Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 15 (14.4.1874)
- Date
- 1874-04-14
- Page
- Seite 115 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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115 < des Rabbmen M. in Niederstetten, mit welchem er im Herbste 1817 zusammentraf, daß er nur noch ein paar Jahre dem j Studium des Talmuds auf einer jüdischen Hochschule obzuliegen habe, um sich das Rabbinerdiplom zu erwerben, brachte er den schon länger von ihm gehegten Vorsatz, dem Lehrerberuf nun zu entsagen und sich für das Rabbinat auszubilden, zur Ausführung und begab sich zu diesem Behufe im Juni 1818 nach Mainz, um bei dem dortigen Oberrabbinen und Schulhaupte Rabbi Herz Scheuer seine talmudischen Studien zu vollenden. Allein bei den Nachwehen des Theurungsjahres 1817, unter welchen die israelitische Gemeinde Mainz immer noch sehr litt, nahm der Oberrabbiner S. Anstand, die ohnehin nicht unbedeutende Zahl seiner Schüler, die zum großen Theile unterstützungsbedürftig war, noch zu vermehren und versagte darum Maier die Aufnahme, und da auch die erhoffte Gelegenheit, durch Privatunterricht sich redlich zu ernähren, sich nicht zeigen wollte, so war Maier genöthigt, wieder eine Hauslehrerstelle in dem benachbarten Dorfe Trebur anzunehmen. Obgleich er auch in dieser Stellung durch seine berufliche Lehrthätigkeit sowohl, als auch durch sein Privatstudium seine talmudischen Kenntnisse erweiterte, so gerieth doch seine Fortbildung in allen übrigen Fächern des Wissens allmählich ins Stocken. Da ward er im Mai 1819 von dem Kaufmanne Oppenheim in Mainz zum Hauslehrer seiner Kinder engagirt und damit trat eine entscheidende Wendung in Maier's Bildungs- und Lebensgang ein. Das Beispiel des aus Mainz gebürtigten Jsak Bernays, welcher in Würzburg unter der Leitung des dortigen Rabbinen Bing den Talmud studirte und dabei die Vorlesungen einiger Professoren der philosophischen Facultüt, besonders die des Philosophen Wagner hörte und so allgemeine wissenschaftliche Bildung mit talmudischem Wissen verband, weckte in Maier um so mehr den Entschluß, dem Beispiele desselben zu folgen, als Bernays trotz des Geschreis der Hyperorthodoxen 1821 zum Chacham der israelitischen Gemeinde in Hamburg berufen wurde. Maier nahm nun bei dem jüdischen Privatgelehrten Di׳. Creiznach in Mainz Unterricht in der lateinischen und griechischen Sprache^) und betrieb diese Studien mit solcher Energie, daß er schon nach einem Jahre den Sallust und Virgil mit ziemlicher Fertigkeit las und auch leichte griechische Stücke verstand. Schon 1823 erklärte sein Lehrer Dr. Creiznach, daß er die nöthigs Reife zum akademischen Studium besitze und so bezog Maier im Frühlinge 1824 die Universität Heidelberg. Der innere Drang nach wissenschaftlichen Studien war in ihm so mächtig, daß selbst die Einsprachen seines Vaters, der es für thöricht hielt, im Alter von 27 Jahren noch einmal ein langwieriges Studium zu beginnen und seine Ersparnisse dafür aufzuopfern, bei aller Pietät, welche er gegen denselben stets bekundete, ohne Wirkung blieben. Wohl einsehend, daß seine Kenntnisse in den alten Sprachen, in der Geschichte und in der Mathematik noch unzureichend seien, um die Maturitätsprüfung mit Erfolg zu erstehen, verwandte er in den drei ersten Semestern seine meiste Zeit auf das Studium dieser Fächer und der Philosophie, trat mit dem Beginne des Wintersemesters 1824 in das philologische Seminar und erstand 1825 mit gutem Erfolg die Maturitätsprüfung in Stuttgart. * **)) Da das philosophische Studium damals in Heidelberg nicht sonderlich gut vertreten war, studirte er, nachdem er Logik und Geschichte der Philosophie bei Erhärt gehört hatte, nach Krug's Handbuch der Philosophie privatim das Kantische System und ward ein warmer Verehrer desselben. Die Moral Kant's sprach ihn ganz besonders an. Die strengen Anforderungen, welche dieselbe an den Menschen gestellt, stimmten ganz mit seiner Denkweise überein und der moralische Gewinn, welchen er aus der Kant'schen Philosophie zog, war nicht geringer als der wissenschaftliche. Von dem Wunsche geleitet, das Christen-!thum nach seinem wesentlichen Inhalte kennen zu lernen, hörte | M. neben Homiletik, Pädagogik und Didaktik, auch christliche; Dogmatik und Moral und neutestamentliche Exegese. Gegen Ende 1827 verließ Mdie Heidelberger Universität, um zu-! nächst das Staatsexamen zu erstehen, das sich auf fast alle j Fächer der Theologie, auf Einleitung ins alte Testament, - Dogmatik und Dogmcngeschichte, Moral, Predigt und Katechese! u. s. w. erstreckte. Er erhielt in allen Fächern die Note i ״vorzügliche Tüchtigkeit" mit der Befähigung zur Bekleidung! eines Rabbinats, sowie eines Lehramtes an einer Wissenschaft- I lichen jüdischen Lehranstalt. j Nach erstandener Prüfung galt es, sofort auch eine nicht kleine Versuchung zu bestehen. Sein Examinator von Flatt, *׳*) welcher trotz seines humanen Charakters doch von Proselytenmacherei nicht frei war, gab Maier zu verstehen, daß, wenn *) Der selige Dr. Creiznach unterrichtete Maier in den frühesten Morgenstunden, dieser aber war so emsig im Studiren, daß er den guten Creiznach vor Tags öfters weckte und dieser ihm einmal die Thüre wies, nach einigen Tagen aber wieder den Unterricht aufnahm. Von seinem Lerneifer erzählte man sich in Mainz, er sei einmal am Sabbath mit der Feder hinter dem Ohr in die Synagoge gekommen. *) In Heidelberg war er ein emsiger Schüler von Paulus, der ihn als württembergischen Landsmann in seinen Studien förderte und ihm Empfehlungen an den Studienrathsdirector v. Flatt in! Stuttgart mitgab. Seine Dissertation über Kohelet bei seiner Promovirung zog die Aufmerksamkeit der Fachgelehrten auf ihn. **) Die Proselytenmacherei Flatt's war nicht so exorbitant, auch wußte er nur zu gut von seinem Freunde Paulus, daß Maier Rationalist war: es scheint dem Verfasser hier die Parallele von Lavater und Mendelssohn zu dieser poetischen Ausschmückung getrieben zu haben.