Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 15 (14.4.1874)
- Date
- 1874-04-14
- Page
- Seite 116 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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116 er zum Christenthum, mit desien Lehre er sich ja vertraut gemacht, überzutreten geneigt wäre, er ihn als Repetent in's Stift nach Tübigen schicken würde, wo er bald eine Professur der Orientalischen Sprachen erhalten werde. Maier erklärte sofort mit Entschiedenheit, daß es bei aller Achtung vor der christlichen Religion doch seiner Ueberzeugung widerstrebe, sich zudemkirchlichenLehrbegriffdesselbenzubekennen. M. bedurfte nun der Ruhe und Erholung. Zehnjährige anhaltende Studien hatten seine Gesundheit erschüttert, besonders war eines seiner Augen durch viele Nachtwachen sehr geschwächt. Er fand sie im väterlichen Hause, wo er bis zu seiner im Juni 1827*) erfolgten Uebersiedelung nach Frankfurt a. M.**) verweilte. Hier gab er Privatunterricht in den klassischen und orientalischen Sprachen und docirte einige Zeit aushilfsweise an der dortigen israelitischen Realschule, welch letzterer Umstand seinen ersten schriftstellerischen Versuch veranlaßte. Es war dies die Ausarbeitung einer biblischen Geschichte für die oberen Clasien, und die eines Spruchbuches für die unteren, welche ihm von der Schulkommission übertragen wurde. Durch diese beiden Arbeiten wurde Maiers Aufmerksamkeit auf die Verbesserung des Religionsunterrichts in den israelitischen Schulen überhaupt gelenkt, der, wie fast allenthalben, so auch in Württemberg noch sehr in Argen lag. Wohl war durch eine Ministerialverfügung vom 17. Juni 1825 angeordnet, daß die Kinder der Israeliten da, wo keine besondere isralitische Schule für sie besteht, die öffentliche Ortsschule gleich denen der Christen, zu besuchen haben, allein für einen planmäßigen, methodischen, auf dem Boden der heil. Schrift ruhenden und von ihrem Geiste durchwehten Religionsunterricht war in den israelitischen Gemeinden Württembergs noch keine Spur vor- Händen und in keiner Weise gesorgt. (Schluß folgt.) Correjponäenz. Angekkeim. Wir erhalten soeben die Zuschrift: Laute Anfrage an die Herren Rabbinen. Welche Stellung wird das Judenthum dem in der Gegenwart aufgetauchten Leichenverbrennungssysteme gegenüber einnehmen? Gau-Algesheim, im April 1874. B—s. Wir erwidern darauf: Nach unserer Ansicht wird das Judenthum gar keine Stellung zu der Sache zu nehmen haben. *) Da Maier Ende 1827 Heidelberg erst verließ, kann er bis Juni 1827 nicht in seiner Heimath sich ausgehalten haben. **) Ueber den Frankfurter Aufenthalt M.'s geht der Nekrolog zu rasch weg. Seine Beziehungen zu Creiznach, Heß. Johlsohn rc. wurden für ihn sehr fördernd und die Freundschaft mit diesen Koryphäen des Judenthums, zu denen sich später noch Jost gesellte, wurde von ihm stets gepflegt. Die ganze Frage ist vorläufig nur eine Seifenblase, die bald in Nichts zerplatzen wird. Es wird unter den bald 300 Millionen Europäem noch kaum ein Dutzend geben, die im Ernste wirklich verbrannt sein wollen, auch wenn sie sich jetzt der einschlägigen Bewegung scheinbar anschließen. Ist unter diesem Dutzend ein Jude, so mag er's für sich anordnen, wie er Lust hat; wer wird's ihm wehren? Die Farce des Berliner Fragers an den jüdischen Vorstand ist an und für sich ein Unsinn! Denn wenn man verbrannt wird, so ist es ganz einerlei, wo? Da darf es wohl auch in der Küche sein! Braucht es dann eines jüdischen Friedhofs? Friedhof ist ja nur der Ort für die Leichenbestattung, für die ״friedliche" Ruhe der Verstorbenen. Wozu also ein Friedhof, wenn die Leichen verbrannt werden? Wozu die Leiche erst aus den ״Friedhof" verbringen? Eine ״Retorte", ein Laboratorium, — auch ein Secirtisch — und Arbeit genug. Redaction. Lerlin, 26. März. Das Localcomits der Alliance isr. universelle dahier hat eben seinen Geschäftsbericht und Mitgliederverzeichniß vertheilt. Wir entnehmen demselben Nachfolgendes: ״Eine Zusammenfassung der Geschäftsthätigkeit des Berliner Localcomites in den beiden Perioden vom 1. October 1869 bis 18. Mai 1872 und vom 18. Mai 1872 bis 31. December 1873 ergibt folgendes Gesammtresultat: A. Einnahme. 1) vom 1. Oct. 1869 bis 18. Mai 1872 Thlr. 10092.25. 6. 2) vom 18. Mai 1872 bis 31. Dec. 1873 2499.12.6 ״. Summa Thlr. 12592. 8. In dieser Einnahme sind, inclusive der Thlr. 1112. 15. aus der Casse des Centralcomitös resp. des Königsberger Hauptgrenzcomitss, überhaupt Thlr. 1642. 18. 6. von außerhalb, durch Geschenke oder Mitgliederbeiträge, in die Caffe des Berliner Localcomitss geflossen, es verbleiben mithin Thlr. 11558.29.6., welche aus Berlin allein vereinnahmt worden sind. B. Ausgabe. 1) Thlr. 9483. 5. 6. .2338 ״ (2 14. 6. Summa Thlr. 11821. 20. —. Im Ganzen sind ausgegeben: 1) für Studirende Thlr. 2287. —. —. 2) für Handwerker . ״ 4307. 27. 6. 3) für Waisenbeförderung . ״ 1146. 26. —. 4) für Auswanderung ,, 1817. 22. —. 5) Extra und Diverse ״ 627. 14. —. 6) Reise .... ״ 542. 18. —. 7) Verwaltung ״ 1092. 2. 6. Thlr. 11821. 20. —.