Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 15 (14.4.1874)
- Date
- 1874-04-14
- Page
- Seite 119 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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eignen, sowohl zur Gesangsals Gedächtnißübung, damit sich dieselben, frühzeitig lieb geworden, den Kindern tief einprägen, um dann beim häuslich gemüthlichen Zusammensein gesungen und dadurch aufs Neue das traditionelle Eigenthum der Familie zu werden. — > Da der Notendruck kostspielig ist, so ersuche ich die Herren Rabbinen, Lehrer und sonstigen religiös und gemeinnützig denkenden Männer ergebenst, sich für diese Angelegenheit zu interessiren und mir ihre gefällige eigene Subscription, sowie die etwa gesammelten verehrlichen Namen sonstiger Subseribenten baldigst senden zu wollen, weil sonst, auch wenn der Autor für sich keinerlei Vortheil zu gewinnen sucht, nicht leicht ein Verleger zur Herausgabe ähnlicher Schriften zu bestimmen ist. Auf Verlangen werde ich Sammlern von Subseribenten nach Gebühr gerne erkenntlich sein. — Als Probe gebe ich in diesem Blatte ein Freitagabendlied, betitelt ״Sabbathlust", welches ich erst jüngst, unter Anlehnung an das schöne alte Lied: ״Jom schabbath kodesch hu", gedichtet. Allerliebst dazu ist die Melodie, welche ich, aus meinem Vaterhause, nun über 40 Jahre in mir bewahrt habe, und die, in ihrer ureigenthümlichen und heiteren Tonweise, gewiß alle Freunde des religiösen Gesanges wahrhaft erfreuen wird. Indem ich die geschätzten Redactionen jüdischer Zeitschriften um geneigte Aufnahme vorstehender Zeilen ergebenst bitte, halte ich mein vorhabendes Werk Allen bestens empfohlen, denen die Förderung religiösen Sinnes und Lebens noch warm am Herzen liegt. Frankfurt a. Dt., im April 1874. Dr. Leopold Stein. 8 a b & « i fi f u ft. (Tischlied für Freitagabend. Nach einer altjüdischen Melodie.) Sabbath, heilig mir und werth, Selig, wer beim Wein dich ehrt, Und zu Herzen es nicht nimmt zu sehr, Wird am Freitag aud) der Beutel leer. Frommer Zecher, klage nicht, Mußt du borgen, zage nickst; Gott im Himmel dort, Er, der reichste Hort, Wird bezahlen deine Schulden alle. Fleisch und Fisch und edler Wein Laden zu Genuß dich ein; Wenn die Drei so würdig vor dir stehn, Welchen Lohns darfst du dich noch versehn? Joseph, Sabbath-Ehrers*), Hand Spaltete den Fisch und fand Einen Edelstein, Groß und werth und fein, Mitten in des Fisches Eingeweide. Doppelt gibt's der Herr der Welt Jedem, der den Sabbath hält, Wie der sechste Tag gab doppelt Brod, Während Sabbath gar kein Manna bot**) — Sabbath, aller Tage Preis, Du bist selbst die Gottesspeis, Die vom Himmel kommt Und dem Geiste frommt, Daß er sich erschließt zur Doppeltseele.***) Preist den Herrn in Harmonie'n, Der den Sabbath uns verliehn, Und zu Moses sprach, nimm mit hinab Meines Himmels allerbeste Gab! st) Sabbath, Sabbath, o Kleinod, Das mir Gott vom Himmel bot, Du gezienrest mir, Und es huld'gen dir Tausend mal viel tausend frohe Seelen. Und drückt Gram ein armes Herz, Sabbath glättet jeden Schmerz, Wie am heilsten Tag ja feiernd ruht Sambatjons erregte wilde Fluth.stst) Menschensohn, du wilder Sohn, Bist ja selbst der Sambatjon — Sabbath, bringe du Den Gemüthern Ruh, Und es feiern alle Sambatjone. Ja, ob Wetter wild erdröhnt — So mein Sabbathlied ertönt, Mild wie Thau es in die Herzen zieht, Und kein Sturm erreget mein Gebiet! — Schönes Loos, das mir zufiel Sabbathlust und Liederspiel! — Schweigt, ihr Andern, schweigt, Daß mir Niemand reicht An die gottverliehne Sängerkrone! ststst) *) Sage aus dem Talmud. Sabbath. 119.1 (יוסף מוקיר שבי)• *") 2. B M. 16, 5 (.(להם משנה נשמה יתרה (***. st) מתנה טובה. Talm. Sabbath. 10. 2. stst) Altjüdische Sage aus späterer Zeit: Sambatjon sei ein wilder Strom, welcher die ganze Woche Schlamm und Steine aus-- werfe, und immer am Sabbath zur Ruhe komme, ststst) Worte des ebräischen Dichters.