Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 13 (31.3.1874)
- Date
- 1874-03-31
- Page
- Seite 102 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 102 1 1 lung zur Folge hat — während oft bei seichten Köpfen das Gegentheil geschieht. Wozu also der ganze Auftritt? Zugegeben, das Volk Israel bestehe aus lauter Propheten, wozu eine theatralische Procedur? Muß doch jeder autorisirte Lehrer durch staatsgültige Zeugnisse seine Theorie und Praxis im Schulwesen Nachweisen. Eine Ueberprüfung — was doch ein solcher Probevortrag sein soll — ist eine Beleidigung für die k. k. Prüfungscommission, da diese doch keine falschen Urtheile abgiebt; sie ist eine Beleidigung für denanzustellendenLehrer,damanseinenZeugnissen, seinenWorten nicht glaubt;sie ist verletzend und beschämend für den zu dieser Zeit an der Schule wirkenden Lehrer, wenn er nicht freiwillig der Stelle entsagt hat, da dieser beim Probevortrage zugegen sein muß, um die Rangen in Ordnung zu halten; sie ist eine Zurücksetzung gegen den katholischen Collegen, der schon auf Grund seiner Zeugnisse sogar die fixe Anstellung erhält. Da nun bald die Saison der Concurse beginnt, mögen die löbl. Cultusg. aus obigen Gründen abstehen von der Clausel: ״Probevortrag unerläßlich." (Auch anderwärts anzuwenden; in unserer Gegend, wo der Cantor im Vortrag dominirt, der Lehrer zurücktritt, wo man den Cantor beurtheilt, gegen die Lehrmethode und Kenntnisse gleichgültig ist, wenn er nur schön ״ort" und die Kinder lange behält, ist's noch schlimmer. Redaction.) «EitcrarifclWg. Ingelkeim, 18. März. Deutsches Wörterbuch von JDr. Friedr. Wilhelm Weigand, ordentlichem Professor an der Großherzoglich hessischen Ludwigsuniversität. Zweite, verbesserte und vermehrte Auflage. Vierte Auflage von Friedr. Schmittheimer's kurzem deutschen Wörterbuch. 1. und 2. Halbband, von a—lyrisch. Gießen 1872 I. Ricker'sche Buchhandlung. Ein mit deutscher Gründlichkeit und reichem Wissen gearbeitets Werk, welches unseinführt in das Wesen und die Geschichte unserer Muttersprache und der Grundformen, aus welchen die jetzt üblichen Wortbildungen sich entwickelten. Je mehr sremdsprachlicheKenntnisse sich ausbreiten, desto mehr—so scheint es uns—sollte das eigene Sprachgebiet gründlich erforscht werden; desto größer wird auch das Bedürfniß der tiefer gebildeten, sich auf ureignem Boden nicht vom bloßen Instinkt leiten zu lassen, sondern klarer zu sehen. Das ist die Aufgabe dieses Werkes, dessen Verfasser bekanntlich zur Zeit fast unbestritten die erste Autorität auf diesem schwierigen Gebiete der Sprachforschung ist. Ist es doch sicher leichter, sich wissenschaftliche Lorbeeren auf dem Boden anderer Wissenschäften zu suchen, wo man Faßbares vor sich hat, als hinabzusteigen in die Tiefen der eigenen Volksseele und hier ihrem Leben nachzuforschen bis in die fernsten Jahrhunderte. Möge dies Buch viele Verbreitung und im Lehrerstande tüchtige Forscher finden. Wir werden, beim Erscheinen des zweiten Theils, nochmals eingehend auf das Ganze zurückkommen. Geschichte der deutschen Literatur von Dr. C. W.G. Eduard Schwarz. 2. Auflage. Amsterdam und Leipzig. Ge br. Bing er 1873. Der Verfasser behandelt das deutsche Schriftthum von der althochdeutschen Zeit bis in die Gegenwart in gründlicher, übersichtlicher Weise und befleißigt sich dabei, was bei einem Literhistoriker nicht rühmend genug hervorzuheben ist, einer entschiedenen Freisinnigkeit und Vorurteilslosigkeit. Er legt den richtigen Maaßstab an, urtheilt selbst und spricht nicht zum Lob und nicht zum Tadel nach vorgefaßten Meinungen. Zuweilen dürfte die Sprache etwas weniger aphoristisch sein. Das Werk würde dadurch an Lesbarkeit und Freunden gewinnen.— Praktische Anleitung zur Heilung des Stotterns für Eltern und Lehrer sowie zum Selbstgebrauch von Ed. Günther, Hauptlehrer der Taubstummen-Anstalt zu Neuwied. Neuwied und Leipzig 1873. Druck und Verlag der I. H. Heuser'schen Buchhandlung. Eine ganz ausführliche und gründliche Anweisung, die aus praktischen Erfolgen hervorzugehen und von einem einsichtsvollen Lehrer herzukornmen scheint. Ein bestimmtes Urtheil sind wir, als in der Sache unbekannt, natürlich nicht abzugeben im Stande. — Des Knaben Wunderhorn. Alte deutsche Lieder — gesammelt von B. Arnim und C. Brentano. Verlag von Heinr. Killinger und Co. in Wiesbaden. Es ist ein wunderlieblicher Geist, der in den frischen, heiteren Poesieen der alten Deutschen lebte und webte. Das Herrlichste aus dem reichen Schatze der Romantik jener Epoche haben die beiden bekannten Romantiker in diesem Buche zusammengetragen. Es wird frischen und tiefen Gemüthern stets Genuß bringen. Wir sehen den weitern Lieferungen mit Vergnügen entgegen. (Die Bemerkung dürfen wir jedoch, Lehrern und Eltern gegenüber, die dies Buch noch nicht kennen, nicht zurückhalten, daß dasselbe für Kinder durchaus nicht ist. Wir heben dies hervor, weil der Titel zu dieser Meinung verleiten könnte.) Oker-Ingelkeim, 5. März. Hästers Fibel (Verlag von G. D. Baedecker in Essen) ist in der 500k« Stereotyp- Auflage erschienen. Es sind bis jetzt 1,500,000 Exemplare von derselben gedruckt. Wir haben schon zum Oefteren auf dieselbe aufmerksam gemacht; sie bedarf deshalb unsererseits hier keiner weiteren Besprechung. Die Fibel für den ersten Elementar-Unterricht von F. W. Hunger, Bürgerschullehrer inAnnaberg, (Hildburghausen, Carl Nonne's Verlag) enthält wohl Bilder, entfernt sich aber sonst in keiner Weise von den gewöhnlichen Lautirsibeln. — Deutsch er Lesestoff für Schulen. Planmäßige Zusammenstellung deutscher Lesestücke von der Elementar-Lesestufe bis zum Abschluß des Leseunterrichts, von Otto Lange. (4. und 1 Lj?