Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 15 (14.4.1874)
- Date
- 1874-04-14
- Page
- Seite 117 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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117 C. Zahl der unterstützten Personen. 1) Studirende 62 2) Handwerker 128 3) Waisen 151 4) Auswanderer 642 5) Extra 26 6) Reise 89 Summa 1098 Der Restbestand unserer Casse am 31. December 1873 ist — bis auf eine kleine Reserve, insbesondere für Fortsetzung der Waisenbeförderung rc. rc. — an das Centralcomit« zur Verwendung für die allgemeinen Aufgaben der Allianz abgeliefert worden. Sollen diese Aufgaben weiterhin in einer genügenden Weise erfüllt werden können, soll insbesondere die Fortsetzung des russischen Hülfswerkes in der oben angedeuteten Weise möglich werden, dann ist es dringend nothwendig, daß die Zahl der Mitglieder und mit ihnen die Summe der Beiträge wachse, ja sich vervielfache. Wir hoffen und wünschen, daß die gleichzeitige Versendung des Berichts des Centralcomites und des Berliner Mitgliederverzeichnisses den Erfolg habe, der Allianz zahlreich neue Mitglieder aus Berlin zuzuführen. Wir richten insbesondere an unsere alten Mitglieder die dringende Bitte, uns hierin kräftigst unterstützen zu wollen. Jlumlfcfiau. 25. Die ״Rundschau", eine ״religiöse Wochenschrift für den geistigen Fortschritt", enthält in No. 12 folgende Mittheilung: ״Ein fatales Glaubensgesetz". In einer strenggläubigen jüdischen Familie in Berlin führte die Orthodoxie neulich zu einem unangenehmen Zwischenfall. Zu dem zahlreichen Dienstpersonal des Hauses gehört auch ein nichtjüdischer Diener, welchem am Freitagabend und am Sonnabend die Besorgung des ganzen Haushalts obliegt, da ein strenggläubiger Jude einen Glaubensgenossen, auch wenn dieser keine Scrupel dagegen empfinden würde, am Sabbath nicht beschäf- Ligen darf. Die Strenge der Sabbathfeier geht sogar noch weiter, indem es zwar erlaubt ist, sich die Thätigkeit eines Andersgläubigen am Sabbath gefallen zu lassen, die Aufforderung aber als strafwürdig gilt. Am Freitag Abend sah nun der Hausherr eine Gesellschaft frommer Glaubensgenossen bei sich, als lange, bevor die Gäste an das Ausbrechen dachten, die Lampe den Dienst versagte. Der Hausherr, welcher dem aufwartenden Diener aus dem erwähnten Grunde keinen direkten Befehl ertheilen durfte, glaubte dem Verbote seines Glaubensgesetzes glücklich aus dem Wege zu gehen, indem er verbindlich fragte: ״Na, Friedrich, was thut man wohl, wenn die Lampe ausgeht?" ״Ich denke, die Gäste gehen dann nach Hause", meinte Friedrich eben so freundlich als bestimmt. Die Gäste mußten in der That bou gre mal gre nach Hause gehen, da der Hausherr in Rücksicht auf einige besonders fanatische Freunde seinen Befehl an den Diener nicht deutlicher zu ertheilen wagte.— 26. Wien, 26. März. (Sulzer's siebzigster Geburtstag) wurde heute festlich begangen. Der gesammte Vorstand, die Deputationen anderer Gemeinden und aller hiesigen israelischen Vereine, des Wiener Männergesang- Vereins, die Familien-Angehörigen Sulzer's versammelten sich nach beendigtem Gottesdienste im Saale der israelitischen Cultusgemeinde, der mit der lorbeerbekränzten Büste Sulzer's geschmückt war. Der Jubilar wurde von den Vorständen in den Saal geleitet und hier von den Deputationen begrüßt. Der Präsident der israelitischen Cultusgemeinde in Wien war der Erste, der ihn beglückwünschte. Er überreichte ihm zugleich eine Ehrengabe, bestehend aus einem prachtvollen silbernen Aufsatz. Sulzer erwiderte tiefgerührt und betonte besonders, daß seine bescheidenen Verdienste vornehmlich dadurch gefördert wurden, daß zu allen Zeiten die edelsten, besten und gebildetesten Männer an die Spitze der Gemeinde gestellt wurden, die mit aufrichtigem Streben das Wohl der Gemeinde beförderten. Dr. Ludwig August Frankl verlas hierauf die Adresse des Vorstandes, die mit großem Beifalle ausgenommen wurde. Der Bethaus-Vorstand Baumgarten überbrachte die Glückwünsche des Vorstandes und einen Pokal. Vorstandsmitglied Simon begrüßte den greisen Obereantor Namens des Vereines ״Chewra Kedischa", Vorstandsmitglied Pollak überreichte die Adresse des Handlungs-Krankenvereins, Ritter v. Gomperz die Adresse der Gemeinde Brünn. Die Vorsteher der Mariahilfer Synagoge überreichten durch ihren Obmann, Hrn. Schäk, ihre Glückwünsche und einen silbernen Pokal, Di׳. Olschbauer bekannte sich mit Freuden als Schüler Sulzer's und brachte nebst seiner eigenen Gratulation auch die des Wiener Männergesangvereins Unter stürmischem Beifall aller Anwesenden begrüßte Frau Paula Frankl im Namen des Mädchen-Unterstützungsvereins den Jubilar und eine. der Damen übergab ihm ein schönes Bouquet. Es folgten danach die Begrüßungsreden der polnischen Gemeinde, des Taubstummen- und Blinden- Instituts, des Tegetthoff- und Kronprinz Rudolph-Veteranen- Vereins. Sulzer beantwortete alle Reden in herzlichen Worten und war von der ihm durch die Stadt Wien zu Theil gewordenen Auszeichnung - tief ergriffen. Der Bürgermeister Dr. Felder, begleitet von den Gemeinderäthen Pollak und Frankl, überreichte ihm nämlich das prachtvoll ausgestattete Bürgerdiplom. Außer den Ovationen im Rathssaale war auch im Tempel dem Jubilar eine Ovation bereitet worden. Unter Leitung des Regenschori Frankel führten die Sänger einen