Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 14 (7.4.1874)
- Date
- 1874-04-07
- Page
- Seite 110 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9588641-9578923-9579046--603-9579052- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
110 Betrachtungen und Briefe zur Förderung des Baues einerWasserleitung in Jerusalem von Henry Lumley. Aus dem Englischen übersetzt von Martin Jaffs. Leipzig, Joh. Friedr. Hartknoch 1873.—Der Palästina-Enthusiasmus und die Jerusalem-Bettelei in anderer Art. Wir glauben nicht, daß sich unsere deutsche Orthodoxie für dieses Unternehmen begeistern wird. Es sind 20,000 Pfund erforderlich; ja diese sind eigentlich bereits von einer englischen Baronesse geschenkt. Aber der türkische Ferman fehlt und das Geld zur Aufstellung und Bezahlung der Wachtposten, welche den fertig gestellten Bau vor dem Verderben der Fellahs und Kameeltreiber zu schützen haben. Um dies zu erlangen, dafür sollen die europäischen Völker und Mächte interessirt werden. Wir meinen, wenn die orientalischen Völker sich einen solchen Aquaduct nicht zu erhalten wissen, dann verdienen sie keinen. Und der Beweis liegt vor. Der Aquaduct Montefiore's und der neuere von Nachif Pascha — beide sind wieder zu Grunde gegangen. Und wie viel ist bei uns noch in allernächster Nähe für solche Zwecke zu thun, daß wir den Blick schon in die weite Ferne schweifen lassen? vr. R. Mar Samuel von I)r.D. Hoffmann. Leipzig,Oskar Leiner 1873. — Wir begrüßen derartige Biographien mit Freuden. Der Verfasser wirkt jetzt an dem orthodoxen Rabbiner-Seminar in Berlin, und es ist wiederum eine Freude, auch die Männer dieser Richtung die talmudischen Studien wissenschaftlich betreiben zu sehen. Liegen auch von den älteren Führern dieser Richtung und Schulen keine Beweise der Wissenschaftlichkeit vor, die jüngere Generation muß und wird der Zeit Rechnung tragen, in welcher sie leben und für welche sie wirken. Eigenthümlich genug nimmt es sich daher in der vorliegenden Biographie aus, wenn Samuel's, des alten Talmudisten freisinnige Richtung gerühmt wird, der es sich und Anderen zur Vorschrift machte, auch in religiösen Dingen den Forderungen der Zeit nachzugeben, obwohl wir wissen und sehen, daß der Biograph und seine Schule solche Grundsätze in Theorie und Praxis verwirft. Unwissenschaftlich ist die Behauptung, daß von Cyrus ab eine ununterbrochene Reihe von Exilarchen Davidischer Dynastie geherrscht habe, da sie nicht nur nicht historisch begründet erscheint, sondern ihr von der Geschichte widersprochen wird. Die Blüthe der babylonischen Schulen von Samuel statt Rabh zu datiren, ist ebenfalls ungeschichtlich, obwohl Letzterer jünger war und später nach Babylon kam. Weise und Schulen existirten auch vor R. dort, aber die Blüthe der letzteren datirt erst von ihm. Die Erklärung von ״Achrioch" ist noch nicht erledigt; auch die Frage über die Einheit von Suva und Mata Mechana bleibt noch offen. Dr. R. Feuikketon. Baron Frank, der Kabbalist in Offenbach. Historisch-romantische Erzählung von I. (Fortsetzung.) ״Haltet Frieden, Ihr Söhne Israels", sprach er, ״und kämpfet nicht um eine Sache, die noch fern ist, und nicht erscheinen kann, bis Alles erfüllt ist, was vorher verkündet worden. Warum wollet Ihr streiten für Nichtiges, kämpfen für Unberechenbares? Siehe da, der Tag wird kommen, wo der heilige König und die Schechina erscheinen werden in Glanz und Herrlichkeit und der Ewige, mein heiliger Vater, wird ihn in die irdische Welt herabsteigen lassen, die Augen der Blinden zu öffnen und Euch eine höhere Lehre zu geben, als die ist, die herabgekommen vom Sinai. Es werden Euch hell werden die Augen und klar werdet Ihr sehen in seinem großen heiligen Sohar. Aber noch ist er fern, dieser Tag. Noch bin ich nicht geläutert durch das Feuer, gereinigt durch das Bad und die — die ich für die Schechina gehalten habe, bestimmt den Messias zu ehelichen, sie ist nicht die echte Matronita, sie ist-—" Mit einer Wuth ohne Gleichen stürzte sich der alte Schor und seine Tochter zugleich über Jankiew. Sie hätten ihn erdrosselt. Aber die Zuschauer waren gethcilter Stimmung. Viele der Sabbathianer waren bereit für Jankiew einzutreten; Andere blieben ihrem alten Führer Schor treu, die Rabbaniten waren verblüfft wegen dieser grenzenlosen Keckheit, und der Tumult würde von Neuem begonnen haben — aber Jankiew war plötzlich, wie durch ein Wunder, verschwunden. Man suchte ihn und fand ihn nicht, weder im Hofe noch im Hause. Er war den Blicken der Freunde und Feinde entrückt in demselben Augenblicke, als sich die Kämpfenden um feinetwillen einander gegenüberstanden. Und die Menge verlief sich kopfschüttelnd. Noch lange stand nur Chaja, die Matronita, auf ihrem Platze. ״Er hat mich verlassen", murmelte sie, ״der Mann, den ich so fest an mich geknüpft Zu haben glaubte und den ich liebte, wie ich nie mehr einen Mann lieben werde, noch nie einen geliebt habe. Was hat ihn dazu verleitet? Sein grenzenloser Ehrgeiz? Das Gerede seiner Mutter? Ah ba", murmelte sie zähneknirschend, ״nichts von beiden! Er war meiner Liebe satt, satt, der Verruchte! Sie meinen jetzt, er wäre unmittelbar von diesem Hofe weg in den Himmel geflogen; ha, ha, ha! Ich sah ihn in der Thüre zum unterirdischen Gange verschwinden. Seine Mutter wird er schon zu bescheiden wissen. Meinetwegen, mag er gehen! Aber — ich werde mich rächen! Jankiew, wir werden uns wiedersehen, Du wirst Dich dann Frank nennen, wie Du seit