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Jüdische Volkszeitung · 1874-04-07 · 14 (7.4.1874) · p. Seite 109

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
14 (7.4.1874)
Date
1874-04-07
Page
Seite 109 (sequence 5)
Language
German
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109 israelitischen Schule und deren Lehrer nur Günstiges mittheilen. Wir hatten vordem längere Zeit einen schwächlichen und kränklichen Lehrer und der Religionsunterricht war daher lange so vernachlässigt, daß die Kinder nur mit Zwang zum Besuch der Schule angehalten werden konnten. Jetzt aber ist es anders geworden; die Jugend hängt mit ganzem Herzen an ihrem Lehrer Heß, der es versteht, solche für jüdisches Leben und Wissen zu begeistern, und der nichts versäumt, seine Schule in jeder Beziehung zu heben. So führte z. B. die Jugend unter seiner Leitung auf Purim unter Beifall aller Zuhörer ein Lustspiel auf, dessen Ertrag zum Besten der Achawa verwendet wurde. Möchten seine Colleges diesem Beispiel folgen; möchten aber auch die Gemeinden das Streben solcher Lehrer würdigen! Von unserem Cultus ein anderes Mal! Literarisches. Rumänien und Amerika von Leon Horowitz. Berlin 1874. Selbstverlag. — Eine hebräische Schrift in rumänischen Angelegenheiten. Daß sie im Interesse der rumänischen Juden hebräisch abgefaßt werden mußte, zeugt dafür, wie fern dieselben noch europäischer Cultur stehen. Sie enthält eine vollständige Organisation des bekannten Auswanderungsvorschlages wahrscheinlich von dem berühmten Consul Peixotto inspirirt, wie auch das Buch demselben gewidmet ist. Zunächst ist eine Beschreibung der Reisen des Verfassers durch Rumänien gegeben, wobei die Hauptgemeinden ihrer Größe, ihren Anstalten und Zuständen nach beschrieben werden. Wir erfahren dabei, daß die rumänischen Juden früher einfach und friedlich gelebt haben, bis fremde Juden einwanderten, das Land ausbeuteten, sich bereicherten und dadurch den Haß der christlichen Bevölkerung hervorriefen, obwohl die Verfolgung sich hauptsächlich gegen die armen, unschuldigen Juden richtete. Ja diese jüdische Sonderpartei schüre förmlich den Haß und die Verfolgung gegen die ärmeren Glaubensgenossen, um den Druck von sich abzulocken und ungestört fortwuchem zu können. Sie bestechen die rumänische Presse, welche aussagen nmß, daß Nichts im Lande vorfalle und Alles in Ordnung und Ruhe sei; sie geben gleichlautende falsche Berichte nach dem Auslande und haben durch ihre Deputation auf der Brüsseler Versammlung auch derartige Aussagen kundgegeben, um die Wirksamkeit und das Einschreiten dieser Versammlung für die bedrückten Rumänier zu Hintertreiben. Als Hauptagitatoren werden Anton Levi und Dr. Hirsch (Elsässer) genannt. Peixotto und der Verfasser kennen keinen anderen Ausweg als Auswanderung nach Amerika. Dafür werden die Verhältnisse der einzelnen Länder und Städte im neuen Welttheile genau specificirt und Rathschläge für die zu wählende Arbeit, Handwerk oder Ackerbau, auch Handel, ertheilt, ebenso wie für die Reiserouten. Vor Allem wird darauf hingewiesen, daß nur junge, kräftige und arbeitsfähige Männer zunächst hingehen sollen, um nicht von vornherein durch das Bleigewicht der ganzen Familie in ihren Bewegungen gehemmt zu sein oder zur Annahme von Almosen gezwungen zu werden. Man erkennt hierin aufs Neue die Verdienste Peixotto's, der trotz aller Schwierigkeiten, Gehässigkeiten und Abmahnungen in wie außerhalb Rumäniens seinen Auswanderungsplan ruhig verfolgt. Wir glauben zwar immer noch, daß hierfür große Summen erforderlich sind, welche nicht nur augenblicklich fehlen, sondern deren Herbeischaffung schwierig sein wird. Aber gestehen müssen wir auch, daß nach dem vorliegenden, klug angelegten Plane von keiner Massenauswanderung, welche mit Einem Male ins Werk zu setzen sei, die Rede ist. Nicht ganze, zahllose Familien, ihrer Habe beraubt, sollen hinübergeschafft und dort ernährt werden. So kindisch wird der ehrenwerthe und weltkluge Peixotto niemals gedacht haben. Sondern junge Männer, die ihr Vermögen in der Arbeit, welche sie gelernt, und in den Kräften, welche ihnen Gott gegeben, in sich tragen, sollen auswandern, und wenn sie seß- Haft geworden sind, ihre alten Eltern und jüngeren Geschwister,! welche inzwischen ebenfalls arbeiten gelernt haben, Nachkommen lassen. So ist die Ausführung durchaus nicht unmöglich, und wir danken es den Männern, welche sich dafür interessiren. Daß Peixotto seine Feinde und Hasser in Rumänien hat, ist leicht denkbar; um so mehr wollen wir ihn außerhalb Rumäniens ehren und seine und des Herrn Horowitz Sache, die beide Männer mit diesem Büchlein zu fördern bestrebt sind, der weitesten Unterstützung lebhaft empfehlen. Wenn auch den jüngsten Nachrichten zufolge die Stimmung gegen die Juden und deren Behandlung augenblickkich eine günstigere geworden sein mag, so befürchten wir, daß das Feuer unter der Asche fortglimmt, aber nicht gelöscht ist. Denn es ist nichts Wesen- Haftes zur radicalen Besserung der rumänischen Zustände gethan worden. Benutzen wir vielmehr diese Zeit des Waffenstillstandes, um zur Auswanderung Alles gehörig vorzubereiten. Freuen wir uns, daß dieselbe nicht übereilt zu werden brauchte, aber geben wir den Plan, den Unglücklichen in Amerika eine Zufluchtsstätte zu schaffen, nicht'auf, wenn das Feuer wieder auflodern und zur Flucht drängen sollte. Wir hören es ja von competenter Seite unaufhörlich wiederholen: Rumänien ist nicht der Boden, wo die im Interesse der Juden ausgestreute Saat, und wäre sie der besten Art, aufgehen und Früchte tragen könnte. Hier kann nur, um mit dem Propheten zu reden, Wind gesäet und Sturm geärntet werden. Dr. R.

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