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Jüdische Volkszeitung · 1874-04-21 · 16 (21.4.1874) · p. Seite 126

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
16 (21.4.1874)
Date
1874-04-21
Page
Seite 126 (sequence 6)
Language
German
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126 Geiste gegenseitiger Liebe, Achtung und Werthschätzung, und vielfach gesegnet. Es war ihm vergönnt, von seinen 4 Kindern 2 in glücklichen Familienverhältnisten und die beiden übrigen in ehrbaren Lebensstellungen zu misten und hoffnungsvolle Enkel zu schauen. Aber noch mehr als in seinen Nachkommen lebt er fort in seinen Schöpfungen und Werken. Sein Gedächtniß bleibet zum Segen. Kunä^cüau. 30. Von der hessischen Bergstraße, 8. April, schreibt man dem ״Franks. Journal": Am 14. d. Mwird unsere Gegend eine Feier begehen, wie sie im Ganzen nicht allzu häufig begangen wird. Es handelt sich dabei um das 50jährige Doctor-Jubiläum unseres Kreisarztes Medicinalrath vr. Weil in Zwingenberg, welcher nunmehr schon seit einer Reihe von Jahrzehnten zunächst als praktischer Arzt, dann als Kreisphysicus in unserem Kreise thätig war, bezw. ist, und dem seine zahlreichen Freunde gelegentlich jenes Tages eine wohlverdiente Anerkennung zu zollen gedenken. Von anderen Aufmerksamkeiten abgesehen, wird namentlich auch ein in Zwingenberg abzuhaltendes solennes Festesten vorbereitet, zu welchem die gedruckten Einladungen bereits ergangen sind. (Dr. Weil ist Jude; und, so viel wir wissen, auch bis jetzt noch der einzige hessische Jude im Staatsdienste. Red.) 31. In London wurde bei einer festlichen Gelegenheit vom Kirchen-Lehrverein eine Hymne unter dem Namen ״Leoni" als eine uralte jüdische Melodie aufgeführt; indeß war es nichts anderes als der gewöhnliche Jigdal, der allsabbathlich in der great Synagogue von London gesungen wurde. Die Melodie trug ohne Zweifel den Namen ״Leoni", weil der Verleumdung, er war im Gegentheil durchaus conservativ angelegt. Die von ihm eingeführten Reformen im Cultus, wie im ceremonialen Leben waren durch Eruirungen aus den rabbinischen Gesetzesguellen begründet, aus Schas und Poskim belegt. Ein Aristokrat des Geistes, mangelte ihm der Tropfen demokratisches Oel: das brachte ihn auch in der Frankfurter Rabbinerversammlung in strengen Gegensatz zu Z. Frankel, der jede Reform nur aus dem Volksbewußtsein herausconftruiren wollte: während er die wechselnde Volksstimmung und Volksstimme nicht für vox Dei hielt. Ja, er wurde, als er zäh an der von der Oberkirchenbehörde geschaffenen Synagogenordnung festhielt, als Reactionär von den Fortschrittlern betrachtet. Als in feiner Gemeinde mehrere Israeliten die Beschneidüng an ihren Söhnen nicht vollziehen ließen, wandte er moralischen Zwang an, um die Renitenten zur Rücknahme ihrer Weigerung zu bringen. Die Verordnung der kgl. israelitischen Oberkirchenbehörde vom Juni 1870 über den Unterricht in der Religion und im Hebrätschen rief unter den Lehrern Widerspruch hervor, weil besonders im Hebräischen zu viel verlangt wurde. — Wenn diese Randglossen dem künftigen Biographen M.'s Fingerzeige an die Hand geben, so ist unser Zweck erfüllt und der Nekrologist des ״Schwäbischen Merkur" wird sie als Ergänzung seiner Arbeit betrachten. berühmte Cantor Leoni an der genannten Synagoge später bei der Italienischen Oper mitwirkte; derselbe Leoni, der bekanntlich am Freitagabend niemals an der Oper sang. 32. Im ganzen Orient ist es bekanntlich nicht die muhammedanische, sondern die griechisch-christliche Bevölkerung, welche sich durch Intoleranz und Verfolgungssucht gegen die Juden hervorthut. Aus Salonichi meldet man soeben ein trauriges Ereigniß, bei welchem diese Bevölkerung auf einmal menschlichen Gefühlen für unsere Glaubensgenossen zugänglich erscheint. Ein schrecklicher Brand brach im Hause des Jakob Franses aus, bei welchem die ganze Familie, ein siebenjähriges Kind ausgenommen, verbrannte. Die griechischen Arbeiter- Vereine der Stadt richteten an die israelitischen Mitbürger ein Beileidsschreiben und ein Trauergottesdienst in der Talmudschule, an dessen Schluß nach dem Rabbiner auch der griechische Geistliche sprach, war von christlichen Theilnehmenden sehr zahlreich besucht. Feuikketon. Baron Frank, der Kabbalist in Offenbach. Historisch-romantische Erzählung von I. (Fortsetzung.) Er stand eine Weile still sinnend und schaute nieder auf die schäumende Fluth. Ein großer Fisch kam bis auf die Oberfläche. Die kleineren wichen scheu zurück, alle, alle bis auf einen einzigen, von mäßiger Größe, der sich, wie es schien, nicht schnell genug entfernen konnte. Oder trieb es ihn in die Nähe des größeren Raubfisches mit magnetischer Gewalt? Ja, es gibt derartige unsichtbare, unbegreifliche Gewalten in der Natur, die das Geschöpf in seinen Untergang treiben. Und auch hier schien es so. Denn jetzt drehte sich das größere Thier um und erfaßte das kleinere; es wurde ihm zum Raube. Er verzehrte es vor den Augen Jankiew's. ״Auch hier?" murmelte Jankiew vor sich hin. ״Auch hier ״״lebt der Bruder vom Bruder?"" Das Selbstgespräch des sich einsam Dünkenden war nicht unbemerkt geblieben. Ganz nahe an dem Maste, an dem er lehnte, in einer Nische des Schiffes, welche gebildet war durch Zusammenstellung von Geräthschaften aller Art, von Kasten und Schachteln, dem Gepäcke der Reisenden, standen schweigend und trüb zwei Fraueng eftalten und schauten hinaus in das scheinbar unendliche Meer. Ihr Blick schien sehnsuchtsvoll das mehr und mehr sich entfernende Gestade suchen zu wollen. Vom Kopf bis zu den Füßen in lange, weite Pelzmäntel gehüllt, konnte man Beide fast zu dem Gepäcke rechnen, so ängstlich verhüllt war Alles an ihren Körpern. Die Eine von ihnen war eine überhohe Gestalt, von majestätischem Wüchse und stolzer Haltung, offenbar die Herrin, während die Andere

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