Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 12 (24.3.1874)
- Date
- 1874-03-24
- Page
- Seite 94 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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auf diese Schule und ihre Lehrer und Leiter. Daß es ein edler, hoher Geist war und ist, wer könnte das bezweifeln? Creizenach, Heß, Johlson, Jost, Stern u. A. m. von den noch Lebenden abgesehen — es sind glänzende Namen am israelitischen Schulhimmel! Daß ״kein Licht ohne Schatten", daß insbesondere der jüdische Geist das jüdisch-religiöse Wissen früher weniger gepflegt wurde, als es einer jüdischen Schule zukommt, die von einer jüdischen Gemeinde mit großen Opfern erhalten wird, soll nicht verschwiegen werden. Man ist in dieser Richtung wohl durch die Opposition gegen bestehende, von uns am wenigsten geleugnete Mißbräuche sehr weit über das Ziel hinausgegangen. Ob man das nicht etwa jetzt einsehen wird? Ob man nicht erkennt, das die großen, alle Kreise durchdringenden Wirren in der jüdischen Gemeinde Frankfurts, die so sehr starke Secession ihre Wurzel in jener, alles Maas überschreitenden Gleichgültigkeit gegen den jüdischen Charakter der Anstalt hatten? Wir hören jedenfalls mit einer wahren Befriedigung, daß in dieser Richtung vieles besser geworden, daß in der Schule jetzt ein echt jüdischer Geist lebt, natürlich ohne der entschiedensten Freisinnigkeit in der Gesammtrichtungden mindesten Abbruch zu thun! Wer möchte auch heute behaupten, daß tiefernste jüdische Ueberzeugungen die Quelle des geläutertstenFortschritts Nichtsein können und sind. Und noch etwas Anderes. Die Zusammengehörigkeit mit dem Gesammtjudenthum, mit Lehrerkreisen außerhalb Frankfurts hat in erfreulichster Weise Platz gegriffen. Auch das kannte man früher nicht. Jetzt gehören z. B. eine größere Zahl der Frankfurter Lehrer der Achawa an, der in diesem Jahre verstorbene Leopold Beer war ein sehr verdienstvolles Mitglied der Verwaltung und mit welcher edlen, unbegränzten Hingebung unser derzeitiger Präsident, Herr Teblde für diesen Verein wirkt, das — ganz zu sagen, verbietet uns die Bescheidenheit des verehrten Collegen und Freundes. — Wir dürfen darum sagen: Vielleicht ״wird die Herrlichkeit dieses Hauses größer sein als die des ersten;" vielleicht wird der Einfluß der jetzigen israel. Real- und Volksschule zu Frankfurt in weit höherem Maße günstige Resultate haben für die Gestaltung der israel. Schul- Verhältnisse — so lange wir eben noch von israelitischen Schulen und nicht mehr blos vom israelitischen Religionsunterrichte sprechen, eine Zeit, die uns nicht ferne dünkt. — Aus dem Programm selbst haben wir hervorzuheben, daß in diesem Jahre außer Herrn Leopold Beer*) noch der penstonirte Lehrer Vuaillet Des Costes, sowie aus dem activen Lehrkörper Di*. Loewe und Heymann der Schule durch den Tod entriffen wurden. An Stelle Heymanns wurde unser Freund und College B. Frank aus Hechingen berufen. Das Lehrercollegium besteht aus 26 Lehrern und 7 Lehrerinnen. Schüler zählt die Anstalt 804 und zwar 474 Knaben und 330 Mädchen in je 9 Klaffen. Aus einem Nachtrag, den verewigten B. H. Goldschmidt betreffend, erfahren wir die für uns höchst interessante Mittheilung, daß des Verewigten Sohn zum ehrenden Andenken an seinen durch hohe Eigenschaften des Geistes und Herzens ausgezeichneten Vater der Creiznachstiftung (für Wittwen und Waisen der Lehrer dieser Schule) fl. 15,000 und der B. H. Goldschmidt'schen Stipendicnstiftung ebenfalls fl. 15,000 zuwendete, welche letztere zu Stipendien ״für solche junge Leute, ohne Rücksicht auf deren Heimath, verwendet werden, welche sich für das Lehramt, sei's an einer Universität oderin einemLehrerseminarevorbereiten.—Wir können von diesem Berichte nur mit der innigsten Befriedigung scheiden. *)Derselbe war jedoch nicht, wie der Bericht an gibt, Vorsitzender, sondern Schriftführer der Achawa. Literariscüeg. Ingelheim, den 16. März 1874. Unser heutiger Literarbericht ist ein erfreulicher. Je mehr wir in der neuen Zeit wahrgenommen haben, daß der größte Theil der jüngeren Theologen Stellenjagend sich den Feinden des Fortschritts zugesellt, um so mehr freut es uns, wenn wir Ausnahmen finden: junge Männer, die der Fahne des Lichts mit Entschiedenheit folgen. Heute haben wir von zwei solchen Erscheinungen zu berichten. Es liegen uns einige Predigten vor. 1) עמנואל (Gott mit uns! Die Zukunft des Judenthums, sein Beruf in der Geschichte der Menschheit. Im Lichte der Bibel und des Talmuds in gottesdienstlichen Vorträgen behandelt am jüdischen Neujahrsfeste ת׳ר׳ל׳ד in der Synagoge Potsdamer Straße zu Berlin. Auf besonderen Wunsch der Gemeinde veröffentlicht und aus Dankbarkeit zum Besten des Hilfsvereins für jüdische Studirende bestimmt von vr. Emanuel Schreiber. (H6608t6ntati0u6 sed pietetate.. Berlin 1873. Im Selbstverläge des Verfasiers.) Eine reiche Begabung, ernstes Streben zum Lichte spricht aus diesen Vorträgen eines, so viel wir wissen, noch sehr jugendlichen Theologen. Klarheit, bilderreiche und würdige Sprache, Wärme und pietätvolle Offenheit erregen unsere wärmste Theilnahme. Die Anmerkungen bekunden tüchtige Kenntnisse. Es ist wohlthuend, zu wissen, daß dem fortschreitenden Judenthume solche neue Kräfte zugeführt werden. Wir unterlassen es, auf Einzelnes einzugehen, um dem Leser den Genuß nicht zu verringern. 2) ,שלהבת יד Gottesflamme II. Band. Religiöse Reden über die Fasttage und Wochenabschnitte, von I. Stern (jetzt Rabbinatsverweser in Mühringen, so viel wir wissen.) Leipzig, Oscar Leiner. Was wir über den ersten Theil der Reden des geehrten Herausgebers geschrieben, gilt auch von diesem zweiten Theile. Der Mann will nicht wie so viele andere, dadurch, daß er einmal ״orthodox, einmal modern" scheint, seine Zukunft gründen. Mit entschiedenster Freisinnigkeit spricht er sich aus über die jüdisch-religiösen