haben, die Bitte, unser Unternehmen durch! fernere Beiträge zu unterstützen. Alle aus Palästina eingehengen Berichte über die dortigen Zustände, sowie persönliche Mittheilungen achtbarer und glaubwürdiger Bewohner des Landes stellen es außer Zweifel, daß eine Besserung nur ein-!treten kann, wenn neben wahrer Frömmigkeit und Kenntniß j unserer heiligen Schriften, allgemeine Bildung und Cultur! gefördert werden. Das Unterzeichnete Comitv hat den Beschluß! gefaßt, bis dahin, wo es im Stande sein wird, selbstständig! eine Waisenerziehungsanstalt zu errichten, die Zinsen der einj gegangenen und noch eingehenden Beiträge zur Erziehung und j Ausbildung Palästinensischer Waisen zu verwenden, und werden j wir uns zu diesem Zwecke mit geeigneten Persönlichkeiten im! heiligen Lande in Verbindung setzen.

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