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Jüdische Volkszeitung · 1874-03-31 · 13 (31.3.1874) · p. Seite 103

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
13 (31.3.1874)
Date
1874-03-31
Page
Seite 103 (sequence 7)
Language
German
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1 03 i 1 > *• 5. Stufe; Berlin, Rudolph Gärtner's Verlag 1873). Ein sehr gut geordnetes Lesebuch, das den Zweck im Auge hat, den gute Lesebücher für gute Schulen einzig im Auge haben sollten: Lesen und Verständniß des Gelesenen; und darum: gewählte Musterstücke aus allen Zweigen der Literatur von den besten Schriftstellern und Klassikern. Das ist die richtige Art; so erfahren die Kinder, wie man liest, was sie lesen können und die Leselust wird angeregt und unterstützt- Wir können diesen ״Lesestoff" bestens empfehlen, auch für solche Knaben, welchen man, neben dem landläustgen Lesebuch noch eine gewählte Lektüre in die Hand geben will. Leitfaden für den erstenUnterricht inder deutschen Sprache. Zum Gebrauch vornehmlich in Vorschulen (?), sowie in gehobneren Volksschulen, dargestellt von Dr. F. W. K. Fischer, ordentlichem Lehrer an der Victoriaschule in Berlin. (Ebendaselbst) Enthält den Unterrichtsstoff, glatt in Regeln dreifacher Begriffsbestimmungen geordnet, wie er in jeder guten Volksschule durchgenommen werden soll. Der Lehrer muß natürlich diesen Stoff zu behandeln verstehen. Feuikketon. Baron Frank, der Kabbalist in Offenbach. Historisch-romantische Erzählung von I. (Fortsetzung.) Und jetzt machten sie einen Höllenlärm im Hofe; es schien, als sollte sich eine Schlacht entwickeln zwischen den Anhängern des Sabbathai und denen des überlieferten Judenthums. Jankiew machte sich, als er dies bemerkte, sanft von seiner Mutter los. Seine Augen sprühten Feuer! ״Laß mich, theure Mutter," sprach er, ״laß mich! Mem Schicksal ist in den Sternen geschrieben. — Siegen oder sterben! Aber hier will ich nicht länger kämpfen gegen diese Schwächlinge, die so unklar sind über ihre Aufgabe, wie — ich selbst zur Zeit noch. Siehst du, Mutter, wie sie sich dort unten balgen! Um was? —Diese da, die Rabbinen, um ihre elende Macht, um ihren geringen Einfluß, der doch nicht einmal so weit reicht, daß ste sich vor den Schlägen und Verhöhnungen des geringsten christlichen Knechtes schützen könnten. Was wollen sie? Ihr Lehrgebäude ist morsch, wie faules Holz; es wird aus den Geistern schwinden. Und dann? Das, was sie an Macht über die jüdischen Gemüther besitzen, wird verloren sein und — das Judenthum mit seinen stolzen Hoffnungen und Ver- Heißungen wird mit ihnen zu Grunde gehen. Ich binhalt, ich will hinunter gehen, um meine Anhänger zu schützen. Und dann — — — —-" Er stürzte hinaus. Unten aber war mittlerweile die Aufregung aufs Höchste gestiegen. Die Matronita war mitten im Kreise ihrer An- Hänger erschienen. Ihr Haupt hatte sie in Eile mit einem blendenden Diadem geschmückt, während ihr Oberkörper wieder nur halb verhüllt war, wie sie sich den Ihrigen zeigte, wenn sie verführen, bestechen wollte. Ihre Augen sprühten Blitze, so daß selbst im Krerse der Rabbaniten manch bewunderndes Auge lüstern nach ihr hinfchaute und einen Augenblick der Kampf ruhte. . . . Der Scandal hatte seine Höhe erreicht, als Jankiew erschien. Er trat leise ein, sein Gesicht war erschrecklich bleich geworden, seine Augen glühten; die Rasenden bemerkten ihn nicht. Chaja bewegte sich mit ihrem Vater vor einem der jungen Rabbaniten von fast weiblich zartem Ansehen hin und her, der scheu vor den Andringenden zurückwich. Da trat Jankiew auf sie zu, legte seine Hand schwer auf ihre Schulter und sprach mit einer Stimme, der man den verhaltenen Zorn am leisen Beben anmerkte: ״Hier ist Deine Stelle nicht, Chaja! Gehe in Dein Zimmer!" Erstaunt, verwundert blickte Chaja auf. Im tiefen Grolle warf sie ihm einen verachtenden Blick zu; die doppelte Aufregung klang aus ihren Worten, indem sie sprach: ״Mein Platz nicht hier? Wenn der Messias und mein Beschützer bei seiner friedeathmenden Mutter weilt, da muß die Matronita den Kamps bestehen für ihr heiliges Recht. Diese Feiglinge wollen uns beschimpfen, verderben! Da muß ich heraustreten aus meiner Brautkammer, in welcher ich nun auf Dein Gelöbniß hin schon seit Monden weile, ohne daß Du Deine Zusage, mich zu ehlichen hältst. Ich will mich nicht länger von Dir täuschen lassen. Ziehe hin mit diesen Rabbaniten und Deiner Mutter — ich gebe Dir Dein Wort zurück!" Entsetzt prallte Jankiew zurück. Doch er faßte sich alsbald wieder und sprach: ״Wohl, ich nehme mein Wort zurück, weil Du es wünschest; ich gebe Dich frei — ich werde fortziehen — aber nicht mit den Rabbaniten. —-" Und sich ab wendend, rief er mit so gebietender Stimme einige Worte in den Tumult, daß unter den freilich bis jetzt nur mit Worten und Geberden Kämpfenden augenblicklich Ruhe eintrat. Alle schauten gespannt auf den neuen Ankömmling, den die Anhänger des Sabbathai, des Schor und seiner Tochter wohl als den Bräutigam Chaja's erkannten, der aber den Rabbaniten völlig fremd war. (Fortsetzung folgt.)

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