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Jüdische Volkszeitung · 1874-04-14 · 15 (14.4.1874) · p. Seite 118

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
15 (14.4.1874)
Date
1874-04-14
Page
Seite 118 (sequence 6)
Language
German
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118 Choral aus, den ein Schüler Sulzer's aus Philadelphia componirt hatte, und Prediger Jellinek hielt hierauf eine Anspräche an die Gemeinde und an Sulzer. Ueberdies wurde noch eine große Zahl von Ehrengaben, silberne Lorbeerkränze, Pokale u. dgl. von Privaten Herrn Sulzer gewidmet. 27. In Rom gibt es fünf Synagogen, von denen zwei dem spanischen, drei dem italienischen Ritus angehören. Sie haben folgende Namen: Scuola del Tempio, dessen Angehörige ihren Ursprung bis zu den Juden vor Titus hinaufführen, Catalona, Castiliano, Siciliano, Scuolo nova. Sämmtliche Synagogen befinden sich in Einem Hause, auf die unteren und oberen Räume vertheilt, dagegen mit besonderen Eingängen nach verschiedenen Seiten auslaufend. Die ״heilige" Inquisition hat nämlich nicht mehr als Eine Synagoge gestatten wollen. Man wußte nur mit schwerem Gelde die Erlaubniß zu erkaufen, daß man alle bereits seit alten Zeiten bestehenden Congregationen in Einem Hause vereinigen durfte. Der Talmud stand auf den: Index der Inquisition, kein Band desselben durfte in einem Hause oder in einer Synagoge gehalten werden. Wehe denen, in deren Hause die Häscher ein solches Buch entdeckten; nur das Compendium des Alfaßi war gestattet. Den 20. September 1870, sogar die Stunde — 1014 Uhr Vormittags — hat jeder römische Jude, als die Freiheitsstunde, die ihm geschlagen, in sein Gebetbuch verzeichnet. Das System des Aussaugens und Ausplünderns, das man gegen die römischen Juden angewandt, hat sie alles Selbstgefühls beraubt. Die Gemeinde in Rom, die 4500 Seelen zählt, ist in einem trostlosen Zustande, und die Alliance isr. universelle fände hier die schönste Gelegenheit, ״denjenigen, welche in ihrer Eigenschaft als Juden leiden", eine wirksame Hilfe angedeihen zu lassen. 28. Frankfurt a. M. Der israelitische Almosenkästen erhielt verflossenes Jahr an Gaben zur sofortigen Vertheilung 10,313 fl., an Geschenken 1483 fl., an Mitgliederbeitrügen 2992 fl., und gewährte für 23,034 fl. Unterstützungen. Der Jahresbericht constatirt, daß die Folgen der im abgelausenen Jahre hereingebrochenen geschäftlichen Krisis diese Wohlthätigkeitsanstalt schwer getroffen habe. Die Gaben zur Vertheilung bestimmt, haben gegen das Vorjahr eine bedeutende Einbuße (um 5841 fl.) erlitten, während sich von der anderen Seite die Ansprüche wesentlich gesteigert haben. 29. In Leipzig hat sich unter den Auspizien des Gemeinde-Vorstands Kohner ein Verein gebildet, der durch Unterstützung und Vorschußleistung die jüdischen Haufirer veranlassen soll, in Zukunft während der Messe die Straßen durch ihr widerliches und ״Rischus" erregendes: ״Was zu handeln?" nicht länger unsicher zu machen. Äktjüäisckie Mekoäieen, gerettet durch Unterlegung religiöser Gesänge in deutscher Sprache, und zum Gebrauche für die öffentliche und insbesondere häusliche Andacht eingerichtet, von vr. Leopold Stein. (Preis 1 Mark -- 10 Sgr. 35 Xr. 14 Cent.) Längst ist mir von verschiedenen Seiten der lebhafte Wunsch geäußert worden, sowohl die von mir bereits in verschiedenen Zeitschriften veröffentlichten, als auch die noch ungedruckten deutschen Lieder, welche ich nach altjüdischen Melodieen gedichtet, in einem besonderen Hefte, in Begleitung der entsprechenden Noten, herauszugeben. Ich bin jetzt dazu bereit und hoffe damit ein gutes Werk Zu stiften. Namentlich wird sich in dieser Sammlung eine größere Anzahl von Liedern (Semiroth) zur Pflege der häuslichen Andacht, an Freitagab enden und bei sonstigen festlichen Gelegenheiten, befinden, bei deren Schaffung es mir zu wahrem Genüsse, zu pietätsvoller Freudigkeit gereichte, die innig gemüthlichen Melodieen aus der altjüdischen Welt, wie sie aus meinem väterlichen Hause, glückseligen Andenkens, in mir leben und weben, Zu retten und aus der alten Zeit in die neue erweckend zu vererben. Sie haben in meinem Familienkreise, wie in den Häusern lieber Freunde, schon gar manchen heiteren Freitagabend bereiten helfen. Ebenso sind manche Lieder von mir schon in die Synagoge andachterweckend eingezogen, wie ich hier aus die Cantate: ״O Tag des Herrn", nach der unvergleichlich schönen und tiesergreifenden Melodie des alten ״Col Nidre", besonders Hinweisen darf. — Es ist in der That wunderbar und ein erhebender Beweis von dem religiössreudigen Gemüthsleben der altjüdischen Welt, daß diese, ohne alle musikalischen Kenntnisse und Hülfsmittel, ihren öffentlichen und häuslichen Gottesdienst gesanglich so schön und in allseitiger Mannichfaltigkeit, in Melodie und Recitativ, vollständig ausgebaut hat. Hier sind reiche Schätze überliefert, die nicht untergehen dürfen, und ist es gewiß ein hohes, nicht genug zu preisendes Verdienst, daß Männer wie Sulzer, Naumbourg u. A. die kristallene Brücke wohlgefügter Compositionen errichtet haben, um jene Schätze für die Neuzeit dauernd zu sichern. Auch die Dichtung soll zu diesem frommen Werke beizutragen bestrebt sein, indem sie entsprechende, fügsame Melodieen durch deutsche Texte verjünge und so den Charakter unseres religiösen Gesanges in seiner anheimelnden Eigenthümlichkeit für Synagoge und Haus bewahren helfe. Lieder und Melodieen, wie wir sie zu bieten gedenken^ werden sich auch sehr zur Einführung in Religionsschulen

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